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Das Schauspiel Leipzig stellt die neue Saison unter das Motto „Angst oder Liebe“

Spielzeit-Pressekonferenz Das Schauspiel Leipzig stellt die neue Saison unter das Motto „Angst oder Liebe“

Unter dem Motto „Angst oder Liebe“ will das Schauspiel Leipzig ab Herbst den bisherigen Erfolg fortsetzen. Am Dienstag haben Intendant Enrico Lübbe und sein Leitungsteam die neue Saison vorgestellt.

Via Skype ist Residenz-Leiter Thomas Frank aus Tallinn zugeschaltet zur Pressekonferenz, bei der Verwaltungsdirektor Daniel Herrmann, Intendant Enrico Lübbe, Chefdramaturg Torsten Buß und der Technische Direktor Günter Gruber (v.l.) die neue Saison am Schauspiel Leipzig vorstellen.

Quelle: Rolf Arnold

Leipzig. Das Bild ist gut, doch der Ton wackelt arg. „Dies ist eine Performance“, sagt Intendant Enrico Lübbe, „oder haben Sie etwas verstanden?“ Im Multimedia-Teil der Pressekonferenz im Leipziger Schauspielhaus kam am Dienstag durchaus Heiterkeit auf, als Thomas Frank aus Tallinn zugeschaltet war, um seinen Teil zum Ausblick auf die Spielzeit 2017/2018 beizutragen. Der Dramaturg und Kurator leitet die Spielstätte Residenz, und „was der Thomas sagen wollte“, ist: Auch in der kommenden Saison bleibt die Residenz ein Ort performativer Arbeit, soll sich noch mehr als Begegnungsstätte für die Leipziger anbieten. Eine „ziemliche Einmaligkeit“ nennt Chefdramaturg Torsten Buß die Verzahnung dort mit der Freien Szene. Ab September werden dort Ivana Müller, She She Pop und Hermann Heisig Produktionen erarbeiten.

Überhaupt bleibt alles gut und wird noch besser. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, die als „hoher Gast“ die Pressekonferenz eröffnet, ist „mit Fug und Recht“ stolz auf das, was am Schauspiel passiert. Schon 2016 hat der Stadtrat Lübbes Intendanten-Vertrag bis 2023 verlängert. „Enrico Lübbe und das Haus „liegen künstlerisch im Herzen dieser Stadt.“ Zudem haben „wir viele ausverkaufte Vorstellungen“, das habe es jahrelang nicht gegeben. Etliche Einladungen zu Festivals sprechen vom Erfolg. Die Auslastung steuert gerade auf die 80 Prozent zu. Dazu haben sowohl die Kooperationen – mit Zoo, Gewandhaus oder Ballett – beigetragen als auch hochkarätige Gastspiele. Als hochkarätig gilt nicht minder der Deutsche Theaterpreis „Der Faust“, dessen zwölfte Verleihung am 3. November erstmals in Leipzig stattfindet.

26 Premieren und 19 Wiederaufnahmen

In „Zeiten von Kitaplatz-Mangel und Schulplatz-Bedarf“ sei eine Spielstättensanierung für 4,6 Millionen Euro „nicht selbstverständlich“, sagt Jennicke. Genau die läuft gerade, die ehemalige Spielort „Baustelle“ im Erdgeschoss ist eine sehr reale Baustelle. Es geht um 80 Tonnen Stahl und 3000 Tonnen Traglast, und am Ende wird ein Saal für rund 120 Zuschauer fertig sein – und zwar rechtzeitig, wie der Technische Direktor Günter Gruber verspricht. So ein Theater ist kein Flughafen.

Bodenständig ist das Programm der neuen Spielzeit. Es wird 26 Premieren und 19 Wiederaufnahmen geben, Klassiker, Stückentwicklungen und Auftragsarbeiten, Ur- und deutschsprachige Erstaufführungen, es kommen Romane („Eigentlich müssten wir tanzen“) auf die Bühne und Filmvorlagen („Angst essen Seele auf“). Das alles steht unter dem Motto „Angst oder Liebe“. Dieses gegensätzliche Begriffspaar markiere die emotionalen Pole, zwischen denen die Gegenwart eingespannt ist, sagt Chefdramaturg Torsten Buß und verspricht Kontroversen. Bei vielen der jüngsten Wahlen oder Abstimmungen habe es im Ergebnis knapp 51 Prozent zu 49 Prozent gestanden. Große Lager stünden sich gegenüber, „wir haben gesehen, wie sehr man Angst nutzen, wie sehr man mit Angst Politik machen kann“.

Zum Spiel kommt der Diskurs

Daran knüpft das Schauspiel künstlerisch an mit Arbeiten wie der Eröffnungspremiere „Kasimir und Karoline“, das wird im Zentrum diskursiver Auseinandersetzung stehen, die einige der Inszenierungen begleiten: Der Soziologe Heinz Bude befasst sich am 85. Jahrestag der Uraufführung von Horváths „Kasimir und Karoline“ (die in Leipzig war) mit historischen wie gegenwärtigen Formen prekärer Lebensbedingungen. Im Rahmen der Wiederaufnahme von „Die Maßnahme / Die Perser“ sind die Publizisten Karl Schlögel und Willi Winkler zu Gast. Die Reihe der Doppel-Projekte wird fortgeführt mit „Gespenster oder Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“ nach Henrik Ibsen und Daniel Paul Schreber, Sohn (und wohl auch Opfer) des Leipziger Pädagogen Moritz Schreber.

Weiterentwickelt wird die (langfristige) Förderung junger Autoren und Absolventen von Schreibschulen wie dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Erstmals gestaltet der Leipziger Maler Titus Schade ein Bühnenbild, gibt es drei Alexander-Wolkow-Inszenierungen an drei Abenden in Folge, spielen in der Silvesternacht The Tiger Lillies.

Vorher aber feiert die aktuelle Sommertheater-Produktion Premiere: Ab Sonntag gibt’s am Gohliser Schlösschen„Der Streit“.

Infos und Termine unter www.schauspiel-leipzig.de

Von Janina Fleischer

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