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Das Leben ist kein Ponyhof: "Möglichkeit einer Kampfzone" nach Michel Houellebecq im Lofft

Das Leben ist kein Ponyhof: "Möglichkeit einer Kampfzone" nach Michel Houellebecq im Lofft

Geld und Sex regieren die Welt. Ist das nicht so, Philipp Urrutia? Seit einigen Monaten hat der Dramaturgie-Student der Leipziger Hochschule für Musik und Theater sich dieser Frage verschrieben.

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Letzter Schliff mit quietschgrüner Froschkopfmaske: Regisseur Philipp Urrutia mit seinen Schauspielern Fabian Jung und Luise Audersch (von links).

Quelle: André Kempner

Seine Hauptinspirationsquelle trägt strohfarbenes Haar, kommt aus Frankreich und hat kürzlich mit seinem neuen Roman "Soumission" ("Unterwerfung") für ordentlich Furore gesorgt. Die Rede ist von keinem Geringeren als Michel Houellebecq: Kreuzworträtsel-Schreck und enfant terrible der zeitgenössischen, internationalen Literaturszene.

Was beiden Kunstschaffenden, abgesehen von einem markanten Nachnamen mit nebulöser Schreibweise, gemein ist? Experimentierfreude, Andersartigkeit und Mut. Am Montagabend gibt Philipp Urrutia sein Regiedebüt mit "Möglichkeit einer Kampfzone" auf der Werkstattbühne des Lofft. Michel Houellebecqs Erstlingswerk "Extension du domaine de la lutte" ("Ausweitung der Kampfzone") diente dem 28-Jährigen dazu als Vorlage.

In dem etwa 150 Seiten starken Roman wird das ganze Leben von zwei ungerecht verteilten Regulativen bestimmt: von Geld und Sex. Die meisten Menschen haben davon nicht genug, einige wenige hingegen leben in absurdem Überfluss. "Manche treiben es mit hunderten, andere mit niemandem. Sie sind auf Masturbation und Einsamkeit beschränkt. Das nennt man Markt­gesetz."

Für Philipp Urrutia hat die Thematik des Buchstoffes "Ausweitung der Kampfzone" 21 Jahre nach seinem Erscheinen keineswegs an Aktualität eingebüßt: "Dating-Apps, wie beispielsweise Tinder, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, verwandeln sich immer mehr zu Sex-Apps und profanisieren so zwischenmenschliche Beziehungen. Menschen werden zu Produkten, wie im Supermarkt. Die Bereitschaft sich einzureihen, sich auszublenden, ist sehr hoch."

Der gebürtige Berliner, der bereits als Regieassistent am Maxim-Gorki-Theater tätig war, hat sein Regiedebüt bewusst in Leipzig angesiedelt. Die praktische Ausrichtung des Dramaturgie-Masters und die "kreative Energie", die von der Stadt ausgehe, seien ausschlaggebend bei der Studienortwahl gewesen. Im Rahmen des Werkstattprogramms, das junge Nachwuchskünstler sowohl finanziell als auch organisatorisch und dramaturgisch beratend bei der Umsetzung erster, eigener Regie-Projekte zur Seite steht, hat Philipp Urrutia die Schauspieler Luise Audersch und Fabian Jung kennengelernt. Geprobt wurde in den letzten drei Wochen in einer leerstehenden Ladenwohnung, in der vormals Comic-Laden-Besitzer Superhelden an Mann und Frau gebracht haben.

Ein "echter Glücksfall", meint Philipp Urrutia. Mit seinem Textbuch unterm Arm und Vorfreude in den Augen schreitet er den Bühnenraum im Lofft ab. Camcorder und Blue-Screen werden nicht mehr verrückt. Ob und inwiefern Seifenblasen, Perücken und der alte Fernseher am rechten Bühnenrand, ein Familienerbstück des Regisseurs, zum Einsatz kommen, wird nicht verraten. Von Montag- bis Mittwochabend verwandelt sich die Werkstattbühne in eine Kampfzone. Ring frei für einen kontrastreichen und überraschenden Schlagabtausch!

"Möglichkeit einer Kampfzone", Montag bis Mittwoch, jeweils 20 Uhr, Lofft (Lindenauer Markt 21), Eintritt 8/5 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.04.2015

Anita Westrup

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