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Der „Winnetou des Ostens“ wird 75

Gojko Mitic Der „Winnetou des Ostens“ wird 75

Was Pierre Brice im Westen war, das verkörperte Gojko Mitic im Osten. Als „Chefindianer“ der DEFA ließ er seine Fans scharenweise dahinschmelzen. Und er sitzt immer noch fest im Sattel.

Gojko Mitic (rechts) mit Wayne Carpendale in Bad Segeberg.

Quelle: Markus Scholz.

Schwedt. Hoch zu Ross, mit Degen und in schwarz-rotem Kostüm: Als Graf Hans Georg von Arnim reitet Gojko Mitic zu den Odertal-Festspielen im brandenburgischen Schwedt. Der Schauspieler, der als „Winnetou des Ostens“ bekannt wurde, sitzt gerade im Sattel. Das Fantasie-Spektakel „Die Verschwörung von Chorin“ hat am 12. Juni Premiere, tags darauf feiert Mitic seinen 75. Geburtstag. Dass er mit einem Pferd auf die Bühne kommt, freut Mitic besonders. Er sei dem treugeblieben, was das Publikum von ihm erwarte, sagt der gebürtige Serbe und schmunzelt.

Sein Ruhm geht auf Indianerrollen zurück, Reiten gehört dazu. In Sportjacke, Jeans und mit Umhängetasche kommt er von der Probe. Vor Jahren hatte er am Staatstheater Schwerin die Hauptrolle im Musical „Alexis Sorbas“ gespielt - Theater ist dem Stargast nicht fremd. Zum Film kam Mitic einst per Zufall. In seiner Heimat Jugoslawien wurden damals viele Filme gedreht. Die Regisseure verpflichteten als Stuntmen gern Sportstudenten, darunter Mitic. Es folgten kleine Rollen in Filmen mit Pierre Brice, der Winnetou spielte. Die DEFA-Filmgesellschaft aus der DDR bot Mitic die erste Hauptrolle an. Mitic wurde zum „DEFA-Chefindianer“.

Häuptlinge wie Chingachgook, Tokei-ihto, Ulzana und Tecumseh prägten das Künstlerleben von Gojko Mitic, für den Generationen junger Mädchen schwärmten: langes schwarzes Haar im Film, schwarze Augen, makelloser Körper, immer auf der Seite der Guten. Rund 50 Jahre liegt der DEFA-Film „Die Söhne der Großen Bärin“ zurück - ein Kino-Hit. Gut 15 Indianerfilme folgten, die ein Millionenpublikum anlockten. Fan-Post erreiche ihn immer noch, erzählt er. Der Respekt vor seinem Publikum ist spürbar. Kürzlich habe seine Freundin eine Kiste mit Zuschriften durchgesehen und ihn auf vieles Interessantes aufmerksam gemacht. „Ich konnte nicht alle Briefe beantworten“, entschuldigt er sich.

Bei den Karl-May-Spielen Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) übernahm Mitic die Rolle des Winnetou von Pierre Brice, der am Samstag im Alter von 86 Jahren starb. Mitic verkörperte in Bad Segeberg von 1992 bis 2006 den Häuptling. „Ich habe Winnetou noch mit 66 gespielt“, erinnert sich Mitic, der sich nach eigenen Worten immer noch fit fühlt. „Ich reite und fechte - alles Dinge für junge Liebhaber“, scherzt er. Mitic wollte im Rentenalter eigentlich kürzertreten und Liegengebliebenes erledigen. „Ich müsste meine Fotos sortieren, die vielen Negative durchsehen, aber komme nicht dazu“, erzählt er.

Ein Rentnerdasein in Ruhe - für Schauspieler undenkbar. „Wir müssen auf der Bühne umfallen und fertig. Nach dem Motto: „Das ganze Leben hat er gespielt. Als er tot war, hat ihm das keiner geglaubt.““ In seiner Heimat Serbien besucht er regelmäßig seinen Bruder. Die Mutter war während des Balkankrieges gestorben. „Sie hatte sich aufgegeben und wollte nicht mehr“, sagt Mitic, der sich von ihr nicht verabschieden konnte: Brücken zerstört, Bomber am Himmel. Erst ein halbes Jahr nach ihrem Tod habe er erstmals zu ihrem Grab fahren können, sagt er leise. „Meine Mutter war der wichtigste Mensch in meinem Leben.“ Mitic sind politische Themen wichtig. Kriege, Umweltzerstörung, des Menschen Gier nach Geld und Macht - für ihn unfassbar. „Der Indianer ehrt Mutter Erde, die Natur, jedes Tier, jede Pflanze, das sind Brüder und Schwestern“, sagt er. Und was macht der weiße Mann? „Wir sind dabei, unseren eigenen Lebensraum zu zerstören. Dabei könnten wir von den Indianern lernen.“ Steffi Prutean

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