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Der Wellensittich kehrt zurück - Kylie Minogues neues Album "Aphrodite" ist da

Der Wellensittich kehrt zurück - Kylie Minogues neues Album "Aphrodite" ist da

Die Aphrodite ist in der griechischen Mythologie für Liebe, Schönheit und sinnliche Begierde zuständig. „Aphrodite“ heißt das neue Album der Australierin Kylie Minogue.

Leipzig. Es hätte der Soundtrack des Sommers werden können, ist aber so sexy und sinnlich wie Kosmetikwerbung mit Jogi Löw.

Es war 1995, als Kylie Minogue nicht mehr der „singende Wellensittich“ sein wollte, als den sie das Kritikergeschmeiß verunglimpft hatte. Und was macht man da als Sängerin, die Belanglosigkeiten wie „I Should Be So Lucky“ zwitschert? Man paart sich mit einem Paradiesvogel, dessen Songs zwischen Himmel und Hölle irrlichtern: dem Landsmann Nick Cave. Ihr  gemeinsames „Where The Wild Roses Grow“ wurde ein Hit, und spätestens jetzt merkte die Welt auf: Kylie Minogue kann ja singen.

15 Jahre später, überwunden eine schwere Krebserkrankung, ist nun „Aphrodite“, das 11. Album der Australierin erschienen -  und man reibt sich die Ohren. Kylie kann ja doch nicht singen. „Aphrodite“ führt ohne jedes Augenzwinkern zurück in die 80er, als Minogue in die Fänge der britischen Hitfabrik von Stock, Aitken, Waterman geraten war. Sage und schreibe 27 Autoren und 14 Produzenten haben auch den letzten Rest Leidenschaft und Irrationalität aus der Musik herausgewrungen. 12 Songs – wenn man das so nennen kann – sind auf dem Album zu finden. Das bereits als Single ausgekoppelte „All The Lovers“ eröffnet den Reigen der Disco-Nümmerchen. Es ist neben dem Titelsong und den folgenden „Illusion“ und „Better Than Today“ noch einer der besten Tracks, weil hier noch so etwas wie die Idee einer Melodie und eine gewisse Energie zu erahnen sind.

Kylie dümpelt in seichten Gewässern

Ansonsten ist dieses Wasser so seicht, dass selbst ein Surfbrett stranden würde. Die Klangteppiche und Beats sind vom Wühltisch der 80er. Und was haben sie mit deiner Stimme gemacht, Kylie? Die Studiotechnik, die sonst doch selbst aus einem Küblböck einen Caruso machen kann, hat hier schlicht versagt. Oder ihr komplett den Gesang abgenommen.

Die So ziemlich alles, was man der etablierten Musikindustrie vorwirft, scheint zusammengekommen zu sein. Das auf Platz drei in den deutschen Charts eingestiegene Album der 42-Jährigen ist ein Produkt, nichts weiter. Schon auf dem Cover empfängt uns diese Reißbrett-Aphrodite mit Armen zum Himmel und wehendem Tüll, als wolle sie eigentlich ein neues Parfüm auf den Markt bringen. Das ist gar nicht so abwegig, werden unter dem Markendach „Kylie“ doch neben Damenunterwäsche und Heimtextilien auch seit einiger Zeit Düfte und Duschgels vertrieben.

Ich bin die Disco-Queen!

Die Musik scheint in diesem mit kostenloser Dauerpräsenz in den Klatschspalten beworbenen Gemischtwarenladen nur eines von vielen Angeboten zu sein. Man hat Kylie Minogue immer vorgehalten, in Sachen Stil und Wandlungsfähigkeit so etwas wie eine australische Handtäschchenversion von Madonna zu sein. Tatsächlich drängt sich bei „Aphrodite“ der Vergleich zu den „Confessions On A Dancefloor“ der Amerikanerin förmlich auf. Auch hier bemüht sich eine durchaus ansehnliche Ü-40erin, es den nachwachsenden Rohstoffen im Pop-Zirkus, den Britneys, Shakiras und Lady Gagas nochmal so richtig zu zeigen. Alle mal herhören – und vor allem -sehen: Ich bin die Disco-Queen! Und ebenso wie Madonna räkelt sie sich im auf den Abdruck der Songtexte zum Glück verzichtenden Booklet in lasziven Posen, unterstützt von den segensreichen  Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung.

Dabei hatte sie sich 2003 doch noch von der „Pornographisierung der Popkultur“ distanziert. Aber was interessiert

mich mein Image von gestern. „Ich bin nie steckengeblieben. So bleibe ich aktuell und zeitgemäß, ohne meine Wurzeln, meine Identität als Pop-Kylie zu verraten“, verriet sie unlängst Welt-Online. Dem ist leider nichts hinzuzufügen.

Jürgen Kleindienst

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