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Destroyer überzeugen in Leipzig mit einer vielschichtigen Sonnenuntergangsmusik

Werk 2 Destroyer überzeugen in Leipzig mit einer vielschichtigen Sonnenuntergangsmusik

Seit 1996 veröffentlicht Dan Bejar Musik unter dem Namen Destroyer. Und zwar in so unsteter Besetzung, dass nahe liegt, das Ganze zum Soloprojekt zu erklären. Ganz und gar nicht solo, vielmehr sogar achtköpfig, fällt hingegen die Live-Besetzung der aktuellen Tour aus – wie am Montagabend in Halle D des Werk 2.

Im Studio gilt Destroyer vielen Fans und Musikkritikern als Soloprojekt Dan Bejars (Mitte). Live – wie hier in Halle D – handelt es sich aber definitiv um eine Band, innerhalb derer der vermeintliche Chef fast zurückhaltend wirkt.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Zeit der episch großen Konzeptalben ist vorbei. So zumeist der Konsens des vom Radiopop gebeutelten Musikjournalismus dieser Tage. Dem zum Trotz gibt es die Querköpfe, Träumer und Überzeugungstäter, mutig genug, kleine und größere Werke fernab des Mainstreams zu komponieren, aufzunehmen und letztlich auch live zu spielen. Einer von ihnen ist Daniel Bejar, Kopf der Band Destroyer, die am Montagabend ein fulminantes Konzert in der Halle D des Werk 2 spielte. Zuvor eröffnete die frisch angetretene Leipziger Band Atlas Bird mit mächtigem Alternative Rock in einem knackigen Set, das so kurz geriet, dass auf den Bruchteil einer Umbaupause bereits der Hauptact des Abends folgte.

Seit 1996 veröffentlicht Bejar Musik unter dem Namen Destroyer. Des Öfteren in so unstetiger Besetzung, dass nahe liegt, das Ganze zum Soloprojekt zu erklären. Ganz und gar nicht solo, vielmehr sogar achtköpfig, fällt hingegen die Live-Besetzung der aktuellen Tour aus. Ausgestattet mit einer gut eingespielten Rhythmussektion, Saxophon und Trompete, sind Destroyer ganze 20 Jahre nach dem ersten Album bei ihrer ganz eigenen Spielart von Soft-Rock angekommen, klingen damit also weit weniger zerstörerisch als der Bandname auf den ersten Blick vermuten lässt.

Mit einem Sound, der sich großzügig aber keinesfalls einfallslos beim frühen David Bowie und Bands wie Soft Machine bedient, darf man Destroyer, zumindest auf dem Tonträger, als eine dieser Kopfhörer-Bands bezeichnen. Bands, die liebevoll Details in ihren Sound einbetten, kleine Klanggeheimnisse verstecken und akustische Überraschungsmomente platzieren, welche sich später am besten daheim per Kopfhörer entschichten lassen.

Zurückhaltender Sprech-Sing-Sang

Begibt sich der geneigte Konzertbesucher dann doch einmal raus aus dem privaten Stereo-Dreieck, vor die Bühnen dieser Welt, muss er sein Schicksal jedoch häufig in die Hände des Tontechnikers vor Ort legen. Dieser mag es erfahrungsgemäß laut, auch da altindustrielles Gemäuer schon mal gut Klang schluckt. Mit der mittelmäßig-schaumstoffigen Drogerie-Variante eines Gehörschutzes in den Ohren klingt eine Live-Performance dann schnell, als hörte man sie durch eine verschlossene Tür. Die Halle D samt Tontechniker weiß an jenem Abend Gottseidank zu überraschen, so dass Destroyer auch live ein feinfühliges Konglomerat aus verschiedenen Klangwelten abgeben.

Zu hören gibt es eine schwere, klebrige und süße Sonnenuntergangsmusik, die in der Luft hängt wie dichter Smog. Nur Daniel Bejars dünn-nasale, aber bewusst in den Mittelpunkt gerückte Stimme schneidet diese breite Wand aus Klang. Ein zurückhaltender Sprech-Sing-Sang, monoton in Gestik und Akustik, zeichnet die sonderbare Präsenz des Kanadiers aus, so dass man sich fragen muss, wie die Führungsposition des in die Jahre gekommenen Lockenkopfs innerhalb des Bandgefüges aussehen mag. Zumindest auf der Bühne ist alles gut dirigiert und ziemlich auf den Punkt. Fans werden verwöhnt mit den Hits der letzten beiden Platten, Neuankömmlinge merken spätestens bei der Zugabe, das ist Musik, die einem Song um Song näher und näher kommt. Musik, die erst Wellen schlägt und wieder bricht. Auch mit Konventionen und alteingesessenen musikalischen Vorstellungen.

Von Stefan Kutschera

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