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Das Theater der Jungen Welt gibt Einblicke in neue Formate

Erste Saison-Premieren Das Theater der Jungen Welt gibt Einblicke in neue Formate

Elf Saison-Premieren plant das Theater der Jungen Welt in Lindenau und gab jetzt Einblick in die neue Spielzeit.

TdJW-Intendant Jürgen Zielinski (Mitte) präsentiert die Neuen (v.l.n.r.): Antje Klahn (Theaterpädagogin), Birgit Lindermayr (Pressereferentin und Dramaturgin), Elena Köhler (Leitung Ausstattung) und Schauspieler Philipp Oehme.

Quelle: Sebastian Schimmel

Leipzig. Dass der Intendant des Theaters der Jungen Welt gern hoch hinaus will, scheint auch der neue Fahrstuhl im Theaterhaus am Lindenauer Markt zu wissen. Jedenfalls kündigte das Display bei Jürgen Zielinskis erster Fahrt den 55. Stock an. Der Softwarefehler ist inzwischen beseitigt. Und zum Pressegespräch zur Spielzeitauftakt schweben einige der neuen Mitarbeiter per Fahrstuhl ins Foyer, um sich vorzustellen. Darunter einer, der sich nicht mehr vorstellen müsste: Schauspieler Philipp Oehme, mit dem Stück „Juller“ als Gast bereits in der vergangenen Saison erfolgreich am Haus gestartet. Genauso wie Schauspielerin und Musikerin Laura Hempel, die sich per improvisierter Video-Botschaft meldet. Mit ihrem ab Januar festen Engagement am TdJW kehre sie an das Haus ihrer Kindheit und Jugend zurück. „Da schließt sich ein Kreis.“ Mit „Juller“ gehen die beiden Schauspieler ab 11. Oktober auf Gastspielreise.

Oehme, der im Sommer für die Schweizer Krimi-Serie „Capelli Code“ vor der Kamera stand, spielt am 16. September auch bei der ersten Saison-Premiere. Dann wird Kafkas „Verwandlung“ in der Regie von Ania Michaelis gezeigt, und Dramaturgin Winnie Karnofka gibt schon erste Einblicke. Man wolle dem Thema gemäß „eine Art klaustrophobischen Raum“ schaffen. Zweite grundlegende Entscheidung: „Wir wollen die Detailverliebtheit und den Rhythmus der Sprache erhalten.“ Die Theaterfassung bleibt eng am Original.

Als zweite von elf Saison-Premieren folgt am 22. September ein Puppentheaterstück. In einer Bühnenfassung von Tatjana Rese zeigt Matthias Thieme „Pinocchio“, gespielt mit gelenkigen Holzpuppen.

Zwei neue Formate führt das TdJW mit der Spielzeit ein. Am Freitag beginnt „Ensemble Deluxe“ im Theatercafé. In der Reihe stellt sich das Ensemble mit seinen verborgenen Talenten vor. Benjamin Vinnen, beim Bundes-Chanson-Wettbewerb bereits ausgezeichnet, startet mit seinem witzigen, komplett selbst geschriebenen Chanson-Abend „Sprechen Sie Vinnisch?“.

Am 24. September folgt der Auftakt von „Amor & Psyche“. Ensemblemitglieder und Gäste beschäftigen sich mit den Werken geistig behinderter Menschen und einer Kunst, die sich in keine Norm fügen will. „Wir haben dann einen Psychiater auf der Couch“, sagt Zielinski. Gast ist der Ärztliche Direktor des St.-Joseph-Krankenhauses Dessau, wenn es um den Südtiroler Künstler Georg Paulmichl geht. Dessen Kurzprosa biete einen neuen Blick auf die Welt, sagt Birgit Lindermayr, seit dieser Spielzeit Sprecherin und Dramaturgin am Haus.

Das Format schließt sich direkt an das Spielzeitmotto „Steht Kopf!“ an, das Zielinski so erklärt: „Es geht um Perspektivwechsel.“ Die Frage, wie wir miteinander leben wollen, solle neu gedacht werden. Visualisiert hat das Motto die Künstlerin und Mitarbeiterin in der TdJW-Requisite Karla Elisabeth Wilke mit mehreren archaisch anmutenden Holzskulpturen. Frisch enthüllt thront eine davon vor dem Theaterhaus.

Mit Antje Klahn hat die Theaterpädagogik eine neue Leiterin bekommen, die die Arbeit des Hauses noch besser mit den Schulen verzahnen möchte. Neu ist unter anderem ein Club für Lehrer. Eine Auftaktkonferenz für die insgesamt elf Clubs für alle Altersklassen findet am 21. Oktober, von 15 bis 19 Uhr statt.

Der neue Fahrstuhl im Theater ist übrigens keineswegs für bequeme TdJW-Mitarbeiter gedacht. Es geht um den barrierefreien Zugang zu allen Spielstätten, wie Verwaltungsdirektorin Lydia Schubert mitteilt. Finanziert wurde der Einbau je zur Hälfte aus dem Etat des Hauses und aus einem Kredit der Sächsischen Aufbaubank.

Dimo Riess

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