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Deutsch-israelisches Theaterprojekt feiert Premiere

Theater der Jungen Welt Deutsch-israelisches Theaterprojekt feiert Premiere

Deutsche und israelische Theatermacher spüren am Theater der Jungen Welt in „Out of the Box“ gemeinsam dem Begriff „Pionier“ nach. Ein Stück, getragen von persönlichen Erfahrungen. Konzipiert für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren. Am Freitag war Premiere des Stücks, das Freude am Entdecken und Hinterfragen weckt.

Aline Rotschild auf Entdeckerpfaden im Theaterbus des Theaters der Jungen Welt.

Quelle: Tom Schulze / TdJW

Leipzig. Der Tropenhelm auf dem Kopf. So führte die Forscherin bei der Premiere von „Out of the Box“ den aus etwa zwölfjährigen Schülern bestehenden Publikumstross aus dem Theater der Jungen Welt. „Gehen wir jetzt in den Dschungel?“, fragt ein Mädchen. Die Frage bleibt unbeantwortet, denn das Ziel ist ungewiss. Die Expedition ist ein theatraler Aufbruch um des Aufbruchs Willen. Die Inszenierung ein Stationen-Theater der Ermutigung. Am Ende werden alle Zuschauer einen glitzernden Stein in den Händen halten, ihren persönlichen „Pionier-Funken“ – als Ansporn, eigene Ideen umzusetzen und die Welt zu verändern.

Zwischen Aufbruch und Finale liegen rund eineinhalb Stunden dreisprachiges, interaktives Theater. Die deutsch-israelische Kooperation zwischen TdJW und Theatermachern vom Tarbut Project Afula, dem Kibbuz Givat Brenner und dem AlHabama Theater aus der Leipziger Partnerstadt Herzliya kreist um den Begriff „Pionier“. Und taucht dafür ein in die Erfahrungswelten der Schauspieler. Sven Reese erinnert an seinen Großvater, der den Sozialismus in der DDR verwirklichen wollte. Reese: „Der Sozialismus meines Opas ist gescheitert. Aber seinen Traum kann ich verstehen.“

Hila Tsur erzählt eine Geschichte, die sich als Biografie Orna Porats entpuppt. Eine Schauspielerin, 1924 in Köln als Irene Klein geboren, die später nach Israel auswanderte und dort ein Kindertheater gründete. Für Hila Tsur eine Pionierin.

Die sechs Spieler entfachen zunächst Aufbruchsstimmung irgendwo zwischen Bob dem Baumeister (Arbeitsanzug), Angela Merkel („Wir schaffen das“) und Martin Luther King („I have a dream“). Im brummenden Theaterbus simulieren sie Bewegung. Und das Publikum wird im Laufe der Inszenierung zwischen den kulturellen und individuellen Konzepten dessen, was ein Pionier ist, hin- und hergeschubst, vom DDR-Pionier bis zu denen, die das junge Land Israel aufbauten. Das ist nicht immer einfach für Zwölfjährige, wenn sie mit entsprechenden Begriffen konfrontiert werden. Da gibt es Längen, die Konzentration leidet mitunter. Aber der Theater-Expedition unter der Leitung von Winnie Karnofka gelingt es, die Konzentration mit Spielszenen und Musik immer wieder einzufangen.

Am Schluss beklagt Aline Rotschild mit einem Verzweiflungsschrei, dass doch längst alles entdeckt, erforscht und kartografiert wurde. Wie soll man da noch Pionier werden? Die Antwort gibt Mor Lifshitz in einem schön fokussierten Theatermoment. Sie hat sich als Kind selbst als Pionierin entdeckt. Weil sie die Angst besiegte und den Balance-Akt auf dem Schwebebalken bewältigte. Dass die anderen Kinder das auch konnten, spielte keine Rolle. Es war ihr Neuland, ihr Triumph. Eine geschickte Überleitung, um die Schüler mit Kreide bewaffnet an die Wände zu schicken, ihre eigenen Träume aufzuschreiben, sich in das Neuland zu denken, das sie betreten wollen. Zwei Chancen gibt es noch, sich vom insgesamt gut durchkomponierten „Out of the Box“-Stück inspirieren zu lassen.

TdJW, auch Samstag, 17 Uhr und Sonntag, 15 Uhr; Kartentel: 0341 4866016

Von Dimo Rieß

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