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Der brummbärige Kindskopf Kurt Krömer im ausverkauften Haus Leipzig

„Heute stimmt alles“ Der brummbärige Kindskopf Kurt Krömer im ausverkauften Haus Leipzig

„Heute stimmt alles“ heißt das aktuelle Programm Kurt Krömers. Am Sonntag gastierte und Montag gastiert der rotzigste Rotzlöffel des deutschen Unterhaltungsbetriebs und die nicht nur in Kleidungsstilfragen unumstritten schönste Zumutung, die Berlin zu bieten hat, im ausverkauften Haus Leipzig.

Kurt Krömer verströmt im Haus Leipzig Liebe und mehr.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Und um es gleich zu sagen, einfach damit es erledigt ist: Ja, man hat schon bessere Programme und Auftritte Krömers erlebt. Nicht zuletzt jenen, den er 2014 auf seiner „Abschied“-Tour im Haus Auensee absolvierte und der als eine Tour de Force in Erinnerung ist: Zum Schreien komisch illustrierte diese darüber hinaus recht variabel, was das meint, wenn Krömer sagt: „Ich mache keine Witze. Der Witz bin ich.“

Eine Poetologie quasi absolutistischen Zuschnitts. Und die große Geste, mit der Krömer zu furchtbarem Gute-Laune- Humptata auf der Bühne erscheint, erst ins Publikum winkt und dann zu diesem hinabsteigt, passt dazu bestens. Es gehe, so Krömer, ganz Sonnenkönig sonniger Gemütsüberhitzung, jetzt nämlich einfach mal darum, „Liebe weiterzugeben“. Was heißt, dass Krömer einen Zuschauer ganz dolle umarmt und diesen dann auffordert, genau das jetzt mit dem Rest der Leute im Saal fortzusetzen. Aufs konsternierte Dreinblicken des von Krömers Gnaden zum Liebesbotschafter Ernannten gibt’s ein barsches: „Gib jetzt einfach die verfickte Scheißliebe weiter!“

Und natürlich darf der Feingeist darüber jetzt die Niveau-Stirnfalten runzeln. Was fraglos in Ordnung ginge. Zugleich aber ausklammert, dass genau diese Rotzigkeiten jene Freiheiten sind, die Krömer sich nimmt und für die ihn das Publikum liebt – weil etwas wirklich Befreiendes darin liegt. Selten nämlich kann man in der Tat so befreit lachen wie bei Krömer. Weil es ein Lachen ist, das immer auch auf das pfeift, was sich, wie man so schön sagt, „gehört“ und was nicht.

Irgendwo zwischen Lego- und Dummerland

Befreit ist dieses Lachen im Übrigen auch von jener Häme, welche Krömer gelegentlich vorgeworfen wird, bevorzugt von an ihm gescheiterten Show-Gästen aus TV-Zeiten. Was schöne Sätze wie diesen nicht ausschließt: „Mit Verachtung muss man sparsam umgehen, denn es gibt Bedürftige“, erklärt Krömer im Haus Leipzig. Und verortet fragliche Bedürftige unter anderem bei jenen Verteidigern des Abendlands, das „irgendwo zwischen Lego- und Dummerland“ liegen müsse. Söder heißt etwa einer der dortigen Bewohner. Ein weiterer ist jener Kardinal, der letztens salbungsvoll vor Asylmissbrauch warnte und dem Krömer eine gewisse Kompetenz gar nicht mal abspricht. Schließlich gehöre der Mann zu einer Organisation, die sich mit Missbrauch ziemlich gut auskenne.

Nicht, dass Krömer irgendwas mit politischem Kabarett zu tun hat. Dafür fehlt ihm schlicht das Aufklärungsbedürfnis samt Bescheidwisser-Attitüde. Krömer ist vielmehr der Kindskopf, der in Anti-Eitelkeit kokettierend seine bleiche Plauze rotieren lässt, der in gekonntem Timing das Timing torpediert (oder darauf pfeift). Der Zigaretten auf der Bühne qualmt, weil man das ja in den Garderoben inzwischen nicht mehr darf, der motzt und mosert und gesteht „… manchmal bin ich so böse, da geh ich sogar mit Socken ins Bett“. Und der ganz brummbärig freundlich wird, wenn er den zwölfjährigen Simon aus dem Publikum auf die Bühne bittet, zwecks Selfie machen.

„Was willst du mal werden?“ will Krömer wissen. Schauspieler, ist prompt die Antwort. Und Krömer, ohne Verblüffung oder Zögern: „Gute Idee! Brauchste ab morgen och nicht mehr in die Schule gehen.“ Nun ja, nicht mal bei „Heute stimmt alles“ stimmt eben alles.

Von Steffen Georgi

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