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Das Leben leicht nehmen: Zwei Stunden Pop-Glückseligkeit mit Tim Bendzko

Haus Auensee Das Leben leicht nehmen: Zwei Stunden Pop-Glückseligkeit mit Tim Bendzko

Hits kann man doch tatsächlich auch ohne Affen schaffen: Mit Spielfreude und Selbstironie haben Tim Bendzko und Band am Mittwochabend im Leipziger Haus Auensee 3500 Fans begeistert.

Alles handgemacht: Tim Bendzko, 32, und Band im Haus Auensee.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Kaum ein gutes Haar ließ er am aktuellen deutschen Gefühls- und Poesie-Pop. Aber schaut man sich den letzten satirischen Rundumschlag Jan Böhmermanns anlässlich des Echos genau an, stellt er zumindest zwei Dinge den oft melancholisch verträumten Ohrwurmlieferanten nicht in Abrede: den Erfolg und ihre zuverlässige Wirkung beim Zielpublikum. Beides traf auch beim Leipziger Tourauftakt von Tim Bendzko ins Schwarze, der dank Charts-erfolg der „Jim Pandzko“-Parodie mit im Zentrum des Böhmermannschen Coups stand. Und unabhängig von etwaigen Poproutinen kam im ausverkauften Haus Auensee am Mittwochabend noch eine Menge Spielspaß dazu, von dem sich das Publikum schnell anstecken ließ.

Ob Pärchen, beste Freundinnen oder Eltern mit Kindern: Vielfach wird Hand in Hand in den Konzertsaal geschlendert, das Lächeln sitzt locker. Fairerweise lässt man viele der jüngsten und somit kleinsten Fans auch in die ersten Reihen sowohl von Parkett als auch Balkon, anders wäre das Konzert im übervollen Saal für die meisten von ihnen kaum mehr als ein Hörspiel geblieben.

Hinter mondän weißem Raff-Vorhang beginnt es zunächst ganz pur mit Bendzkos Stimme und Gitarre, zwei Stunden später wird es davor ebenso enden. Der sich hebende Vorhang gibt jedoch den Blick frei auf die Hauptsache des Abends: Jeder Ton des aktuellen Albums „Immer noch Mensch“, so wird betont, ist von einem „echten Menschen an einem physisch existierenden Instrument eingespielt worden“. Bezeichnend zwar, dass dies im Popkosmos gesondert erwähnt werden muss, doch analog dazu setzt Bendzko auf Tour ebenfalls ganz auf live gespielte Musik. Die Betonung und das mitunter fast orchestrale Aufbauschen des Handgemachten mit zehnköpfiger Band tut der Musik dabei sehr gut, auch die Songs seiner ersten Alben bekommen so zusätzliche Dimensionen.

Der Spielspaß kulminiert

So kulminiert diese Spielfreude zur fortgeschrittenen Konzertzeit fulminant in seinem Hit „Nur noch kurz die Welt retten“, der live von virtuosem Soul-Pop über absichtlich dissonantem Zwischenspiel und Publikumschor bis zum Stadionrock-Finale reicht, jedem Instrument hörbaren Raum gibt und Bendzko selbst immer noch Platz zur schelmischen Textinterpretation lässt. Anschließend analysiert er selbstironisch per aktuellem Hit „Keine Maschine“, wie man aus einfachen Zutaten einen Hit schreibt, wenn man gerade keine Affen aus dem Gelsenkirchener Zoo dabei hat.

Auch andere Bühnengewerke sind offener Bestandteil des spielfreudigen Abends: Etwa, als ein prototypischer Beziehungsverlauf anhand von Tonmann Stefan und Lichtmann Gunnar erklärt wird, immerhin so diplomatisch, dass es im darauffolgenden Lied weder leise noch dunkel bleibt.

Zentriert sich in den zarten Songs das Geschehen auf Bendzkos Stimme, zeigt er in den lebendigeren sein fast Grönemeyer-artiges Talent zu tanzen. Dass er es dennoch tut, spricht wiederum recht authentisch für den Spaß, den er an seiner Musik hat und die damit einhergehende Einladung ans Publikum, es ihm gleichzutun.

Ganz unrecht hat Böhmermann sicher nicht: Was hier verkauft wird, ist melancholisches, traumtänzerisches Glücksgefühl und unbeschwert poetische Sinnsprüche, verpackt in eingängige Melodien. „Du kannst das Leben leicht nehmen / Auch wenn es das nicht ist“, heißt das bei Bendzko. Aber es könnte Schlimmeres geben, als Künstler und mehr als 3500 Leute zwei Stunden lang derart zufriedenzustellen.

Von Karsten Kriesel

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