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Der Gipfel ist nicht genug: Bachfest 2011 mit Rekordumsatz und Sensation "Zanaida"

Der Gipfel ist nicht genug: Bachfest 2011 mit Rekordumsatz und Sensation "Zanaida"

Kann man auf Gipfel noch aufgipfeln? Die Verantwortlichen des Leipziger Bachfests betrachteten die von Kulturbürgermeister Michael Faber aufgeworfene Frage kurz, und sagten Ja.

Leipzig. 24 Prozent mehr Umsatz als am Eröffnungstag 2010, sogar das Rekordjahr 2007 wackelt, 110 Veranstaltungen von Barock bis Breakdance, dazu eine Weltsensation: Die Erstaufführung der verschollen geglaubten Oper "Zanaida" (1763) von Bach-Sohn Johann Christian.

Die Sensation verdankt Leipzig einem glücklichen Zufall und der Sammelleidenschaft des New Yorker Reedereibesitzers Elias N. Kulukundus. Der Musikforscher plauderte zur Eröffnungspressekonferenz am Donnerstag im Leipziger Bach-Archiv aus dem Nähkästchen. Mitnichten hätte er nach "Zanaida" gesucht, ja nicht einmal gewusst, dass es diese autographe Partitur überhaupt existiert. Über deutsche und englische Musikalienhändler kam der Tipp, dann das Angebot zum Kauf. "Eine bedeutende Investition", sagt Kulukundis - und er fragte erstmal den Vater, wie die Geschäfte liefen. Der Herr Papa gab das "Go", und so "fiel mir die Partitur quasi in den Schoß."

Wertvolle Sammlung für Leipzig - "Bach-Hauptstadt der Welt"

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Im Bosehaus finden Besucher die Schätze des Bachmuseums Leipzig.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig sei für ihn "die Bach-Hauptstadt der Welt", sagte der Amerikaner, der seit den 1960-er Jahren Bach-Dokumente aller Söhne des berühmtesten Thomaskantors Johann Sebastian Bach zusammenträgt. Hierhin gehöre seine Sammlung, so Kulukundis, und so verfügt das Bach-Archiv seit Dezember, befristet auf zehn Jahre, über eine der bedeutendsten Privatsammlungen der Welt. Unter den 1000 Dokumenten befand sich eben auch die "Zanaida", die während des Bachfestes am 15. und 16. Juni im Goehte-Theater Bad Lauchstädt aufgeführt wird - fast 250 Jahre nach der Uraufführung in London erstmals wieder. "Nicht das Lieblingsstück meiner Sammlung, aber ich bin sehr neugierig und freue mich darauf", sagte Kulukundis.

Mit einem Budget von rund 2,1 Millionen Euro wird das Leipziger Bachfest in diesem Jahr 110 Veranstaltungen an 32 Orten von Kirchen über Oper, Gewandhaus bis zum Open-Air-Event auf dem Markt realisieren. Rund 400.000 Euro steuern private Förderer bei, die Stadt gibt eine Million Euro aus, der Freistaat 200.000. Euro und eine halbe Million Euro werden die Ticketerlöse einbringen. Von den 26.000 Tickets der Bachfest-Eigenveranstaltungen sind mehr als 18.000 am Eröffnungstag verkauft, "eine Auslastung von 70 Prozent", so Bachfest-Geschäftsführer Dettloff Schwerdtfeger. Dazu seien 14.000 Tickets für sogenannte Fremdveranstaltungen in verschiedenen Musikhäusern im Angebot, außerdem rund 35.000 Plätze für kostenlose Aufführungen in Kirchen oder unter freiem Himmel.

"...nach italienischem Gusto" - mit der Wünschelrute durchs Festival

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Abschlußkonzert 2010 mit dem Monteverdi Choir in der Thomaskirche unter Leitung von J.E. Gardiner.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Das Motto "...nach italienischem Gusto" führt das breite Spektrum an Veranstaltungen thematisch zusammen. "Themen sollen Wünschelruten sein, die auch an unerwarteten Orten ausschlagen", sagt Elmar Weingarten, Künstlerischer Direktor des Festivals. Gelegenheit gibt es genug, denn neben Barock-Spezialisten wie Giovanni Antonini, der das Konzert "Languet Anima Mea" - "...nach italienischem Gusto" leitet, den Regensburger Domspatzen oder dem hiesigen Calmus Ensemble gibt es kalkulierte Ausreißer.

Die Breakdancer Flying Steps aus Berlin mit ihrem Erfolgsprojekt "Red Bull Flying Bach" dürften dazu gehören, zu erleben in der Reihe "Bach on Air", kostenlos und draußen auf dem Markt (12. Juni, ab 20 Uhr), auch das Leipziger Musik-Quintett amarcord wird da sein. Top Act der "BACHmosphäre 2011" ist der norwegische Jazz-Saxosphonist Jan Garbarek, schon am Sonnabend ab 21 Uhr auf dem Leipziger Markt zu erleben. 470 Werke werden insgesamt an den neun Tagen aufgeführt, doch "das Bachfest", sagt Schwerdtfeger mit Blick auf die Schätze des Bach-Archivs, "sei nur die Spitze des Eisbergs". Das kann nur eines heißen: Der Gipfel ist nicht genug.

Evelyn ter Vehn

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