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Der alte Rodeoclown: Falkenberg vor Leipziger Konzert im Porträt

Auftritt im Neuen Schauspiel am Samstag Der alte Rodeoclown: Falkenberg vor Leipziger Konzert im Porträt

In den letzten Jahren der DDR war Ralf Schmidt alias IC Falkenberg so etwas wie ein Popstar. Später lief es in seiner Karriere nicht immer so rund. Davon erzählt er auf seiner aktuellen Platte „Geliebtes Leben“ schonungslos offen – und wohl auch am Samstag beim Solo-Auftritt im Neuen Schauspiel.

Falkenberg bei einem Konzert in der Dresdner Lukaskirche.

Quelle: Andreas Weihs

Leipzig. Vor zwei Jahren erwischte es ihn: Sein Körper quittierte die jahrelange Ausbeutung mit Dienstversagen; glücklicher Zufall, dass er rechtzeitig gefunden wurde. Er hatte gerade eine ziemlich erfolgreiche Zeit hinter sich, das heißt in diesem Metier: eine sehr arbeitsintensive Phase mit einer dichten Folge von Auftritten bis an die physische und psychische Grenze. Doch er war darauf und dran, eine Menge uralter Vorurteile endlich zu zersingen. Ein Live-Mitschnitt in seiner Heimatstadt Halle sollte dieses neue Level dokumentieren. In dieses Projekt hatte er noch mal alle Kraft gesteckt – und den Akku gnadenlos ins Minus gefahren.

Ralf Schmidt alias IC Falkenberg hat diese Episode inzwischen mental und körperlich überwunden. Doch auf der aktuellen Platte klingt die Neuaufnahme seines Klassikers „Dein Herz“ in einer gitarrenschweren Goth-Rock-Version plötzlich berührend doppeldeutig. Dieses Stück, sein letzter großer Hit in der DDR, hat er übrigens in der Leipziger Kongresshalle geschrieben: Er war eines Nachmittags 1987 zwischen Soundcheck und Konzertbeginn in deren verwinkelten Zimmerfluchten in den Obergeschossen, zu diesem Zeitpunkt schon zu großem Teil leer stehend, herumgekrochen und hatte in einer Ecke ein ebenso verstaubtes wie verstimmtes Klavier entdeckt. Und plötzlich war er da, dieser Song, der einsam und schwerelos in einer endlos-dämmernden Blauen Stunde zu schweben scheint.

Im Solokonzert klingt das Stück natürlich nicht so rockig wie auf „Geliebtes Leben“. Entscheidend ist aber in jedem Falle Falkenbergs kompositorische Stil-Sicherheit. Schon das Klavierintro vereint minimale Läufe und Harmonien zu einer unschlagbaren Stimmigkeit: Das (scheinbar) Einfache, was so schwer zu machen ist. Beeindruckend die Abgeklärtheit in den Texten, deren ausufernde Metaphernpracht keineswegs verbirgt, dass schonungslos Innerstes reflektiert wird: Seine Vergangenheit als Popstar, der Kampf um Anerkennung im langen Danach, die Fragen nach dem Sinn. Abrechnung, Zweifel und am Ende die wilde Entschlossenheit des alten Rodeo­clowns, der Gesellschaft seinen Platz darin, den verdienten Respekt und damit den Frieden mit sich selbst abzuringen. Ohne zeitgeistige Pop-Coolness, dafür voller Poesie, melancholisch oft, doch ohne Bitternis – Hits jenseits von Mehrheiten. Er hat’s eben immer noch drauf.

Und, gottlob, es scheint auch noch so etwas wie einen Rest von Gerechtigkeit im Pop-Geschäft zu geben: Er wird allmählich wieder mitgelistet, wenn die Rede von den wichtigen Songschreibern dieses Landes ist. Das aktuelle Album landete auf der Longlist für den „Preis der Deutschen Schallpattenkritik“. „Kafkaesk seine Liedtexte. Seine Interpretationen denen von John Cale gleich. Und die Dramaturgie der elf dunklen ,Geliebtes Leben’-Deklarationen könnte Orson Welles besorgt haben …“, heißt es in der Laudatio des nominierenden Jurors. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Außer: Man darf es auch zehn Zentimeter niedriger hängen und sich dafür viel Spaß in einem Konzert mit einem der beeindruckendsten Liedermacher in unseren Breiten gönnen.

IC Falkenberg – solo an Flügel und Gitarre, Samstag, 20 Uhr, Neues Schauspiel (Lützner Straße 29), Vorverkauf 13,50 Euro, Abendkasse 15 Euro

Von Lars Schmidt

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