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Das Schwarze Leipzig führt in der Moritzbastei Düstermode vor

Gothic Couture Das Schwarze Leipzig führt in der Moritzbastei Düstermode vor

Leipzig ist nicht nur wegen des Wave-Gotik-Treffens die heimliche Hauptstadt der Schwarzen Szene in (mindestens) Deutschland. Seit 2002 ist auch das Netzportal „Schwarzes Leipzig“ aktiv und organisiert etwa in der Moritzbastei die Reihe „Schwarzes Leipzig Tanzt“. Einmal im Jahr wird dabei nicht nur getanzt, sondern – wie jetzt am Freitag – Düstermode präsentiert.

Quelle: Jan-Markus Holz

Leipzig.  Große Ereignisse werfen ihre dunklen Schatten voraus: In diesem Jahr wird das Wave Gotik Treffen 25 Jahre alt. Das Festival wird aus diesem Anlass sogar zum offiziellen Bestandteil der Stadtgeschichte erhoben, denn das zu deren Pflege bestehende Museum eröffnet am 8. März eine diesem Thema gewidmete Ausstellung.

Doch Leipzig ist nicht nur wegen des WGT die heimliche Hauptstadt der Bewegung in (mindestens) Deutschland. Seit 2002 ist auch „Schwarzes Leipzig“ aktiv, ein Netzportal, das unter den ähnlich Gelagerten dieser Richtung mit 6000 aktiven Mitgliedern (Karteileichen gibt’s hier nicht) das größte des Landes ist. Das Ganze war von Anfang an weit mehr als nur eine virtuelle Spielwiese für Düster-Nerds, hier werden auch immer neue Veranstaltungsformate mit Liebe kreiert und umgesetzt. Eines der langlebigsten ist die Reihe „Schwarzes Leipzig Tanzt“ (Insider sagen „SLT“) in der Moritzbastei.

Einmal jährlich gibt es dazu eine Subkultur-Modenschau mit Gothic-Fashion, die einen wichtigen Bereich dieser Szene in einer schier grenzenlosen Kreativität bis zur Skurrilität abbildet. So am kommenden Freitag. Auf dem Catwalk in der Tonne werden diverse Modelabels ihre Kreationen präsentieren, die als untragbar nur verkennen kann, wer noch kein WGT erlebte. Wer allerdings jetzt an die ausladenden Krinolinen in Begleitung männlicher Rüschenhemden denkt, die zu Pfingsten in der Petersstraße paradieren, dürfte haarscharf daneben liegen.

Gegensätze ziehen sich an – oder aus

In der MB wird es weniger barock, dafür eher burlesque bis bizarr zugehen. Seit langem schon gibt es die eigenartig anmutende Hochzeit der freigeistig-romantischen Träumer mit den Liebhabern einer strengen Disziplinierung nach den Regeln der Freiherren de Sade und Sacher-Masoch. Gegensätze scheinen sich anzuziehen. Oder aus: Die Einzelanfertigungen werden mit einiger Sicherheit viel mehr offenbaren als verhüllen, das Motto „Circus Bizarre“ lässt die Richtung erahnen.

Zu erleben sind Modelle und Models von Newcomern wie „Heidis Graetchen Kragen Design“ oder „Pony Couture“ aus Saarbrücken ebenso wie Schöpfungen der szenebekannten belgischen Marke „Cadavre Exquis“.

Dazu darf tanzen, wer nicht gerade gefesselt ist. Neun DJs werden auf vier Tanzflächen versuchen, ein möglichst breites Spektrum des dunkelschillernden gotischen Klangkosmos abzubilden. Allen voran Class Grenayde, der sonst Bassist der gerade schwer angesagten Dark-Rock-Band „Lord Of The Lost“ aus Hamburg ist.

Das Ganze wird abgerundet durch eine Ausstellung mit Arbeiten des Fotokünstlers Thomas van de Scheck, den erfahrene Szenegänger schon länger als Bassisten der unvergessenen Kultband „Cancer Barack“ kennen. Keine spontanen Schnappschüsse sind hier zu bewundern, sondern kunstvoll inszenierte Bildwerke im kargen Weißraum.

Ein Abend also nicht nur der Gothic Couture, sondern eine Annäherung an das Wesen der Gothic Culture. Man muss sich das aber nicht als Geheimtreffen eines Innercircles vorstellen. Auch Nichtschwarze sind – ohne vordergründige Missionierungsabsichten – ausdrücklich eingeladen.

Schwarzes Leipzig Tanzt, Freitag, 21 Uhr, Moritzbastei (Universitätsstraße 9), 6/4 Euro

Von Lars Schmidt

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