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Defizit im Schauspielhaus Leipzig – Ex-Finanzchef wiegelt ab – Stadt prüft Regress

Defizit im Schauspielhaus Leipzig – Ex-Finanzchef wiegelt ab – Stadt prüft Regress

Ein angebliches Abschluss-Defizit von Ex-Schauspiel-Intendant Sebastian Hartmann schlägt im Neuen Rathaus hohe Wellen. Wie Hartmanns Nachfolger Enrico Lübbe am Montag in einem nichtöffentlichen Fachausschuss erklärte, klafft seit dem Abgang seines Vorgängers eine Lücke von mehr als 400.000 Euro im Etat des Hauses.

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Ex-Intendant Hartmann. (Archivbild vom Juni 2009).

Quelle: dpa

Leipzig. Das Geld sei vor allem für das gut 100.000 Euro teure Abschlussfest des Ex-Intendanten im Juni 2013, aber auch für die finalen „Leipziger Festspiele“ ausgegeben worden, hieß es.

Gegen diese Darstellung verwahrte sich am Mittwoch allerdings der ehemalige Verwaltungsdirektor des Schauspielhauses Volker Ballweg: „Die Behauptungen entbehren jeder sachlichen Grundlage“, sagte Hartmanns Finanzchef gegenüber LVZ-Online. Jegliche Produktionskosten seien zu 100 Prozent vom vorgegebenen Budget gedeckt gewesen, so Ballweg weiter.

Das treffe auch auf das kritisierte Abschlussfest auf Schloss Beesenstedt zu, über dessen Inhalt Ballweg allerdings keine Angaben machen wollte. Dies sei Sache der Intendanz. Wie Hartmanns Verwaltungsdirektor weiter erklärte, könne es ohnehin noch keine offiziellen Zahlen zum Wirtschaftsjahr geben, weil dieses noch nicht abgeschlossen ist. Ein neutraler Wirtschaftsbericht werde zeigen, dass es keine Anhaltspunkte für Lübbes Behauptungen gebe.

Vergleich mit Verwaltungschef

Aktuell ist Ballweg mit der Buchführung nicht mehr betraut. Nach einem Vergleich mit der Stadt endet, laut Rathaussprecher Matthias Hasberg sein Vertrag am 30. Juni 2014. Bis dahin sei Ballweg freigestellt. Begründet wurde die Trennung dem Stadtrat per Vorlage so: „Im Theater- und Musikbereich ist es üblich, dass ein künstlerischer Leiter die wichtige Position der Verwaltungsleitung in Abstimmung mit dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat mit einer Person seines Vertrauens besetzen möchte.

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Leipzigs Schauspiel-Intendant Enrico Lübbe.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Das Neue Rathaus erwarte jetzt von allen Beteiligten eine schriftliche, detaillierte Aufschlüsselung, wie das Minus genau zustande gekommen ist. „Auf dieser Grundlage werden wir über mögliche Konsequenzen nachdenken und prüfen, ob es Möglichkeiten des Regress gibt“, sagte Hasberg. „100.000 Euro Steuergelder für eine Abschiedsparty auszugeben, übersteigt unser Verständnis.“ Voraussichtlich im Dezember soll der Fall auch im Stadtrat behandelt werden. Zu der Beesenstedt-Party konnte Hasberg keine Angaben machen. „Ich kenne keinen der dort war“, sagte er. Auch Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) war nicht dabei.

Erster Leidtragender des angeblichen Defizites ist nun zumindest Neu-Intendant Enrico Lübbe. Ihm bleiben laut Verwaltungsrecht immerhin drei Jahre Zeit, um die 450.000 Euro auszugleichen, heißt es. Sollte ihm das nicht gelingen, muss der Stadtrat nach Lösungen im Stadthaushalt suchen. Das Budget für das Theater war für 2013 geteilt worden – je nach Amtszeit der Intendanten.

Linke will Haftung klären – CDU hofft auf Rechnungsprüfer

Bei den Leipziger Stadträten sorgte Lübbes Mitteilung über Hartmanns Defizit am Mittwoch zumindest für Empörung. „Ich war entsetzt, als ich das gehört habe. Das ist mehr als unanständig von Herrn Hartmann“, sagte Fachausschuss-Mitglied Skadi Jennicke (Linke) gegenüber LVZ-Online und fügte an: „Noch im April sagte Hartmann, dass er mit einem positiven Ergebnis abschließen werde. Ich frage mich nun, wie man in drei Monaten ein Defizit von mehr als 400.000 Euro anhäufen kann. Das können keine strukturellen Probleme gewesen sein.“

Auch wenn es bisher noch keine offiziellen Zahlen gebe, fordert Jennicke bereits Konsequenzen: „Ich möchte, dass Sebastian Hartmann und Verwaltungsdirektor Volker Ballweg im Ausschuss vorgeladen werden. Und ich möchte auch, dass geprüft wird, inwieweit beide für das Defizit in Haftung genommen werden können“, so die Politikerin weiter.

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CDU-Stadtrat Ansbert Maciejewski

Quelle: André Kempner

Die CDU will laut Stadtrat Ansbert Maciejewski den Weg zu belastbaren Zahlen abkürzen und eine Sonderprüfung beim Rechnungsprüfungsamt beantragen. „So werden wir erfahren, was tatsächlich passiert ist“, sagte Maciejewski. Die ominöse Abschlussfeier auf Schloss Beesenstedt lässt den Stadtrat dennoch schon jetzt grübeln. „Die Party müsste ja irgendwo angekündigt worden sein. Mir war sie zumindest nicht bekannt, auch der Oberbürgermeister war nicht eingeladen“, so der CDU-Stadtrat. Die Frage sein nun, ob es sich um eine Feier für Hartmann-Kumpels oder um ein öffentliches Theaterereignis gehandelt habe. „Dabei spielt auch eine Rolle, wie viele der 200 Karten öffentlich zu erwerben waren“, so Maciejewski. Sein Fraktionskollege Wolf-Dietrich Rost ergänzte: "Die Verantwortlichen müssen in die Pflicht genommen werden.

FDP-Fraktionschef Reik Hesselbarth zeigte sich dagegen noch zurückhaltend. „Uns liegt noch keine schriftliche Verwaltungsvorlage vor“, so der Liberale. Alles sei noch sehr spekulativ. In der kommenden Woche sei die nächste Ausschuss-Sitzung anberaumt, dann erwartet Hesselbarth klarere Informationen. Für Schuldzuweisungen ist es ihm noch zu früh. Vor allem will er nicht mit dem Finger auf Verwaltungsdirektor Ballweg zeigen. „Ich kenne ihn als sehr verantwortungsbewusst“, berichtete Hesselbarth. Klar sei aber auch: Das Defizit müsse ausgeglichen werden und irgendjemand müsse dafür zahlen.

Der gebürtige Leipziger Sebastian Hartmann war von Juli 2008 bis Ende Juni 2013 Intendant des Schauspiels der Messestadt. In dieser Zeit wurde nicht nur die Hauptspielstätte in Centraltheater umbenannt, sondern auch die Ausrichtung des Hauses rigoros umgekrempelt. Unter anderem etablierte Hartmann Popkonzerte auf der Theaterbühne und konnte namhafte Schauspieler zu Gastspielen überreden. Zum selbst gewählten Abschluss seiner Intendanz im Sommer 2013 ließ Hartmann zudem eine Arena in den großen Saal des Centraltheaters bauen und verpflichtet wiederum namhafte Schauspieler und Musiker im Rahmen der „Leipziger Festspiele“ für kurzzeitige Gastspiele.

Matthias Puppe/Matthias Roth

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