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Deutsches Fotomuseum zeigt die Ikonen von Thomas Hoepker

Schau in Markkleeberg Deutsches Fotomuseum zeigt die Ikonen von Thomas Hoepker

Fünf junge Leute genießen das Leben an der Uferpromenade. Und im Hintergrund brennen die Zwillingstürme des World Trade Centers. Dieses wie eine absurde Montage wirkende Foto des deutschen Fotografen Thomas Hoepker wurde zur Ikone. Zu sehen ist es jetzt wie viele andere Arbeiten des gebürtigen Münchners im Deutschen Fotomuseum in Markkleeberg.

Wie eine absurde Montage: Thomas Hoepkers Blick auf den Anschlag vom 11. September (Ausschnitt).

Quelle: ©Thomas Hoepker-Magnum

Markkleeberg. Im Deutschen Fotomuseum in Markkleeberg ist es das berühmteste Bild der aktuellen Sonderausstellung: Fünf junge Leute entspannen in der Sonne, der Himmel über Manhattan ist blau. Fast, denn im Hintergrund steigt schwarzer Rauch auf. Er stammt von den brennenden Zwillingstürmen. Wie so viele Ikonen der Fotografie ist auch dieses Bild ein Zufallsprodukt. Es brauchte Zeit, bis es veröffentlich werden konnte – und das Glück seiner Wiederentdeckung.

Der Fotograf Thomas Hoepker hat an diesem 11. September 2001 von den Anschlägen erfahren, versucht nach Manhattan zu kommen, doch alle Zuwege sind dicht. In Williamsburg fährt er die Uferpromenade ab, aus dem Auto macht er die Aufnahme. „Ich habe genau drei Bilder gemacht davon, bin aber weiter gefahren, weil ich dachte, das ist es nicht, ich habe das gar nicht geschafft, ich war ein Versager als Reporter“, erzählt Hoepker später. Das Bild landet in der Kiste „C“, der mit dem Ausschuss.

Da würde es wohl jetzt noch liegen, hätte nicht Kurator Ulrich Pohlmann vom Münchner Stadtmuseum für die Vorbereitung einer Ausstellung Jahre später in die Kiste gegriffen. „Hör mal, das ist ja ein Wahnsinnsbild“, habe der laut Hoepker gesagt. Und Pohlmann hatte Recht. Der unheimliche, fast gespenstische Kontrast zwischen Idyll und Grauen nimmt sofort gefangen – und reicht wie so viele Bilder des 1936 in München geborenen Fotografen über den Moment seiner Entstehung hinaus. Denn in genau dieser absurden Spannung zwischen Schreckensnachricht auf der einen und der ganz normalen Fortsetzung seines eigenen Lebens befindet er sich heute fast andauernd: der moderne, per Liveticker mit der Welt verbundene Mensch.

Unter dem Titel „Amerika“ sind die Fotos von Thomas Hoepker bis 3. Januar im Deutschen Fotomuseum zu sehen. Der Deutsche ist einer aus der Generation der „Macher“, aus der Zeit, als sich Regisseure „Filme-“ oder „Theatermacher“ nannten. „Ich bin kein Künstler. Ich bin ein Bilderfabrikant“, sagte Hoepker mal über seine Arbeit. Und: „Das wichtigste Werkzeug eines Fotografen sind die Füße.“ Die Hoepker immer wieder vom Hauptweg ab- und zu seinen Motiven hinführen.

Bekannt geworden mit Fotos für die Zeitschriften „Twen“ und „Kristall“ wurde Hoepker Mitte der 60er Jahre vom „Stern“ engagiert, in dessen Auftrag er 1974 nach Ost-Berlin ging. Seit 1976 lebt er fast durchgängig in New York. 1989 wird er als erster Deutscher Vollmitglied der renommierten Agentur Magnum Photos, von 2003 bis 2007 ist er ihr Präsident.

Dass bei den Aufträgen, die Hoepker nur abgearbeitet haben will, sehr wohl Kunstwerke entstanden sind, beweist die Schau in Markleeberg. Es sind Bilder, die aus der Zeit fallen, wie jenes von einem ziemlich ernst dreinblickenden Clown beim Turkey-Dinner in einem Restaurant in Reno, Nevada von 1963. Da ist, im selben Jahr fotografiert, eine alte Dame, die verkniffen und doch selbstbewusst die US-Fahne mit sich führt. Wunderbares Schwarz-Weiß-Kino ist das Foto zweier Tänzer in einer ländlichen Bar, von denen nur die Silhouetten zu erkennen sind. Einnehmend ist Hoepkers Blick für das Skurrile, Absurde, wenn etwa im Fenster über einer martialischen Monster-Bemalung ein netter älterer Herr gemütlich sein Zigarettchen raucht. Oder wenn ein stilles Örtchen im ländlichen Texas aus wettergegerbten Brettern zusammengenagelt wurde, aber stolz „Ladies Room“ oben drüber steht. Auch in der Totale bewahrt er sich diesen Blick - wie beim Ameisenheer der Badenden, das er am Strand von Coney Island 1983 aus der Luft fotografierte.

Auch Prominente wie Andy Warhol oder den jungen, kraftstrotzenden Muhammad Ali hat Hoepker begleitet, doch sein Haupt-Augenmerk gilt den Schwachen, Unterprivilegierten. Er geht hin. Zu den Leuten, die auf Stühlen vor Ruinen in East-Harlem sitzen, die das Leben im Wasserspiel am Hydranten feiern. Er fotografiert die Leiche, die vor einem Papierkorb liegt – nicht als Voyeur, sondern als einer, der Anteil nimmt. „Tote Frau in Harlem“ steht an dem Foto von 1963, das nicht zur Ikone wurde, aber doch ganz ähnlich wie das vom 11. September die Welt, in der wir leben, kommentiert.

Thomas Hoepker: Amerika – Bilder eines legendären Magnum Fotografen, Bis 3. Januar 2016 im Deutschen Fotomuseum in Markkleeberg (Raschwitzer Straße 11-13), geöffnet Di-So 13-18 Uhr

Von Jürgen Kleindienst

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