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Der neue Leipziger Open House Verlag startet durch

Der neue Leipziger Open House Verlag startet durch

Im Sommer 2011 sind Rainer Höltschl und Christiane Lang aus Freiburg im Breisgau nach Leipzig gezogen, um einen Verlag zu gründen. Zur Buchmesse stellt der Open House Verlag sein zweites Programm vor.

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Kam aus Freiburg nach Leipzig, um einen Verlag zu gründen: Rainer Höltschl.

Quelle: Andreas Döring

Von Janina Fleischer

Es war ein umstrittener Abend, und es war kein Zufall, dass auch Rainer Höltschl im Publikum saß, als im März im Leipziger "Horns Erben" der 3. Werner-Bräunig-Preis verliehen werden sollte. Die Autoren machten sich Hoffnungen und der Verleger innerlich Notizen. Der Preis, verbunden mit 5000 Euro Vorschuss und einer Veröffentlichung bei Aufbau, wurde am Ende nicht vergeben, Nicola Nürnberger aber hatte dennoch Glück. Denn Rainer Höltschl, auf der Suche nach Autoren für seinen neuen Verlag, sah in ihrem Roman-Auszug "Westschrippe" Potenzial.

Nun, ein Jahr später, erscheint das Buch zur Leipziger Buchmesse im Open House Verlag. Insgesamt zehn Neuerscheinungen sollen es 2013 sein, darunter Jonathan Böhms Roman "Herr Hawelka", ein Buch des aus Chile stammenden Norwegers Pedro Carmona-Alvarez, übersetzt von Matthias Jügler. Böhm und Jügler haben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig (DLL) studiert. Ebenso wie Babet Mader, deren Roman "hungrig" gemeinsam mit "EinSatz" der Freiburgerin Caroline Günthers im Herbst 2012 das erste Verlags-Programm bildete. Beide erzählen von jungen Frauen, die ihren Platz in der Arbeits- und Gefühlswelt der Erwachsenen suchen.

Rainer Höltschl und Partnerin Christiane Lang sind im Sommer 2011 aus Freiburg im Breisgau nach Leipzig gezogen, leben nun wenige Schritte vom DLL entfernt. Bücher dominieren die Wohn- und Verlagsräume im großzügigen Altbau, sie liegen auf Tischen, auf dem Sofa, neben dem Kamin..., und sie stehen in den zahlreichen Regalen. Mit einem Griff zieht Höltschl "Als wir träumten", das Roman-Debüt des Leipzigers Clemens Meyer, hervor. Es war einer der Gründe, hierher zu kommen. Zunächst auf Besuch.

Schließlich waren beide überzeugt von der kreativen Infrastruktur mit DLL, Hochschule für Grafik und Buchkunst, HTWK, Universität, all den Lesebühnen in einer Stadt, in der Menschen, die mit Literatur zu tun haben, sich früher oder später über den Weg laufen. Das Verlags-Logo zeigt eine offene Tür. Man kann auch ein aufgeschlagenes Buch darin sehen.

Höltschl, 1961 in Linz geboren, hat in Wien Literaturwissenschaften und Geschichte studiert und über Hugo von Hofmannsthal promoviert, nach seinem Umzug nach Freiburg war er an der Anfangsphase des unabhängigen Sachbuchverlag orange-press beteiligt, hat als Lektor, Autor, Übersetzer sein Geld verdient. Christiane Lang, Jahrgang 1978, kam aus Niedersachsen dazu, um ebenfalls Literaturwissenschaften und Philosophie zu studieren. Die Idee eines eigenen Verlags reifte parallel zu ihrer Magisterarbeit über Marktchancen und kulturelle Leistungen von Kleinverlagen.

"Teil unserer Geschäftsidee ist, wieder ganz altmodisch inhaltliches und wirtschaftliches Arbeiten zu verbinden", sagt Höltschl. Inzwischen sei es nämlich weit verbreitet, dass Lektoren aus den Verlagen ausgegliedert werden oder vor allem als Projektmanager arbeiten. "Leute, die Programm machen, haben mit Texten nichts mehr zu tun. Und umgekehrt." Bei ihm arbeiten Autoren in der Tradition Kurt Wolffs auch als Lektoren. "Die intensive und langfristige Zusammenarbeit mit jungen Autoren liegt uns besonders am Herzen", sagt er. "Wir versuchen, den Autoren durch eine Kombination von Honorar, Lesungen und Preisen ein einigermaßen vernünftiges Einkommen zu ermöglichen." Was natürlich sehr schwierig ist.

Open House versteht sich als Verlag für junge deutschsprachige und internationale Literatur, die sich mit den Themen der Gegenwart auseinandersetzt. Drei Reihen sollen es sein: "Reihe 1" für Belletristik, "Backup" für "vergessene oder verdrängte Größen und Außenseiter der Erzählliteratur in besonderen Ausgaben", "Seismograph" für Sachbücher, die "neue Felder von Politik, Kunst, Literatur, Medientheorie oder Geschichtsschreibung in den Blickpunkt rückt". Schwerpunkt ist derzeit "Reihe 1".

Natürlich legen Höltschl und Lang auf Inhalte Wert, achten aber auch auf eine hochwertige Ausstattung. "Ach, Sie wollen schöne Bücher machen?", wurden sie mal gefragt. Die Antwort: "Klar, aber schon auch Bücher, die man liest." Um an Buchhändler und Leser zu kommen, hat der kleine, unabhängige Verlag von Anfang an auf Buchmessen gesetzt. In Leipzig ist er nun zum ersten Mal dabei - mit eigenem Stand in Halle 5, D102.

Im März wird auch Nicola Nürnberger aus ihrem Roman "Westschrippe" (192 Seiten, 22 Euro) lesen. Die Autorin lebt seit 20 Jahren in Berlin, im Buch erzählt sie von den 80er Jahren in der hessischen Provinz, wo, wie Höltschl sagt, "der Westen besonders typisch war. Es wurde in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren viel über die letzten Jahre der DDR geschrieben, doch kaum etwas über diese Zeit in der Bundesrepublik." Der Osten habe sich nach 1990 für den Westen vor dem Mauerfall nicht mehr interessiert, "er hat ihn ja dann unmittelbar zu spüren bekommen". Es "gab aber auch einen Westen, der anders war als dieser plumpe Kapitalismus, vielfältiger, aufregender und sogar überraschend sozial, und an den man vielleicht anknüpfen kann".

 

 

Lesetermine zurLeipziger Buchmesse:

Nicola Nürnberger: "Westschrippe": 15. März, 15.30 Uhr, Leseinsel Junge Verlage: Halle 5, Stand D200; 21.30 Uhr UV, Lesung der unabhängigen Verlage. Lindenfels Westflügel-Café, Hähnelstr. 27

Babet Mader: "hungrig": 14. März, ab 18 Uhr: L3, Lange Leipziger Lesenacht. Moritzbastei, Universitätsstr. 9; 17. März 14.30 Uhr, Leseinsel Junge Verlage: Halle 5, Stand D200

Caroline Günther: "EinSatz": 16. März, 20 Uhr: Buchhandlung Kapitaldruck, Roßplatz 11

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.02.2013

Fleischer, Janina

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