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Deep Purple in Leipzig auf der Rock-Autobahn

Arena-Konzert Deep Purple in Leipzig auf der Rock-Autobahn

Sie beginnen in der 70ern und enden in den 70ern: Deep Purple haben am Dienstagabend fast zwei Stunden vor 6000 Fans in der Arena Leipzig gespielt. Neben Hits wie „Highway Star“, „Smoke On The Water“ oder „Black Night“ wurden die ausufernden Soli der Bandmitglieder um Sänger Ian Gillan gefeiert. Der wurde in diesem Jahr 70.

Fast zwei Stunden auf der Bühne: Deep Purple am Dienstagabend in der Arena Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Deep Purple: Vor 40 Jahren konnte man damit die Eltern in Angst und Schrecken versetzen, wenn man die Platten denn hatte: Einfach „Made in Japan“, das legendäre Livealbum von 1972, auflegen, schön „Child In Time“ aufdrehen, fertig. Heute sind Deep Purple ungefähr so gefährlich wie die Figuren aus der Muppet Show. Sänger Ian Gillan, im August 70 geworden, bekommt den wohl großartigsten Schrei der Rockgeschichte höhenmäßig nicht mehr hin. Die Jugendlichen von einst sind Eltern oder Großeltern geworden, und der Rap, der heute aus den Kinderzimmern strömt, bringt sie selbst in Rage. Egal. Am Dienstagabend feierten 6000 Fans die netten lauteren Herren in der Arena Leipzig.

Keine Mätzchen, keine langen Vorspiele, kein Gelaber: Mit Höchstgeschwindigkeit geht es auf die Autobahn und in die frühen 70er, die Hoch-Zeit der Band: „Highway Star“ geht ab wie einst. Schneller kann man eine Halle kaum für sich gewinnen. Ian Gillan lächelt, Fäuste hoch. Da sind wir wieder. Schnell wird klar: der Sänger – neben Robert Plant von Led Zeppelin der beste aller Zeiten – ist gut bei Stimme. Und es ist nicht wahr, was immer gerne behauptet wird: dass die Stücke in den vergangenen Jahren nach unten moduliert werden mussten, damit Gillan die Töne trifft. Nur „Child In Time“ ist ihm zu hoch.

Berühmtes Duell neu inszeniert

Und weiter geht es, übergangslos. „Bloodsucker. „Dadadadaaa“, brüllt Gillan. Augen zu und durch. Hart und schnell ist der Ritt beim „Hard Lovin’ Man“. Roger Glovers Bass galoppiert, Keyboarder Don Airey striegelt und tätschelt sein Instrument, dass es eine Freude ist. Er ist seit 2002 in der Band, ersetzte damals John Lord, der sich eigenen Projekten widmete und 2012 starb. Die „Neuen“ fügen sich selbstbewusst ein, nehmen das Erbe ihrer berühmteren Vorgänger an und mischen es mit eigenen Ideen. Das gilt auch für Steve Morse, seit 1994 dabei. Anders als Ritchie Blackmore ist er eher der Typ harmonischer Teamplayer. Das berühmte Duell zwischen Stimme und E-Gitarre beim folgenden „Strange Kind Of Woman“ inszeniert er neu. Riesenjubel. „Hello, great to be back“, ruft Gillan zu den Fans.

Viel geredet wird an diesem Abend nicht. Es ist einfach herrlich, diesen fünf Musikern bei der Arbeit zuzuhören. Es gibt keine Luftballons, keine Tänzerinnen, keine überbordende Licht- oder Videoshow. Das passt zu einer Band, die sich nie um modische Updates gekümmert hat, die einfach spielt, statt sich selbst zu feiern. „He’s a man“, sagt Gillan nach einem packenden Schlagzeugsolo über Ian Paice, dem letzten in der Band aktiven Gründungsmitglied. Und Steve Morse bekommt nach einem seiner exzessiven Soli mal ein freundliches Schulterklopfen. Das muss genügen.

Marseillaise für Paris

Am 11. November haben Deep Purple in Paris gespielt, zwei Tage vor den Anschlägen. Hier in Leipzig verliert man kein Wort darüber. Es genügt, wenn Don Airey in seiner aberwitzigen Keyboard-Exkursion gegen Ende des Konzerts einmal kurz die Marseillaise aufscheinen lässt. Das Publikum reagiert sofort und jubelt. Angesichts des multimedialen Beileids- und Solidaritätsstroms wirkt das umso mehr.

Die Schwerpunkte liegen an diesem Abend in den frühen Siebzigern, mit Songs wie „The Mule“, „Demon’s Eye“ oder „Space Truckin‘“. Im verspielten „Lazy“ holt Gillan die Mundharmonika raus. Einige Stücke, wie das auf Grusel getrimmte „Vincent Price“ oder „Hell To Pay“ stammen vom jüngsten Album „No What?!“. Sie fügen sich nahtlos in dieses Konzept aus glasklarem Rock auf der einen und wilder Improvisation auf der anderen Seite.

Sänger Ian Gillan

Sänger Ian Gillan

Quelle: André Kempner

Kurz vor dem Ende kommt der vielleicht berühmteste Song des Genres: „Smoke On The Water“. Den Refrain des Werks über einen Casino-Brand in Montreux darf die ganze Halle mitsingen. Ian Gillan lächelt. „Amazing“, ruft er. Und lässt sich nicht lange zur Zugabe bitten, was soll das Theater. „Hush“ eröffnet den kleinen Block, ein Titel von 1968, dem Gründungsjahr der Band, damals gesungen von Rod Evans. Zum Schluss gibt es „Black Night“, jenen Klassiker, den Glover und Blackmore nach einem durchzechten Kneipenabend geschrieben haben sollen. Gillan gibt ihn ein bisschen distanziert, wie eine Karaoke-Nummer. Es reicht für heute. „Take it easy“, ruft er in den Jubel zum Abschied.

Nur Roger Glover hat nicht genug, lässt sich noch alleine feiern. Da eilen viele schon zu ihren Autos. Auch Hardrock-Fans stehen nicht gerne im Stau.

Von Jürgen Kleindienst

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