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Der Irrgarten schrumpft: Wolfgang Krause Zwiebacks „Erweiterung des Labyrinths“

Schaubühne Lindenfels Der Irrgarten schrumpft: Wolfgang Krause Zwiebacks „Erweiterung des Labyrinths“

„Die Erweiterung des Labyrinths“ heißt das neue Programm Wolfgang Krause Zwiebacks, das am Donnerstag im Ballsaal der Schaubühne Lindenfels seine Premiere gefeiert hat. Und zugegeben: Die Neigung, den Titel der Inszenierung auch als Versprechen zu lesen, konnte man sich nicht so recht verkneifen. Auch, wenn sowas natürlich echt naiv ist.

Wolfgang Krause Zwieback, Jahrgang 1951, vor seinem Bühnenbild, das er soeben erst selbst gemalt hat.

Quelle: Rolf Arnold

Leipzig. Um an dieser Stelle doch noch einmal kurz auszuholen: Seit nunmehr schon Anfang der 80er Jahre zelebriert Krause Zwieback in vielfachen Inszenierungen das, was er als „Kabasurdes Abrett“ bezeichnet. Also jene theatralen Exkursionen in tatsächlich oft sprachlabyrinthische und spiegelkabinetthafte Paralleluniversen ganz eigenen Zuschnitts, durch die der Künstler in den besten Momenten geradezu traumwandelte. Und das Publikum mit ihm.

Nur, dass mit der zunehmenden Zahl der Exkursionen besagte Labyrinthe oft weniger überraschend als eher gewohnt altbewährt konstruiert aufschienen. Die Paralleluniversen offenbarten sich gerade in ihrer Anti-Logik als allzu logisch. Entzauberten sich in ihren stets aufs Neue erfüllenden Erwartbarkeiten.

Zur Kunst gepimpte sensorische Aphasie?

Und zu fragen ist natürlich, schuldet sich diese Wahrnehmung nun nur dem schnöden Lauf der Zeit und ihren Wiederholungen? Oder rührt sie auch daher, dass im Kern diese mit ihren performativen Elementen verzierte spracharchitektonische Struktur des „Kabasurden Abretts“ letztlich kaum mehr ist als zur Kunst gepimpte sensorische Aphasie?

Um jetzt mal schlicht mit einem Begriff aus der Neurologie zu beschreiben, was da Krause Zwieback so an „funkelnder Sprache und mäandernden Gedankenspielen“ (Web-Text) zum Besten gibt. Also all die Wortverwechslungen, die Laut- und Sinnverdrehungen, die mal mehr, mal weniger gelungenen Neologismen, die jetzt auch in die „Erweiterung des Labyrinths“ ohne Unterlass widerhallen.

Eine Inszenierung, die stark anfängt. Mit einem Soundgrollen, das an die dunkel-unheilvollen Kompositionen für David Lynchs „Mullholand Drive“ erinnert und sich späterhin in einen Schwebezustand, zur elektronischen und mit vielerlei stilistischen Versatzstücken durchsetzten Suite verwebt. Ein schöner Klangteppich (Musik: Shaban), auf dem Krause Zwieback angemessen wandeln kann.

„Arbeit ist Vergnügen und Vergnügen macht Arbeit“

Als Ray Back, der Mann, der aufbricht zu einer Wanderung, die auch eine Flucht sein könnte. Hin in die Freiheit der unmöglichsten Möglichkeiten. Ihm begegnet ein wohlwollender Fabrik­direktor mit verheißungsvoller Assistentin, er irrt durch Lachsfigurenkabinett und Gerücheküche und findet dank Kleintürzucht mannigfaltigen Zugang zu seinem mannigfaltigen Selbst. Erkenntnisse gewinnt er auch, zwei der schönsten lauten: „Arbeit ist Vergnügen und Vergnügen macht Arbeit“ sowie „Es gibt Dinge im Leben, die zeigen sich erst, wenn man sie sieht“. Dazu gibt es Live-Painting und vor selbigem immer diese sympathische, weil ganz und gar uninszenierte Geste, mit der Krause Zwieback seine Brille aufsetzt, bevor er dann am Computer vor sich hin malt, in all seiner „Alleinsamkeit“.

Auch eine schöne Wortschöpfung. Indes: Auf die Alleinsamkeit einer Art selbstgenügsamen Selbstgesprächs hin schrumpft auch diese Inszenierung, dieses Labyrinth, welches doch ein Erweitertes sein sollte. Aber wer glaubt schon den Versprechen von Künstlern? Zum Expandieren jedenfalls fehlte hier wohl die Lust. Oder die Kraft. Und vielleicht ist diese Kraft auch eine des Sich-neu-erfinden-Müssen, die es braucht, Krause Zwieback und seinem alten, dröselnden Ariadnefaden wieder gebannter durch diese Labyrinthe zu folgen.

Weitere Aufführungen von Wolfgang Krause Zwiebacks „Erweiterung des Labyrinths“ am Sonntag sowie vom 14. bis 16. April, jeweils 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels (Karl-Heine-Straße 50), Eintritt 14/10 Euro

Von Steffen Georgi

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