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"Der schönste Sommer meines Lebens": Bachmanns "Kriegstagebuch" vorgestellt

"Der schönste Sommer meines Lebens": Bachmanns "Kriegstagebuch" vorgestellt

Pazifismus zieht sich wie ein roter Faden durch Ingeborg Bachmanns Werk. In wieder aufgetauchten Tagebucheintragungen erzählt die österreichische Dichterin von ihrer ersten Begegnung mit dem geliebten Frieden, ihren Erfahrungen mit dem Krieg und von ihrer Liebe zu einem jüdischen Besatzungssoldaten.

München. Der Bruder der 1973 in Rom gestorbenen Schriftstellerin, Heinz Bachmann, stellte das gerade erschienene Buch am Sonntagabend im Münchner Literaturhaus vor.

Das bei Suhrkamp erschienene Werk enthält Tagebucheintragungen Bachmanns und Briefe des Soldaten Jack Hamesh. „Das ist der schönste Sommer meines Lebens“, schreibt die damals 18-Jährige im Jahr 1945 in ihr „geliebtes Tagebuch“.

„Es sind nur sechs handgeschriebene DIN A 4-Blätter“, erläuterte die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander. Gemeinsam mit den Briefen des jungen Soldaten seien die Tagebuchblätter aber ein „einzigartiges Dokument“ einer tiefen Freundschaft zwischen einem Juden und Nazi-Opfer und einer jungen Österreicherin, deren Vater Wehrmachtsoffizier war und schon 1932 in die NSDAP eintrat. „Sie zeigte diese Freundschaft offen“, erinnerte sich Bachmanns Bruder Heinz. „Sie kümmerte sich nicht ums Gerede.“

Was Ingeborg Bachmann ihrem Tagebuch anvertraut hat, gewährt nicht nur einen Einblick in diese innige Freundschaft, sondern auch in die Gedankenwelt der damals 18-Jährigen. Hans Höller, der Herausgeber des „Kriegstagebuches“ stellt in seinem Nachwort Bezüge her zum Werk der mit nur 47 Jahren gestorbenen Lyrikerin. „Mit dem Wort „der schönste Frühling“ wird sie zwanzig Jahre später in ihrem Roman „Das Buch Franza“ an die Zeit der Befreiung vom Krieg im Jahr 1945 erinnern.“

Allen Gefahren zum Trotz las die junge Bachmann während des Krieges verbotene Bücher und griff immer wieder zu den Werken Thomas Manns oder Arthur Schnitzlers. „Ich habe mir fest vorgenommen, weiter zu lesen, wenn die Bomben kommen“, schreibt sie. „In den Aufzeichnungen lernen wir eine junge Frau kennen, die - anders als ihr Kärntner Umfeld - keine Narzisse werden wollte“, sagte Salamander.

dpa

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