Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
"Der nackte Strich interessiert mich" - neue Ausstellung in Leipziger HGB

"Der nackte Strich interessiert mich" - neue Ausstellung in Leipziger HGB

Leipzig. Am Mittwoch wird in der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) die Meisterschüler-Ausstellung eröffnet, und Bastian Muhr zeigt eine 2,50 mal 3,20 Meter große Bleistift-Zeichnung.

Voriger Artikel
Giuseppe Verdi: Der letzte Übervater, ein nationales Symbol
Nächster Artikel
Auf die Haltung kommt es an - zum Tod des Regisseurs Patrice Chéreau

Bastian Muhr (32) bei der Arbeit im Festsaal der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Ab heute ist das ungewöhnliche Werk zu sehen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Alles an dem Kunstwerk ist Handarbeit.

Ein Blick in die verblichen schwarze Federtasche verrät: Das ist wirklich alles Handarbeit. Aus den unzähligen schwarzen Bleistift-Enden sticht ein unförmiger blauer Radiergummi hervor - mehr befindet sich nicht in Bastian Muhrs wohl wichtigstem Arbeitsutensil der letzten Wochen. Ebenso unentbehrlich, aber zu groß für die Mappe: der eckige Anspitzer mit Kurbel, der sich auch auf einigen Behördenschreibtischen wiederfinden dürfte. Etwa einmal in der Minute spitzt Muhr den Bleistift der Stärke 6B, pustet die Rückstände von der Mine und setzt mit ruhiger Hand seine Arbeit fort.

Seine Arbeit, das ist eine 2,50 Meter hohe und 3,20 Meter breite Zeichnung, die der Meisterschüler direkt auf der angerauten Wand des Festsaales der Hochschule für Grafik und Buchkunst entworfen hat. Sie besteht aus 400 etwa ziegelsteingroßen Rechtecken, in denen die Diagonale das wichtigste Element ist. Von dieser gehen handgezeichnete Striche ab, mal ein, mal zwei Zentimeter lang, mal rechts, mal links geneigt. Die Ausrichtung und Größe der Striche bestimmte Muhr zufällig, indem er würfelte.

Inzwischen liegen über sechs Wochen Arbeit hinter ihm, für die er sogar eine Mitarbeiterin anstellte. Beide zeichneten bis zu sechs Stunden täglich ausschließlich Striche, was Muhr von den Ausstellungspartnern den liebevollen Spitznamen "der Stricher" einbrachte. Mühselig, etwas temperamentlos, aber auch meditativ wirkt Muhrs Zeichnung, die ab heute im Rahmen der Meisterschüler-Ausstellung zu sehen ist. Destruktive Emotionen oder Probleme sich zu motivieren, waren selten: "Die Arbeit hat etwas wahnsinnig Befriedigendes, da du das Bild unter deinen Händen wachsen siehst. Klar gibt es auch Momente, wo ich denke, ich habe keinen Bock mehr, aber ich bin ein Mensch, der die Regelmäßigkeit mag, also aufstehen, arbeiten, nach Hause gehen."

Tatsächlich tritt Muhr völlig entspannt auf. Sein Bild, sagt er, überrasche ihn selbst immer wieder. Das rühre daher, dass es "viele Unterschiede in der Arbeit gibt, die durch das Anspitzen, Ausruhen und wieder Ansetzen mit mal mehr und mal weniger Kraft beim Zeichnen entstanden sind. Dadurch trägt die Zeichnung eine ganz eigene Handschrift." Auch seien durch die zufällige Anordnung ganz unvorhersehbare Muster zustandegekommen. Sie könnten an einen Irrgarten erinnern. Etwas derartiges beabsichtigt habe er aber nicht, und somit gebe es auch keinen Kerngedanken hinter dem Bild, erklärt Muhr: "Die Zeichnung hat keine Aussage, die ich formulieren könnte. Denn ich denke, wenn ich etwas Konkretes mitteilen möchte, dann lieber auf direktem Weg, das heißt, ich schreibe es auf oder sage es eben. Das Nachdenken über das Bild stellt sich bei mir im Nachhinein ein, wenn ich das Ergebnis sehe und daraus Anreize für das nächste Bild ziehe." Ganz nüchtern und uneitel legt der Meisterschüler seine Faszination für seine methodische, strukturierte Kunst dar: "Da ich mich schwer tue, Motive zu finden, habe ich mich den Systemen zugewendet. Man könnte sagen, der Inhalt meiner Werke ist die Form. Der nackte Strich interessiert mich."

Meisterschüler-Ausstellung in der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Wächterstraße 1, Eröffnung Mittwoch, 19 Uhr; bis 26. Oktober, Di-Fr 14-18 Uhr, Sa 12 bis 16 Uhr; www.bastianmuhr.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.10.2013

Melanie Schröder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2017/2018 im Schauspiel Leipzig. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr