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Der Kreis hat sich geschlossen: Konzert in der Thomaskirche beschließt Josquin-Projekt

Nach 13 Jahren Der Kreis hat sich geschlossen: Konzert in der Thomaskirche beschließt Josquin-Projekt

Am Wochenende ist das Leipziger Josquin-Projekt zu Ende gegangen. In der Thomaskirche führte Sänger und Chorleiter Ludwig Böhme das letzte von Josquin des Préz’ Werken und damit nach insgesamt 13 Jahren das Gesamtwerk des franko-flämischen Renaissancemeisters auf.

Das Ensemble Weser-Renaissance in der Reformierten Kirche.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Dort wo alles begann, ging „Josquin – Das Projekt“ am Sonntagabend auch zu Ende. In der Thomaskirche führte Sänger und Chorleiter Ludwig Böhme das letzte von Josquin des Préz’ Werken und damit nach insgesamt 13 Jahren das Gesamtwerk des franko-flämischen Renaissancemeisters auf. Vorangegangen war diesem Abschlusskonzert ein Wochenende voller Veranstaltungen: Workshops in historischem Tanz oder Alte-Musik-Improvisation, ein Familiengottesdienst und ein Menükonzert mit höfisch-konzertanter Musik.

Der Freitagabend hingegen gehörte den Puristen und A-cappella-Fans, die ein reines Josquin-Programm mit den Sängern des Ensembles Weser-Renaissance Bremen erwartete. Leiter Manfred Cordes hat für dieses Konzert acht Spezialisten zusammengebracht, die in der Alte-Musik-Szene häufig auch als Solisten gefragt sind: Franz Vitzthum und Terry Wey (Superius), David Erler und Bernd Oliver Fröhlich (Tenor altus), Jan van Elsacker und David Munderloh (Tenor) sowie Ulfried Staber und Dominik Wörner (Bass).

Während die zweistimmigen Passagen noch kleine Intonationsunreinheiten offenbaren, gelingt die Vielstimmigkeit prächtig. Cordes dirigiert dabei nicht nur, sondern lässt auch mit der achtköpfigen Besetzung spielen, etwa in der vierstimmigen Motette „O Domine Jesu Christe“, wo sich die Herren in zwei edle Quartette aufteilen und erst am Ende gemeinsam singen. Die Evangelisch Reformierte Kirche Leipzig tut mit ihrer Akustik den verschlungenen Pfaden von Josquins Polyphonie gut. Transparent ist die Stimmführung, was dem Hauptwerk, der Missa „Malheur me bat“, zugutekommt. Im Agnus Dei überzeugt Elsacker beim Duett mit einer intensiven Interpretation, bevor am Ende alle Stimmen nacheinander den Schlussakkord des Dona nobis pacem erreichen. Überhaupt sind es oft die differenziert abgestuften Schlusswendungen, die aufhorchen lassen: Mal wegen der Akkordstruktur, mal wegen der harmonischen Einbettung und mal wegen einer einzelnen Stimme, die das Schlusswort noch einmal bekräftigt. Nach starkem Applaus bedanken sich die Sänger mit einer Zugabe beim Publikum.

Wunderbare Ergänzung

Das Finalkonzert am Sonntagabend wird dagegen nicht rein vokal bestritten, denn zu den Sängerinnen und Sängern des Kammerchors Josquin des Préz gesellen sich auch noch zwei spielfreudige Alte-Musik-Formationen: The Playfords und das Ensemble all’improvviso. Das insgesamt achtköpfige Instrumentalensemble ist eine wunderbare Ergänzung zum A-cappella-Gesang und mischt sich gut mit den Stimmen. Auch in den weltlichen Werken von Josquin und dessen Zeitgenossen Ludwig Senfl zeigen sich die Musiker an Blockflöten, Gamben, Barockvioline, Lauten und Percussion wandlungsfähig.

Hauptakteur und tragende Säule des Josquin-Projekts ist aber der Kammerchor Josquin des Préz, der diesen Namen bereits trug, als Böhme ihn 2002 als Leiter übernahm. Das feste Ensemble mit 16 Mitgliedern eröffnet das Konzert mit der Josquin-Motette „Qui habitat in adiutorio“. Dramatischer klingt dieser Psalm 91 in der Version von Johann Hermann Schein als „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt“. Hier bieten sich offensichtlichere Gestaltungsmöglichkeiten, etwa, wenn die tiefen Zupfinstrumente die Passage von den Löwen und Drachen untermalen, zwei Soprane als Engel fungieren und schließlich die Schlusszeile in sattem Ensembleklang erstrahlt. Josquins kunstvoll-intellektuelle Polyphonie, etwa in „Credo De tous biens playne“ mit zwei begleitenden Gamben, lebt von einem enger gefassten Ausdrucksspektrum und dessen Nuancen.

In der Programmgestaltung der letzten Jahre hat Böhme die Werke seines Helden Josquin stets spannend kombiniert, diesmal mit A-cappella-Stücken des zeitgenössischen Leipziger Komponisten Bernd Franke. Souverän gestaltet der Chor die Sätze von dessen „Luther-Madrigalen“ (2015), die natürlich gut zum Reformationsjubiläum passen. Hier wird aus dem Altarraum nicht nur gesungen, sondern auch geflüstert, gesprochen, gelacht und gezischt. Eine besonders schöne Raumwirkung des Chorklangs entsteht, als die Mitglieder beim Epilog singend durch das Kirchenschiff verschwinden. Nach Josquins „Sanctus De passion“ mit federleichten Blockflötenverzierungen Martin Erhardts kulminiert das Josquin-Projekt im eindrucksvollen „Qui habitat“ als 24-stimmiger Kanon, für den eine ganze Menge Sänger dazustößt. Der Applaus ist wie erwartet herzlich und heftig. Und nun? Als nächstes bereitet Böhme mit seinem Chor ein modernes Programm für den Deutschen Chorwettbewerb vor, „aber Josquin wird bei uns immer eine Rolle spielen“, resümiert er.

Deutschlandfunk Kultur sendet das Konzert am 9. September um 20.03 Uhr.

Von Anja Jaskowski

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