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Das nächste Meisterwerk: „The National“ legt mit „Sleep Well Beast“ komplexes Album vor

Die Schönheit und das Biest Das nächste Meisterwerk: „The National“ legt mit „Sleep Well Beast“ komplexes Album vor

Am Freitag erscheint mit „Sleep Well Beast“ das siebte Album der seit 18 Jahren bestehenden Band The National. Damit legt die Band ein komplexes, düsteres Album vor. Die Songs von The National sind poetische Kunstwerke, die das Suchen und Träumen, die Sehnsucht und die Einsamkeit thematisieren.

Matt Berninger, Sänger der US-Indie-Rockband "The National"

Quelle: dpa

Leipzig. „We’re half awake in a fake empire“ (etwa: Wir sind halbwach in einem Reich des Scheins), singt Matt Berninger in „Fake Empire“, dem wohl berühmtesten Song seiner Band The National. Das war vor zehn Jahren. Die verträumt-vergrübelte Piano-Ballade vom Album „Boxer“ machte eine eigenartige Karriere; sie wurde zum offiziellen Kampagnen-Song für Obamas Präsidentschaftskandidatur 2009. Inzwischen ist sein Nachfolger ins Weiße Haus gezogen, und der Song, in dem das Politische nur anklingt, ist geradezu unheimlich real geworden.

Am Freitag erscheint mit „Sleep Well Beast“ das siebte Album der seit 18 Jahren bestehenden Band, die als Hobbyprojekt begonnen hatte und über die Jahre, von Album zu Album für immer mehr Menschen zu einem mit Liebe und Sorge begleiteten Freund geworden ist. Werden sie uns eines Tages alleinlassen? Ist sie irgendwann verflogen, die Magie von The National?

Auf „Sleep Well Beast“ schon mal ganz bestimmt nicht, das wird schon im Opener klar, in sich dem aus der Stille ein geheimnisvoll düsteres Klanggestrüpp entwickelt, durch das zunächst ein irres Pfeifen torkelt, bis ein Klavier und der warmdunkle Sprechgesang von Matt Berninger übernehmen. „Nobody Else will Be There“ ist eines dieser typischen The National-Stücke, die sich sofort einnisten, dann aber noch nach allen Seiten weiterwachsen. Um heimliche Treffen auf ein Glas Gin im Treppenhaus geht es und um ein Aufbegehren: „Das Verabschieden dauert immer eine halbe Stunde, können wir nicht einfach nach Hause gehen?“

Wenn der Song musikalisch eine Linie andeutet, dann vielleicht jene, dass die Zwillinge Aaron und Bryce Dessner, die Klangregisseure der Band, diesmal allerlei atmosphärische Synthie-Effekte zu den gewohnten Bläser- und Streichersätzen gemischt haben. „The System Only Dreams In Total Darkness“, die erste Single, beginnt mit süßlichem Frauensingsang, bevor der Zug mit dem treibend-unruhigen Schlagzeugspiel von Bryan Devendorf Fahrt aufnimmt und ein Gitarrenriff immer wieder wie ein Blitz in diese unheimliche „total darkness“ einschlägt. Ein  nervöser Song mit der Nebenwirkung, das man auch ihn nicht loswird.

„Früher habe ich die Ruhe der Nacht geliebt“, sagte Matt Berninger in einem Interview. Seit der Wahl Trumps zum Präsidenten habe er unzählige Nächte damit verbracht, seinen Kopf gegen die Wand zu stoßen. Um die eigene Verantwortung für das was jetzt passiert, gehe es auf dem neuen Album. „Na ja, und um das Übliche: Beziehungen und das alles.“

The National waren nie politisch, ihre Songs sind poetische Kunstwerke, die das Suchen und Träumen, die Sehnsucht und die Einsamkeit thematisieren. Die Nachtseite der kapitalistischen Glücksverheißung, die Leere nach den Utopien, sie tauchen eher an den Rändern auf, als musikalische und textliche Störungen. Sie bilden die Kulisse zu den assoziativ aus dem Halbtraum geschöpften lyrischen Erzählungen Matt Berningers.

Ein so schönes wie rätselhaftes Liebeslied ist ihm auf der neuen Platte mit „Carin At The Liquor Store“ gelungen, bei dem man wohl davon ausgehen kann, dass es auch um die Beziehung zu seiner Frau Carin geht – und in dem schließlich die Sterne aufleuchten. Glasklar und wütend trumpft in der Mitte „Turtleneck“ auf, ein Titel der live ebenso wie „Day I Die“ abgehen dürfte. „Es wird dich eines Tages zerstören, schlaf gut, Biest“, singt Berninger im letzten Satz des Titelsongs am Ende eines wieder einmel berührenden Albums der New Yorker Band.

Nicht auszuschließen, dass das dann doch auch politisch verstanden werden darf.

lvz

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