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Debatte über Buchkultur und die Frage: Wer macht’s?

Kulturpolitik Debatte über Buchkultur und die Frage: Wer macht’s?

Leipzig war eine Stadt der Verlage, des Buches, der Buchkultur. Ob das noch so ist, ob es wieder so werden kann – darum ging es am Dienstagabend in der Bibliotheca Albertina beim vierten „Impuls Kulturpolitik“. Aufschlussreich waren dabei vor allem Wortmeldungen aus dem Publikum.

Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke eröffnet den vierten „Impuls Kulturpolitik“, diesmal in der Bibliotheca Albertina, auf dem Podium diskutieren Wolfgang Kleinwächter, Oliver Zille, Susanne Richter und Ulrich Schneider – moderiert von Claudius Nießen (v.l.).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Immer und immer wieder ist an diesem Abend von „Sichtbarkeit“ die Rede und von „Vernetzung“. Das ist, fasst Moderator Claudius Nießen treffend zusammen, etwas, was man immer wieder fordern kann. „Die Frage aber bleibt: Wer macht’s?“. Die dürfen alle mit nach Hause nehmen nach diesem vierten „Impuls Kulturpolitik“, einer von Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke initiierten Diskussionsreihe, in der bereits Eigenbetriebe und freie Szene im Gespräch waren, es um „Interkulturelle Zugänge“ ging und um die Frage: „Europa fördert Kultur – aber wie?“.

Mit den Themen wechseln die Räume, diesmal ist die Bibliotheca Albertina Ort eines Gesprächs unter der Überschrift: „Leipzig als europäisches Zentrum der Buchkultur?“. Ob es auch eine Debatte wird, ein Streit sogar, liegt in der Macht der Podiumsgäste: Susanne Richter ist Direktorin des Museums für Druckkunst, Wolfgang Kleinwächter Vorsitzender des Medienstadt Leipzig e.V., Ulrich Johannes Schneider Direktor der Universitätsbibliothek und Oliver Zille Direktor der Leipziger Buchmesse. Ein Stuhl bleibt zunächst leer, aber nicht nur, weil die Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, Stephanie Jacobs, erkrankt ist, sondern weil Moderator Claudius Nießen, er ist Geschäftsführer des Deutschen Literaturinstituts in Elternzeit, ihn frei hält für Menschen aus dem Publikum, die mitreden sollen.

Leipzig liebt Bach und RB mehr als Bücher

Das funktioniert rasch und zum Teil auch gut, denn im Vortragssaal sitzen Vertreter der Branche, zu der Autoren, Gestalter, Verleger, Drucker, Buchhändler oder Bibliothekare gehören. Sie alle sind am „Ruf der Buchstadt“ beteiligt, von der wir, wie Skadi Jennicke zur Begrüßung sagt, „nicht genau wissen: Sind wir es noch? Können wir es wieder werden? Wie?“

Drei Fragezeichen rund um das leuchtende „B“, das Nießen, ein Neonbuchstaben-Sammler, mitgebracht hat. Es stammt von einem Werk für Rüttel- und Vibrationsmaschinen. Und in gewisser Weise passt das zu diesem Abend. Einerseits schwingt in allen Sätzen Zufriedenheit mit dem Wirken der eigenen Einrichtungen – dennoch werden Wünsche, Forderungen formuliert. Oliver Zille bezweifelt, dass die Leipziger sich so mit der Buchstadt identifizieren wie mit Rasenball oder Bach. Er sieht die Notwendigkeit, Gemeinschaftserlebnisse zu schaffen und gemeinsam zu wirken.

Wolfgang Kleinwächter stimmt ihm zu, dass man auf Geschichte allein nicht bauen, jedoch daran anknüpfen kann. Er träumt von einer Bewerbung als „Welthauptstadt des Buches“ für 2021 oder 2022, um Potenzial zu mobilisieren, stößt allerdings auf wenig Begeisterung auf dem Podium, weil es Zweifel an dauerhaften Effekten gibt. Die Vermarktung Leipzigs vor allem als Musikstadt beklagt auch Susanne Richter und verweist auf Mainz, wo jeder Tourist ins Gutenberg-Museum geschickt wird, während hier das Museum für Druckkunst allein um Publikum wirbt. Dies allerdings erfolgreich – auch beim Nachwuchs.

Zur Identifikation gehören Arbeitsplätze

Mehr Experimente und neue Formen wünscht sich Ulrich Johannes Schneider. Zu erfolgreichen Beispielen zählt er „It’s a book“ an der HGB und den Thomasius-Club, mit Neugier schaut er auf das Buchmesse-Gastspiel des Krimifestes „Quais du Polar“ aus Lyon. Und er verweist auf einen Veranstalter-Zusammenschluss, der Aktivitäten von sechs Institutionen bündelt: auf der Internet-Seite buchbewegt-leipzig.de.

Bis Jan Wenzel von Spector Books als Vertreter der umworbenen Generation die Stimmung dämpft: „Für uns ist eine Messe in Paris wichtiger als in Leipzig“, sagt er. Es sei die Arbeit hier vor allem verbunden mit guten Bedingungen für die Kommunikation mit anderen Orten. Schneider kontert mit kreativen Nachbarschaften, erwähnt das jährlich zur Buchmesse stattfindende Comics & Graphics Festival Millionaires Club mit Künstlern aus China, den USA und Kanada, nennt Bildungseinrichtungen wie HGB und Buchwissenschaft. Letztere ist auch durch eine Studentin vertreten, die daran erinnert, dass zur Identifikation mit der Buchstadt Arbeitsplätze in der Branche gehören würden.

Die Frage bleibt: Wer macht’s?

Von Janina Fleischer

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