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Der Leipziger Sylvio Hoffmann dokumentiert mit der Kamera den Krieg in Syrien

Das Leid von Kobane Der Leipziger Sylvio Hoffmann dokumentiert mit der Kamera den Krieg in Syrien

Die meisten Menschen kennen die Zerstörungen der syrischen Grenzstadt Kobane nur aus den Nachrichten. Sie haben die Trümmer nicht gesehen,nicht den Schmerz in den Gesichtern der Bewohner, auch der stechende Leichengeruch dringt nicht zu ihnen. Der Leipziger Sylvio Hoffmann hat all das vor Ort mit seiner Kamera dokumentiert.

Trümmerfeld in Kobane - Aufnahme von Sylvio Hoffmann (r.)

Quelle: Sylvio Hoffmann/Anke Späth

Leipzig. Der Leipziger Sylvio Hoffmann hat all das vor Ort mit seiner Kamera dokumentiert. Damit ist er neben Peter Endig, der schon in Afghanistan gearbeitet hat, einer der wenigen Fotojournalisten aus Sachsen, der in den Krisenregionen dieser Welt tätig ist. Der 27-Jährige hat Syrien sowie die Kurdengebiete in der Türkei in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt dreimal besucht und seine Bilder in deutschen und österreichischen Medien veröffentlicht. Auch in der LVZ erschienen schon Bilder von Hoffmann. Er sagt: „Ich möchte durch meine Fotografie auf das Leid der Menschen aufmerksam machen und, indem ich es dokumentiere, einen Beitrag zur Verbesserung ihrer Lage leisten.“

Im Dezember reiste Hoffmann mit dem Ziel Kobane erstmals ins syrisch-türkische Grenzgebiet. Die Einreise nach Syrien scheiterte aber an den strengen Kontrollen der türkischen Armee. Ende März schaffte er es schließlich auf einer Schmuggelroute mit Hilfe kurdischer Kämpfer in jene Stadt, die aufgrund der Einnahme durch den IS und die Rückeroberung durch kurdische Verbände weltweit in die Schlagzeilen geriet. Schließlich hielt sich der freie Journalist zuletzt im November in den Kurdengebieten der Südosttürkei auf, wo er in der Stadt Silvan die Belagerung durch die türkische Armee und Scharfschützen-Feuer hautnah erlebte.

Viele bewegende Eindrücke

„Das Bild mit den weinenden Frauen, die im Frühjahr nach Kobane zurückgekehrt sind, bedeutet mir am meisten“, erklärt Hoffmann, der als Vorbilder die legendären Kriegsfotografen Robert Capa, Don McCullin sowie James Nachtwey nennt. „Der Anblick ihrer zerstörten Stadt brachte sie zum Weinen. Die ganze Straße war erfüllt von Trauer und Schmerz.“ Auch die zwischen den Trümmern spielenden Kinder haben sich eingebrannt. „Ihre Gesichter sahen oft wie die von Erwachsenen aus, die kindlichen Züge waren verschwunden.“

Für Hoffmann ist es manchmal nicht leicht, die Eindrücke zu verarbeiten. Die Rückkehr nach Leipzig empfand er stets als schwer, es dauerte einige Zeit, bis er richtig angekommen war. Einfach so mit einer Tasse Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt stehen, während wenige Flugstunden entfernt Menschen erschossen werden, das macht ihn noch heute nachdenklich. Und es verstärkt den Drang zurückzukehren.

Als risikosüchtigen Abenteurer sieht er sich nicht. Im September absolvierte er einen Kurs bei der Bundeswehr, bei dem Journalisten auf riskante Einsätze vorbereitet werden. Dort lernte er das Handwerk des Kriegsreporters: Geschosse anhand ihrer Fluggeräusche zu unterscheiden oder das Verhalten bei einer Geiselnahme. „Das war eine knallharte Simulation, inklusive Augen verbinden, Anschreien und Scheinexekutionen“, berichtet Hoffmann. Bei dem Kurs knüpfte er auch Kontakte zu Kollegen. Gemeinsam mit einem Berliner Fotojournalisten ist er bereits Anfang Januar zu einer mehrwöchigen Tour in den Irak aufgebrochen. Sie wollen von der Front gegen den Islamischen Staat und über die Situation der Flüchtlinge im Winter berichten.

Der Leipziger fotografiert seit seinem 16. Lebensjahr sein Viertel und dessen Anwohner im Osten der Stadt. Später nahm er häufig Demonstrationen, Streiks oder Menschen bei der Arbeit auf. Nun zieht es ihn immer häufiger in die Welt hinaus. „Ich bin noch jung und habe keine Kinder“, sagte Hoffmann. „Und ich möchte mit meinen Bildern einfach etwas verändern.“

Thomas Fritz

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