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Deutsch-israelische Theater-Expedition „Out of the Box“ feiert Leipzig-Premiere

Theater der Jungen Welt Deutsch-israelische Theater-Expedition „Out of the Box“ feiert Leipzig-Premiere

Am Theater der Jungen Welt hat am Freitag das Projekt „Out of the Box“ Premiere. Ein deutsch-israelisches Kooperationsprojekt, eine theatrale Erkundungsreise rund um den Begriff „Pionier“ und seine ideologische Vereinnahmung ganz unterschiedlicher Art, je nachdem ob man damit in der DDR oder in Israel konfrontiert wurde.

Sven Reese, Roey Gormezano, Winnie Karnofka, Aline Rotschild, Mor Lifshitz und Hila Tsur (im Uhrzeigersinn von links unten).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Es ist einer dieser Morgende, die einen an der Jahreszeit zweifeln und verzweifeln lassen. Kalt und grau ist es. Zumindest in Leipzig. „28 Grad“, sagt Mor Lifshitz. „Besser als gestern. Da waren es 42“, ergänzt Hila Tsur. Die Theatermacherinnen erzählen von Israel. Von dort sind sie mit ihrem Kollegen Roey Gormezano vergangenes Wochenende nach Deutschland gereist. Drei Theatermacher mit unterschiedlichem Hintergrund, die zusammen mit dem Theater der Jungen Welt am Freitag die Premiere von „Out of the Box“ zeigen werden. Ein deutsch-israelisches Kooperationsprojekt, eine theatrale Erkundungsreise rund um den Begriff „Pionier“ und seine ideologische Vereinnahmung ganz unterschiedlicher Art, je nachdem ob man damit in der DDR oder in Israel konfrontiert wurde. Neben der semantischen Expedition machen sich Schauspieler und Zuschauer auch ganz real auf den Weg rund um das Theaterhaus am Lindenauer Markt, um Orte zu entdecken.

Gestartet wurde das vom Deutsch-Israelischen Zukunftsforum, der F. C. Flick Stiftung und der Israelischen Botschaft geförderte Projekt vor rund einem Jahr. Gemeinsame Treffen in Deutschland und Israel haben „Out of the Box“ auf den Weg gebracht. „Wir haben uns zunächst sehr viel über uns und unsere Familien erzählt“, sagt TdJW-Schauspieler Sven Reese. Persönliche Geschichten und Erfahrungen als ergiebiger Steinbruch für die Stückentwicklung. „Das war kein normaler Theaterprozess“, sagt TdJW-Dramaturgin Winnie Karnofka, die als Projektleiterin die Fäden bei der Umsetzung des Stoffs in Spielszenen in der Hand hält. Letztlich soll die Vorstellung mehr bieten als herkömmliches Theater. Das Zielpublikum, 12 Jahre und älter, darf sich mit seinen Vorstellungen über Pioniere und Pioniertaten einbringen. Die Performerin Aline Rotschild wünscht sich, eine Entdeckerlust bei den Kindern und Jugendlichen zu wecken: „Sie sollen ihre Sinne schärfen und nichts für selbstverständlich hinnehmen.“ Gespannt ist das Team schon auf die unterschiedlichen Publikumsreaktionen in Leipzig und Israel.

„Wir treten als Forschungsteam auf“

Roey Gormezano, Produktionsmanager und Dramaturg am Herzliya City Theater, beschreibt das Projekt so: „Wir treten als Forschungsteam auf.“ Es gehe darum, neue Grenzen zu entdecken. Und um eine Reise in die Vergangenheit zu Pionieren, die uns bis heute inspirieren. Das legt die Basis für die Frage: „Wie kann ein Individuum in der heutigen Zeit für Wandel sorgen.“

Kulturelle Unterschiede, Sprachbarriere, persönliche Erfahrung – das macht das gemeinsame Arbeiten nicht leicht, bietet aber lebendiges Material. Mor Lifshitz ist Direktorin des Tarbut’s Ohel Theater in Afula. „Keine einfache Stadt.“ Viel Armut, wenig kulturelle Angebote. So beschreibt sie Afula. Theater ist dann nicht nur Kunst, sondern immer auch ein soziokulturelles Projekt. Und die Theatermacher leben ähnlich einem Kibbuz als Community zusammen.

Die Schauspielerin Hila Tsur lebt im Kibbuz Givat Brenner und arbeitet derzeit hauptsächlich im Kindertheater. Davor war sie im Yiddishpiel Theater, das sich als Hort des Jiddischen versteht. In „Out of the Box“ wagt sie sich an die deutsche Sprache.

„Out of the Box“, Premiere, Freitag, 18 Uhr, Theater der Jungen Welt (Lindenauer Markt 21); auch 21. Mai, 17 Uhr, und 22. Mai, 15 Uhr, Karten: 0341 4866016

Von Dimo Rieß

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