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Der nette Revoluzzer: Paul Weller und Band spielen über zwei Stunden im Täubchenthal

Britpop-Legende Der nette Revoluzzer: Paul Weller und Band spielen über zwei Stunden im Täubchenthal

Paul Weller war schon cool, als James Callaghan noch britischer Premier war – und ist es immer noch. Musikalisch ist er auf Höhe der Zeit, ganz ohne sich ihr anzubiedern. Am Dienstagabend spielte der 59-Jährige mit seiner Band im Täubchenthal Songs aus dem neuen Album – und 40 Jahren Musikgeschichte.

Weißes Sakko, weißes Haar: Paul Weller im Täubchenthal. Schon nach wenigen Songs zog er die Jacke aus.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Energische Griffe in die Saiten, eine kraftvoll-drängende Stimme und eine klare Ansage im Täubchenthal: „I’m Where I Should Be“. Ich bin genau da, wo ich sein sollte, singt Paul Weller am Dienstagabend in den warmen vollen Saal. Und legt mit seiner Fünf-Mann-Band den Song „Nova“ vom neuen Album „A Kind Revolution“ nach. Um den Fluss des Lebens geht es darin, das Gefühl, zu klein für sich selbst zu sein, das Suchen und Sehnen, das Aufbrechen und Bleiben. Die „nette Revolution“ scheint weniger auf der Barrikade als im Inneren stattzufinden.

Musikalisch wird sie an diesem Abend ein wenig von der Technik gefressen. Der hallig-psychedelisch anmutende Sound, in den immer wieder Funk, Soul und Blues vorstoßen, fließt zuweilen breiig auseinander, was die feine Arbeit der Musiker nicht immer stehen lässt. Und sicher geht es bei Livekonzerten nicht darum, feinsten Textnuancen nachzuschmecken, verstehen lässt sich hier jedoch phasenweise kein Wort. Man hört nur, was man weiß.

Ein großer Abend ist es dennoch, mit einem Sänger, der schon cool war, als James Callaghan noch Premier war – und es immer noch ist. Musikalisch ist er auf Höhe der Zeit, ganz ohne sich ihr anzubiedern. Nur wenige Musiker schaffen es, die Zuschauer mit Songs vom aktuellen Album in Jubel zu versetzen. „The Impossible Idea“ ist so einer, Weller und Band bauen ihn zur melancholischen Hymne. Denn wie soll man die Welt verändern, wenn das schon beim eigenen Leben nicht hinhaut? Doch Weller badet keineswegs in Resignation. „The Cranes Are Back“, gespielt im zweiten der beiden umfangreichen Zugabenblöcke, feiert mit dem Kranich als Symbol für Frühling und Licht die Hoffnung. Weniger überraschend ist die Begeisterung beim folgenden „Shout To The Top“, einem der beiden Style-Council-Klassiker, die Weller und Kollegen bringen.

59 Jahre ist er inzwischen alt. Im Juli wurde er Vater seines achten Kindes. Der Mann ist in vielen Bereichen schöpferisch tätig, reüssiert auch als Modedesigner. 40 Jahre ist es her, dass er mit seiner ersten Band in die Charts schoss. Zwei Titel von The Jam, „Monday“ und „Start!“, schaffen es in das über mehr als zwei Stunden gehende Konzert, fallen musikalisch allerdings weder aus der Zeit – noch sonderlich auf.

Verschiedene Vaterschaften wurden Weller in all den Jahren angeheftet – „Godfather des Britpop“ oder „Modfather“ nante man ihn; derlei lenkt nur ab von seiner bis heute nicht versiegenden künstlerischen Kraft. Weller kuratiert nicht sein eigenes Museum, sondern drängt ausdauernd ins Neue. Was auch am Publikum abzulesen ist, das in der Mehrzahl jünger und viel jünger als der Protagonist auf der Bühne ist.

Ein gewaltiges Œuvre mit 13 Solo- und 11 Bandalben lässt sich gleichwohl nicht wegdiskutieren; keine Setlist kann da wirklich glücklich machen. Aber in den „Wild Wood“ geht es, und eines der schönsten Liebeslieder, die je geschrieben wurden, fehlt auch nicht: „You Do Some-thing To Me“ singt Weller nach einigen Technikproblemen am E-Piano. Sentimentalität wischt das funkig folgende „Woo Sé Mama“ fast zu eilig weg.

Am Ende verbeugen sich die Musiker nach einem grandiosen „Whirlpool’s End“. Gute alte Schule, gute neue Songs. Gut, dass sie da waren, genau richtig.

Von Jürgen Kleindienst

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