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„Déjà vu – Die Hypnose-Show“

Krystallpalast-Varieté „Déjà vu – Die Hypnose-Show“

Aaron, der sympathische Meister-Hypnotiseur aus dem Kohlenpott, führt im Krystallpalast durch „Déjà vu – Die Hypnose-Show“. Sie bleibet bis Ende Oktober auf dem Spielplan.

Gruppen-Hypnose mit Aaron (links).

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. „... Neun – plopp – Zehn. Du fühlst dich vollkommen wohl, vollkommen entspannt fühlst du dich.“ Aaron ploppt noch einmal ins Mikro, und die im weiten Stuhl-Halbkreis auf der Bühne des Krystallpalastes sitzenden Freiwilligen lassen eine nach dem anderen den Kopf sinken. Manche sanft auf die Schulter der Nachbarn oder der Nachbarin, andere nach hinten, wieder andere nach vorn.

Eigentlich ein nachgerade idyllisches Panorama totaler Entspannung – aber auch verstörend. Denn dieses Dutzend auf der Bühne befindet sich in Hypnose, von Aaron in einen Zustand versetzt, in dem er offenkundig die Herrschaft über das Bewusstsein übernommen hat. Das funktioniert nicht bei jedem, manche schickt der Show-Hypnotiseur bald wieder zurück an den Platz, und nicht bei jedem gleich tief – hier geht die Auslese weiter. Aber wer bis zum Schluss auf der Bühne bleibt, gibt sein Bewusstsein für eine Dreiviertelstunde ab. Und den freien Willen gleich dazu.

Aaron ist nicht zum ersten Mal im Krystallpalast zu Gast. Bereits vor zwei Jahren versetzte er mit der Show „Delirio – Varité in Trance“ einen kleinen Teil seines Publikums ins Tiefschlaf und den Rest in Staunen und Begeisterung. Dem bewährten Prinzip dieser Show bleibt er nun treu, Grund genug, die neue „Déjà vu“ zu nennen, und auch ihr Höhepunkt ist die große Gruppenhypnose, die den zweiten Teil beherrscht.

Da spielen die Freiwilligen hingebungsvoll Luft-Orchester oder scratchen am DJ-Pult. Da turnt der DJ-Ötzie-Hasser in DJ-Ötzi-Ekstase durch den Saal und bestaunen alle mit vor Entsetzen aufgerissenen Augen den nackten Hintern oder den Eselsschwanz des selbstredend vollständig bekleideten Hypnose-Stars. Da stinken Rundfunk-Anstalten zum Himmel und andere duften, dass es eine Wonne ist. Da versuchen beim Anti-„Herzblatt“ drei Herren um jeden Preis ein Rendezvous mit Frau Schmidt zu vermeiden. Da kehren schließlich alle mit erhobener Rechter an die Tische zurück – und bekommen den Streber-Arm erst wieder runter, nachdem sie den ersten Schluck getrunken haben. Dann erst erfahren die Probanden staunend, womit sie in der letzten Dreiviertelstunde dem Publikum die Lachtränen in die Augen getrieben haben.

Dabei besteht gottlob keinerlei Grund zur Beunruhigung. Denn Aaron, das macht den Charme seines grandiosen Hypnose-Spektakels aus, macht sich eher selbst zum Obst als seine Freiwilligen, die er weder der Lächerlichkeit preisgibt, noch körperlichen Risiken aussetzt. Und so irritierend es im Prinzip auch ist, welche Macht dieser so ungemein sympathische Dampfplauderer aus dem Pott in den Köpfen anderer Menschen erlangen kann, so bleibt seine Show-Behandlung doch frei von Risiken und Nebenwirkungen. Emilie, mit zwölf Jahren die jüngste Freiwillige auf der Bühne, wirkt zwar, schließlich hat sie einen Filmriss und jedes Gefühl für die verstrichene Zeit verloren, hinterher leicht verstört und klagt über einen lahmen rechten Arm. Ansonsten aber fühlt sie sich tatsächlich frisch und ausgeruht, als habe sie gerade lang und gut geschlafen. Offenkundig verbringen also auch die, die nichts davon mitgekommen, einen schönen Abend im Krystall-Palast-Varieté.

Da ist es auch nicht weiter schlimm, wenn die kleineren Mentalisten-Kunststückchen, seine Gedanken- und Hellsehereien, die Aaron in die so knappen hinreißenden Moderationen zwischen den anderen Nummern einflicht, mal nicht funktionieren (Lieblingsstadt-Raten) oder schäbige Taschenspieler-Tricks sind (Comedy-Book) – saukomisch ist es allemal, und schließlich bietet „Déjà vu“ genug Anlass zum Staunen. Auch außerhalb des Hypnose-Blocks.

Da sind allen voran die Ungarn vom spektakulären Trio Bokafi, die sich mit ihrem Schleuderbrett buchstäblich bis unter die Decke des Krystallpalastes katapultieren und die atemberaubenden Flugbahnen mit zahlreichen Drehungen um jede erdenkliche Achse verzieren. Da ist Pavel Evsukevich aus Weißrussland, der zwar nur sehr kurz mit weltrekordwürdigen neun Ringen jongliert, mit deren sieben oder Bällen aber immer noch für offene Münder gut ist. Da sind die bezaubernden Zwilinge Julia und Ele vom deutschen Duo Enja, die ihre Körper am Trapez oder in den Luftschlaufen geschmeidig und kraftvoll umeinanderwinden zu poetischen Parabeln wechselseitigen Vertrauens. Da tanzt Melanie Nunez aus Argentinien so elegant wie akrobatisch an der Laterne und dreht Cesar Andrade aus Brasilien die Metallkanten seines leeren Kubikmeter-Würfels so federleicht und schnell, dass es im bunten Scheinwerferlicht ausschaut, als lebe er in einem Eiswürfel. Der gemeinsame Auftritt mit seiner Frau Melanie ist dem „Déjà vu“ kurzfristig und schwangerschaftsbedingt abhanden gekommen. Das ist einerseits schade, weil die beiden als Duo Imagine bei der Newcomer-Show gewaltig abräumten, ändert aber andererseits nichts daran, dass die Sommershow im Krystallpalast großes Entertainment ist. Sollte man erlebt haben – am besten auf der Bühne.

„Déjà vu – Die Hypnoseshow“: bis 28. Oktober, Krystallpalast Varieté, Münzgasse 4 in Leipzig; Karten (10–30 Euro, Menü 20/25 Euro) unter Tel. 0341 140660 oder www.krystallpalastvariete.de

Von Peter Korfmacher

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