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Das perfekte Rockdrama: Placebo beweisen ihre Live-Qualitäten in der Arena Leipzig

Das perfekte Rockdrama: Placebo beweisen ihre Live-Qualitäten in der Arena Leipzig

Es war 1998, als "Every You Every Me" aus den Stereoanlagen einer ganzen Generation krachte und als Brian Molkos Stimme, die stets im zerbrechlich Dauertremolo zu schwingen scheint, den Sonderlingen dieser Welt eine Identifikationsfläche gab.

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Live besser denn je: Placebo um Frontmann Brian Molko in der Arena.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es ging um Angst, um Drogen, um Sex und das Leben, das der exzentrische Frontmann als nicht enden wollenden Abgrund beschrieb.

Mittlerweile ist alles erreicht - Placebo haben rund zwölf Millionen Alben verkauft, in so ziemlich allen Ländern dieser Welt Hallen gefüllt und David Bowie hat Brian Molko mit einem Duett geadelt. Was soll da noch kommen? Am Freitag spielten sie ihr mittlerweile siebtes Album vor knapp 8000 Zuschauern in der Arena Leipzig.

Der Placebo-Frontmann ist mittlerweile 40 und Vater. Die Placebo-Jünger der ersten Stunde sind heute über 30, und ihr einstiger Botschafter posiert nicht mehr in schrägen Glam-Rock-Outfits, sondern neben der neuen Mercedes A-Klasse.

Zeiten ändern sich, Placebos Live-Qualitäten scheinen über die Jahre aber nur besser geworden zu sein. Der bedrohliche Elektronik-Beat von "B3" wabert durch die Halle, während Molko und Gefolge die Bühne betreten. Es dauert nicht lange, und schon überfährt die für Placebo so typische Gitarrenwand die Menge mit der Gewalt eines Gürterzuges. Diese Band klingt so riesig, dass man meinen könnte, man hat es mit zwei Bands zu tun. Denn auf der Bühne wird das Trio aus Molko, Stefan Olsdal und Schlagzeuger Steve Forrest durch weitere drei Musiker verstärkt.

An dritter Stelle folgt "Loud Like Love". Der Opener des gleichnamigen, aktuellen Albums, kommt im Livegewand wesentlich gitarrenlastiger und rockiger daher. Verantwortlich dafür ist auch Steve Forrests unglaublich knackiges Schlagzeugspiel. Der muskelbepackte, komplett tätowierte 27-Jährige wirkt auch fünf Jahre nach seinem Bandeinstieg seltsam deplaziert neben dem zerbrechlichen Duo aus Molko und Olsdal. Egal - selten haben Placebo das Tempo so voran gepeitscht und so viel Energie versprüht.

Es dauert nur vier Songs, und auf das großartige "Twenty Years" folgen die drei Akkorde, die "Every You Every Me" ankündigen - kollektives Ausrasten. Ihren Superhit spielen Molko und Co. so routiniert wie unwiderstehlich. Es folgt der Block vom neuen Album. Zunächst das seltsam fröhliche "Too Many Friends". Rythmisches Klatschen eröffnet "Scene Of The Crime" - eine Melange aus Electrobeats, Gitarrenbrett und einem zuckersüßen Piano, das in einem Inferno endet. Riesig! Das sphärische "A Million Little Pieces" überzeugt auf ganzer Länge. "Purify" ist an diesem Abend umwerfend. Olsdals krachende Achtelakkorde und Molkos effektgeschwängerte, fast synthieartige Gitarre leiten ein Riesenfinale ein - der beste Song des Abends.

Unterstützt wird der Bombast-Eindruck von Licht und visuellen Effekten, die sich hinter der Band auf einer riesigen Leinwand abspielen. Molko, der am Londoner Goldsmith College Dramaturgie studiert hat, hat sich das perfekte Rockdrama geschaffen, spielt mit der Dynamik seiner Songs. Das Intro von "Meds" zögert er in die Länge, um endlich furios in die erste Strophe zu starten. Nach einem Atemlos-Finale aus "Song To Say Goodbye", dem punkigen "Special K", bei dem die Menge lautstark mitsingt, und "Bitter End", das Steve Forrest in brutalem Schlagzeuggewitter enden lässt - verabschieden sich Placebo zum ersten Mal.

Als Zugabe nimmt Molko seine Jünger mit zurück zum Ursprung und performt "Teenage Angst" vom '96er Erstlingsalbum. Highlight aber ist das epische "Running Up That Hill". Nach knapp zwei Stunden verbeugen sich der Regisseur und seine Band. Doch bestens gelaunt scheint Molko nicht zu sein. Er hat die gesamte Show über kaum zwei Sätze gesprochen. Das mag daran gelegen haben, dass auch das Publikum, abgesehen von den vordersten Reihen, zuweilen blutleer wirkte, wenn Placebo nicht gerade einen Radiohit spielten. Oder daran, dass die Arena ohnehin den Charme einer Tiefgarage versprüht. Dennoch: Molko und seine Band gehören immer noch, oder gerade jetzt, zu den besten Live-Acts, die es gibt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.11.2013

Sebastian Münster

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