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Daumen hoch: Rainald Grebes ?Tag der offenen Tür? im Centraltheater

Daumen hoch: Rainald Grebes ?Tag der offenen Tür? im Centraltheater

Was sonst den Anfang macht, gibt's hier beim Endspurt. Zum "Tag der offenen Tür" lockt das Centraltheater jetzt in die Festspielarena. Zur neuen Inszenierung Rainald Grebes.

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Nero des Subventionstheaters? Rainald Grebe als Regisseur, der zuerst wie ein Kaiser herrscht, sich aber bald als Demokrat und Philanthrop herausstellt.

Quelle: Rolf ArnoldCT

Einer, die wehmutsvoller, ernster auch ist, als ihr Geschehen suggerieren mag. Die Premiere war am Donnerstag ausverkauft.

Folgt man dieser Einladung zum "Tag der offenen Tür" bekommt man einiges geboten: eine zersägte Frau, einen Hamlet rezitierenden Hummer, die Beschwörung von Zweigs Novemberwind-Versen, einen Eiskunstpaarlauf zu Ravels Bolero. Zwei Schauspielerinnen beim Schlamm-Catchen und eine, die frei nach Robert de Niros Diktum "Ich könnte auch ein Schnitzel spielen" dieses tatsächlich spielt. Man könnte die Aufzählung lange fortsetzen. Es ist szenischer Jahrmarktplunder in Hülle und Fülle und in großer Pose und es ist die große Kunst als absurde Phrase, die hier rotiert. Und das alles andere als leerlaufend.

Rainald Grebe sei Dank. In Tunika gibt der den römischen Zuchtmeister, den Nero des Subventionstheaters. Holger Stockhaus erscheint dazu erstaunlich passend als schmieriger Moderator, der zudem für die folgenden zwei Stunden in dieser Rolle beängstigend glaubwürdig aufgeht. Und der kleinwüchsige Klaus-Dieter Werner wird, umtanzt von Grazien im Seniorinnen-Alter, auf einem Thron hereingetragen, um hinfort als Oeconomicus Maximus den unerbittlichen Herrn der Zahlen zu geben. Ein Triumvirat für die moralische Abwrackprämie sind diese Kerle und ihr engster Verbündeter wird: das Publikum.

Daumen hoch oder runter. Am Ende nämlich darf es, weil Kosten gedrückt werden müssen im Namen einer Ökonomie, die keine Relationen mehr kennt, außer ihren eigenen, nur noch Einen geben in diesem Theater. In dem balgen sich mit den Waffen ihres Könnens sechs Schauspieler um die Gunst der Zuschauer. Also um die Sicherung ihrer Existenz. Und vorzuführen, dass das mitunter den Erhalt der eigenen Würde aufs Spiel setzt, und das Publikum an diesem Spiel lustvoll partizipieren zu lassen, ist ein perfider Kniff dieser Inszenierung.

Nicht, dass derlei Kniffe neu sind - nur funktionieren sie hier mal. Das hat mindestens zwei Gründe. Der erste: Grebe moralisiert nicht. Hier fuchtelt weder Moralfinger noch Didaktik-Keule, sondern die Narrenkappe. Dieses Theater ist eins der Eulenspiegelei, der Grimassen und Kostümierungen. Ist reines Spiel zwischen Ringelpietz und Kunst.

Und gerade dieses Spiel - Grund Nummer zwei - schützt die Darsteller davor, vorgeführt zu werden. Grebe persifliert mit einigem (angebrachten) Sarkasmus Theater-Machtstrukturen die sich hoppla-hopp als jene dieser, unserer Welt spiegeln. Die allemal noch auf die Bühne passt, wenn man nur schön übertreibt beim Inszenieren. Und Grebe persifliert Mentalitäten, gerade auch die von Schauspielern - aber nie die Schauspieler selbst. Nicht mal dann, wenn die als Schnitzel am Boden zucken müssen.

Es ist die Freiheit, von sich selbst sprechen zu dürfen im Spiel, die hier gewährt wird. Was das angeht, ist Nero Grebe ein verkappter Republikaner, der die Schauspieler Barbara Trommer, Sina Martens, Tilla Kratochwil, Edgar Eckert, Manuel Harder und Andreas Keller eben nicht den gierigen Löwen (dem Voyeurismus des Publikums) zum Fraß vorwirft. Und dass der Kaiser (der Regisseur) somit nicht nur Demokrat, sondern auch noch ein Philanthrop ist, beweisen die rührenden Worte, die final jene Leipziger Laienspieler sprechen, die Grebes CT-Arbeiten von Anfang an als Statisten in Treue begleiteten. Es sind Dankes- und Abschiedsworte. So wie diese Inszenierung ja eine des Abschieds ist. Und wohl auch eine die, auf Grebe-Art, Danke sagt. Ans Haus und ans Publikum, das lange und begeistert applaudiert.

"Tag der offenen Tür", wird noch Freitag und Samstag, 19 Uhr, sowie Sonntag, 20 Uhr, gespielt - Festspielarena im Centraltheater (Bosestraße 1), Eintritt 16/11 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.05.2013

Steffen Georgi

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