Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 13 ° heiter

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Der Himmel braucht Zeit: Restauration eines Böcklin-Gemäldes für das Bildermuseum

Der Himmel braucht Zeit: Restauration eines Böcklin-Gemäldes für das Bildermuseum

Minutiöse Kleinstarbeit im Akkord ist es, was Restauratorin Antje Hake da im Leipziger Bildermuseum an der Leinwand macht. In wenigen Tagen soll neben vielen anderen das Gemälde "Osterien unter Bäumen" von Arnold Böcklin (1827-1901) in voller Pracht erstrahlen in der Schau "Alles drängt sich zur Landschaft .

Voriger Artikel
Aufgeführte Unaufführbarkeit: "Faust"-Marathon im Schauspiel Leipzig
Nächster Artikel
Warum man Körperspender wird - Ausstellung "Körperwelten" in Dresden

Arbeitet sich Millimeter für Millimeter vor: Restauratorin Antje Hake und das Bild "Osterien unter Bäumen" von Arnold Böcklin.

Quelle: André Kempner

.." im Leipziger Bildermuseum.

"Bei diesem Bild ist der Aufwand enorm. Es befand sich in einem katastrophalen Zustand", erklärt die Restauratorin. Lange Risse, Falten, Fehlerstellen, die in den zurückliegenden Jahren mehrfach übermalt wurden, dazu vergilbender Firnis: Um ihren "Patienten", wie sie ihn liebevoll bezeichnet, ausstellungsreif zu bekommen, bedarf es neben dem professionellen Blick und einem ruhigen Händchen auch reichlich Geduld. "Einer von uns ist immer mit der Bearbeitung des Bildes beschäftigt", sagt die 44-Jährige.

 Seit September vergangenen Jahres arbeiten drei Restauratoren gut 80 Meisterwerke aus dem 19. Jahrhundert auf. Zusammen mit 40 Zeichnungen und Aquarellen sowie 10 Ölstudien bilden sie die vom 9. März bis 22. Juni laufende Ausstellung "Alles drängt sich zur Landschaft ..." im Museum der bildenden Künste.

 Der Firnis, die oberste Schicht, die den gelben Film auf dem Böcklin-Bild verursachte, ist verschwunden. Ein in Lösungsmittel getunktes Wattestäbchen diente Hake beim Abtragen des Schleiers. Derzeit widmet sie sich der Retusche. Mit einem dünnen Pinsel tupft sie die Wasserfarbe auf die Leinwand. Für ein paar Zentimeter Himmel braucht sie bis zu fünf Farbnuancen, ein paar Stunden verstreichen zudem.

 Millimeter für Millimeter arbeitet sie sich voran. Immer auf der Nase: die Lupenbrille. So sind selbst kleinste Unebenheiten auf der Leinwand zu erkennen. "So ein ganzer Tag vor dem Bild, das spürt man schon in den Augen und den Knochen", erzählt die Restauratorin, "aber das Resultat belohnt uns für die Arbeit. Es ist schön, zu erleben, wie das Gemälde neu erstrahlt. Außerdem ist es eine besondere Ehre, diese Bilder zu bearbeiten." Altes wieder neu entdecken - Kurator Frédéric Bußmann trieb genau jener Gedanke um, als er sich vor vielen Monaten im Depot des Museums umschaute, um die kommende Ausstellung zu konzipieren. Ein wahrer Schatz, den es zu bergen galt.

 "Der Leipziger Kunstverein, aus dessen Mitte das Museum gegründet wurde, erwarb im 19. Jahrhunderts diese zahlreichen zeitgenössischen Landschaftsdarstellungen", erzählt der 39-Jährige, "auch bei privaten Sammlern, die durch Stiftungen und Schenkungen den Bestand des Museums erweiterten, war die Landschaftsmalerei in dieser Zeit sehr beliebt." So gebe die Ausstellung auch Einblick in die Geschmackswelt des Leipziger Bürgertums des 19. Jahrhunderts.

 "Es drängt sich alles zur Landschaft -" schrieb der Maler Philipp Otto Runge im Jahr 1802 und gab damit ihrer starken Anziehungskraft auf viele Künstler um 1800 Ausdruck. In der Landschaftsmalerei wurde der humanistische Bildungskanon ebenso verhandelt wie ein neues wissenschaftliches Weltbild. Sie war Sehnsuchtsort, in dem Seelenzustände Ausdruck finden, oder Abbild eines vermeintlich ungetrübten Blickes auf die Wirklichkeit.

 Gezeigt werden unter anderem Werke von Caspar David Friedrich, Andreas und Oswald Achenbach, Wilhelm Busch, Karl Buchholz, Adrian Ludwig Richter, Christian Rohlfs, Carl Rottmann, Carl Gustav Carus und Johann Wilhelm Schirmer. Begleitet wird die Ausstellung von einem illustrierten und kommentierten Katalog zur Landschaftskunst des 19. Jahrhunderts, herausgegeben von Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt und Frédéric Bußmann,

 "Überdies soll die Ausstellung als Auftakt für die restauratorischen und wissenschaftlichen Arbeiten an einem Bestandskatalog "Gemälde des 19. Jahrhunderts" unter der Herausgeberschaft der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung dienen", sagt Bußmann.

 iEröffnung am 8. März, 18 Uhr; bis 22. Juni im Museum der bildenden Künste Leipzig (Katharinenstr. 10); Di und Do bis So 10-18 Uhr, Mi 12-20 Uhr, Mo geschlossen

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.03.2014

Juliane Lange

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2017/2018 im Schauspiel Leipzig. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr