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Der kleine Angsthase - Elizabeth Shaw vor 25 Jahren gestorben

DDR-Kinderbuch-Klassiker Der kleine Angsthase - Elizabeth Shaw vor 25 Jahren gestorben

Bei dem kleinen Hasen zittern anfangs selbst die Barthaare vor Angst. Doch am Ende ist ihm der Stolz anzusehen. Die Geschichte vom Mut zieht auch gut 50 Jahre nach der Entstehung Kinder immer noch in den Bann.

Anne Schneider, Tochter der DDR-Kinderbuchautorin und Illustratorin Elizabeth Shaw, hält zwei Bücher ihrer Mutter in die Höhe. Das «Buch vom kleinen Angsthasen» war zu DDR-Zeiten Kult. (Archivbild)

Quelle: dpa

Potsdam. Der kleine Hase hat vor allem eines: Angst. Er zittert bei Dunkelheit, möchte sich vor Hunden verstecken und traut sich nicht einmal ins flache Wasser. Als ein anderer junger Hase in Gefahr ist, wächst er aber über sich hinaus. Das "Buch vom kleinen Angsthasen" und andere Kinderbücher der Autorin und Zeichnerin Elizabeth Shaw (1920-1992) waren zu DDR-Zeiten Kult. Auch 25 Jahre nach dem Tod der irischstämmigen Autorin ist die Begeisterung an ihren Werken ungebrochen - bei kleinen Lesern ebenso wie bei ihren Eltern.

"Sie hat damit vielen Menschen eine Freude gemacht, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger eine Geschichte zu erzählen", sagt ihre Tochter Anne Schneider. Ihrer Mutter hätten die Kinderbücher oft nicht gefallen, die sie illustrieren sollte. "Also schrieb und zeichnete sie selbst für Kinder", sagt die 69-Jährige. Sie verwaltet den immensen Nachlass ihrer Mutter: mehrere hundert Originalzeichnungen für Kinderbücher, politische Karikaturen und Arbeiten, die auf Reisen entstanden sind.

Ein Klassiker der DDR-Kinderliteratur

"Ich habe mich oft gefragt, weshalb meine Kinderbücher so beliebt sind. Ich mache eines fertig, gebe es ab und fange mit dem nächsten an, ohne nochmals einen Blick darauf zu werfen, wenn es erst gedruckt ist", erzählte Shaw in ihrer Autobiografie "Wie ich nach Berlin kam. Eine Irin in der geteilten Stadt" (Verlag Berlin Brandenburg).

1963 erschien das "Angsthasen"-Buch - ihr erstes Werk für Kinder und ein Klassiker der DDR-Kinderliteratur. Allein bis 1990 sind im DDR-Kinderbuchverlag 20 Auflagen mit rund 736.000 Exemplaren herausgegeben worden. Und nach dem Mauerfall gehörte der "Angsthase" zu jenen DDR-Rennern, die bis heute überlebt haben.

Die Kinderbücher von Elizabeth Shaw seien auch heute noch immer erstaunlich beliebt, sagt die Sprecherin des Verlages Beltz/Der Kinderbuchverlag (Weinheim), Anja Lösch. "Der kleine Angsthase" sei derzeit in der 16. Auflage lieferbar. Von «Die Schildkröte hat Geburtstag» gebe es bereits die 14. Auflage. Aktuell habe der Verlag 14 Shaw-Titel im Angebot, dazu vier Bücher mit ihren Illustrationen.

Werte wie Mut und Freundlichkeit

"Meist schrieb ich sehr moralische Geschichten», erklärte Shaw selbst. «Ich wollte ganz bestimmte Werte wie Mut, Freundlichkeit vermitteln und dass man nicht für sich selbst lebt."

Shaw wurde 1920 in Belfast geboren. Kindheit und Jugend verbrachte sie in Nordirland und England. In England lernte sie den Bildhauer René Graetz (1908-1974) kennen, der dort im Exil lebte. 1946 siedelte das Paar nach Ostberlin über.

In England hatte sie bereits für Monatszeitschriften gezeichnet. In Berlin griff sie wieder zu Stift und Feder - auch um Geld in die Familienkasse zu bringen. Shaw hielt zunächst das Leben im geteilten Berlin nach Kriegsende fest. Sie pflegte Kontakte zu vielen Künstlern und schuf sehr prägnante Porträts, unter anderem von Helene Weigel oder Bertolt Brecht.

Nach dem Tod zurück in die Heimat

Ihre Ideen und Inspirationen habe sie als genaue Beobachterin im Alltag gefunden, sagt Tochter Anne. Mit Witz und Humor habe sie mit wenigen Strichen eine Szene festgehalten oder die Stimmung der Ostseelandschaft einfangen.

Shaw schrieb insgesamt 18 Kinderbücher, erzählte darin auch vom Wildschwein Walter, vom scheuen Schneck oder vom kleinen schwarzen Schaf. Außerdem illustrierte sie knapp 60 Bücher für Erwachsene und Kinder. Shaw - die mit ihren Kindern meist englisch sprach - blieb auch als Autorin ihrer Muttersprache treu. Ihre Bücher schrieb sie zunächst auf Englisch und übersetzte sie dann. Lektoren sorgten für den sprachlichen Feinschliff.

Zu DDR-Zeiten konnte die Irin einige Male ihre Heimat besuchen. Warum sie im Osten blieb, versuchte sie in ihrer Autobiografie zu erklären. Viele Dinge seien ihr zwar fremd geblieben, wie Kaffeetrinken am Nachmittag und große Feiern zu Geburtstagen. Sie sei aber froh, dass sie nach Berlin gekommen sei. "Ich bin Zeugin des Aufbruchs und des Untergangs der DDR geworden", schrieb sie.

Nach dem Tod wollte sie aber wieder in die Heimat zurück. Der letzte Wunsch der Mutter, ihre Asche in die Irische See zu verstreuen, wurde ihr erfüllt, wie die Tochter berichtet.

Von Gudrun Janicke

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