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Der Lido als Filmwerkstatt - Tom Tykwer tritt bei der Filmbiennale gegen Amerika an

Der Lido als Filmwerkstatt - Tom Tykwer tritt bei der Filmbiennale gegen Amerika an

Der Lido gleicht in diesem Jahr einer Filmwerkstatt. Die 67. Ausgabe des ältesten Filmfestivals der Welt sollen jene Regisseure prägen, "die mit all dem experimentieren, was die Sprachen der zeitgenössischen visuellen Kunst so bieten können.

Venedig. " Das zumindest verspricht der künstlerische Direktor des Filmfestivals von Venedig, Marco Müller.

Ein breites Programm mit unbekannteren Größen im Kampf um den Goldenen Löwen ist daher zu erwarten. Klar ist, dass das US-Kino mit einem Viertel der 24 Filme im Wettbewerb dominierend zu werden verspricht. Dagegen kämpft auch der deutsche Regisseur Tom Tykwer ("The International") an, der seinen jüngsten Streifen "Drei" mit Sophie Rois und Sebastian Schipper am Lido in das Rennen schickt.

23 Wettbewerbsfilme aus 12 Nationen sind längst bekannt, ein Überraschungsstreifen wird noch am 6. September mitten im Festival (vom 1. bis 11. September) angekündigt – am Lido macht man es mal wieder sehr spannend. Im vergangenen Jahr gesellten sich während des Festivals gleich zwei Filme noch dazu, und Werner Herzog fand sich so mit zwei Werken in der Konkurrenz um den begehrten Löwen wieder.

Italien vs. USA

Das diesjährige Programm lasen italienische Filmkritiker aber vor allem als eine "Herausforderung Italien-USA", da das Gastgeberland mit vier Filmen präsent ist, etwa Saverio Costanzos "La solitudine dei numeri primi" (Die Einsamkeit der Primzahlen) mit Isabella Rossellini. In den letzten Jahren enttäuschten die Filme aus Berlusconi-Land jedoch. Einiges spricht für amerikanische Akzente am Lido, auch wenn diesmal das Warten der Fans und Autogrammjäger auf George Clooney enttäuscht wird. Dafür dürfte Dustin Hoffman den Lido aufmischen – seine Starkünste zieren den kanadisch-italienischen Film "Barney’s Version" von Richard J. Lewis.

Und mit einem Paukenschlag eröffnet Darren Aronofskys "Black Swan" die 67. Edition. Sein Psychothriller mit Natalie Portman und Vincent Cassel um eine Intrige im New Yorker Ballettmilieu geht mit Ambition auf einen zweiten Löwen in den Ring: Aronofsky hatte 2008 mit dem "Wrestler" Mickey Rourke triumphiert.

"Jung und spritzig"

Das Jury-Votum am Ende des Festivals dürfte auch deshalb mit besonderer Spannung erwartet werden, weil der amerikanische Starregisseur Quentin Tarantino ("Pulp Fiction", "Kill Bill") das Gremium leitet. "Jung und spritzig" sei der Lido-Jahrgang 2010, das Durchschnittsalter der Regisseure liege bei 47 Jahren, freut sich der künstlerische Leiter. Widerspruch solle das Festival beseelen, meinte Müller, und die "Handschrift" der internationalen Kunst gut zu lesen sein. Das kann "Somewhere" von Sofia Coppola („Lost in Translation“) diesem Festival bringen, aber auch Julian Schnabels "Miral" oder das jüngste Werk "Potiche" des französischen Erfolgsregisseurs François Ozon.

Deutsche Produktionsanteile stecken in dem lateinamerikanischen "Post Mortem" von Pablo Larraín wie in Costanzos "Primzahlen-Werk". Der Dokumentarfilm „Atom“ von Markus Löffler und Andrée Korpys sowie der Trickfilm "The External World" von David Oreilly vertreten die Bundesrepublik in der Sektion "Orizzonti" (Horizonte), in der es traditionell um die neuen Tendenzen des internationalen Films geht. Den Ehrenlöwen für sein Gesamtwerk erhält der asiatisch-amerikanische Filmregisseur und Produzent John Woo ("Mission Impossible").

Nicht weniger als 27 Streifen bietet der Lido "außerhalb des Wettbewerbs", davon 23 in Weltpremiere. Mit Spannung erwartet wird so unter anderem Julie Taymors Shakespeare-Verfilmung "The Tempest" – mit Oscarpreisträgerin Helen Mirren in der Hauptrolle. Dieser Film schließt das Festival 2010 ab. Auch Ben Afflecks Agenten-Movie „The Town“ sowie der in den USA produzierte Thriller "Machete" mit Danny Trejo, Jessica Alba und Robert de Niro glänzen nur außer Konkurrenz.

Mehr gibts auf der Biennale Homepage

Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

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