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Der Widersprücheklopfer: Debütalbum des Leipziger Rappers Jahmica

Soundcheck L.E. Der Widersprücheklopfer: Debütalbum des Leipziger Rappers Jahmica

Der Leipziger Rapper Jahmica präsentiert am Freitag im Neuen Schauspiel sein Album „Fürs Debüt reicht’s“, das von der auf junge deutsche Rapper spezialisierten Universal-Music-Tochter Chapter One vertrieben wird.

17 Tracks, 17 Persönlichkeiten, ein Mann Mitte zwanzig: David Trautmann alias Jahmica.

Quelle: PR

Leipzig. Blass, schlaksig, unscheinbar: Optisch würde David Trautmann ohne seine petrolblauen Haare kaum auffallen. Doch sobald der eloquente Philosophiestudent den Mund öffnet, lenkt er die Aufmerksamkeit auf sich – vor allem, wenn er unter seinem Künstlernamen Jahmica am Mikrofon agiert.

Seine Skills sicherten ihm 2012 zusammen mit seiner „Obskuriosen”-Crew den Sieg beim Leipziger Bandwettbewerb „Der Große Preis”, und zwei Jahre später konnte er das Deutschland-Finale des Freestyle-Contests „End of the Weak” für sich entscheiden. Zudem stellte der gebürtige Thüringer seine technische Variabilität sowie sein Talent für Wortspiele schon auf mehreren EPs und Mixtapes unter Beweis. Nun demonstriert er sein Können in voller Albumlänge: Auf seinem eigens gegründeten Label Super Plus veröffentlicht der Wahlleipziger am Freitag seine erste LP „Fürs Debüt reicht’s”, die von der auf junge deutsche Rapper spezialisierten Universal-Music-Tochter Chapter One vertrieben wird.

„Willkommen in meinem Leben”, begrüßt Trautmann seine Hörer im Opener „Regen” und stimmt sie damit auf seine Selbstbetrachtungen ein, die er aus der mal humorvoll überzeichneten, mal schonungslos offenherzigen Perspektive seines Alter Egos vornimmt und dabei „alle möglichen Stimmungen und Haltungen reflektiert, die Jahmica einnehmen kann: 17 Tracks, 17 Persönlichkeiten”. Einzeln bilden diese in sich geschlossene Rollenspiele, die jedoch zusammengenommen gravierende Widersprüche enthüllen.

So porträtiert sich der MC im Song „Astronaut” als enthemmtes Feierbiest, das in „Detox” an den Folgen des Exzesses zerbricht. „City Life” bringt den bindungsunwilligen Casanova in Jahmica zum Vorschein, der später mit „Abgrund” eine Ode an die eine große Liebe anstimmt. Hier augenzwinkernd narzisstisch („Perfekt”), dort von Selbsthass zerfressen („Keine Welt”); sowohl sensibler Feingeist, als auch großmäuliger Sprücheklopfer: Auf seiner ersten LP beleuchtet der Rapper vor allem seine inneren Zwiespalte. Doch sein Blick richtet sich auch immer wieder schlaglichtartig und kritisch nach außen – etwa auf die nach wie vor in der HipHop-Szene verbreitete Homophobie („Deine Bitch”) oder Menschen am Rande der Gesellschaft, wie den „Dude in deiner Nachbarschaft, der für den Lohn von einem Tabakpack die ganze Nacht Falafel macht”.

Scharfsinnig und scharfzüngig

Um seiner inhaltlichen Bandbreite musikalisch gerecht zu werden, verzichtete Jahmica dieses Mal auf Soul- und Jazz-Samples, die den Sound seiner EPs „Ungereimtheiten”, „Pioniergeist” und „Sportlich” prägten. „Das passte nicht zu allen Stimmungen, die ich einfangen wollte”, erläutert der Mittzwanziger: „Einen Song wie ‚Keine Welt’, der die erste größere Lebenskrise behandelt, machst du nicht auf staubigen Drums.“

Mithilfe des Produzenten Günther Gadget sowie diverser Sessionmusiker entstanden daher für jedes Stück individuell angepasste, aber insgesamt überaus heterogene Arrangements, die unter anderem Oldschool-, Indie-, Electro- und Funk-Elemente beinhalten und von synthetischer Kälte bis analoger Wärme das gesamte Klangfarbenspektrum umfassen.

Die Vielseitigkeit des ersten Jahmica-Albums kann man Freitagabend im Neuen Schauspiel erleben: Dort stellt der Rapper „Fürs Debüt reicht’s” live bei seiner Release-Party vor. Es wird wohl nicht die letzte Feier dieser Art sein: „Ich arbeite gerade an mehreren EPs”, verrät Trautmann. Einzelheiten zu diesen Projekten will er noch nicht preisgeben – doch es ist zu erwarten, dass sie erneut scharfsinnige Selbstreflexionen und scharfzüngige Sprachakrobatik bereithalten werden.

Jahmica, drumherum Ukolove, Jimmi Vau, Jenny Sharp, Thigh Gap Boi, Hung Asid, Freitag, 22 Uhr, Neues Schauspiel (Lützner Str. 29), 8/6 Euro. Das Album erscheint bei Super Plus/Chapter One.

Von Conrad Pohlmann

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