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Deutsches Kabarettarchiv will von Bernburg nach Leipzig umziehen

Deutsches Kabarettarchiv will von Bernburg nach Leipzig umziehen

Das Deutsche Kabarettarchiv (DKA) in Mainz will seine Ost-Dependance von Bernburg nach Leipzig verlegen. Allerdings lässt sich der Plan nur umsetzen, wenn Stadt und Land sich finanziell daran beteiligen.

Leipzig/Mainz. Darum werde noch gerungen, sagte der Geschäftsführer der Stiftung Deutsches Kabarettarchiv, Jürgen Kessler, am Mittwoch.

So hätte sich der Bund bereit erklärt die Umzugskosten von 30.000 Euro komplett und die laufenden Kosten ab 2011 mit einer 70-prozentigen Kostenübernahme zu finanzieren. Letzteres jedoch nur unter der Voraussetzung, dass die Stadt Leipzig und das Land Sachsen die restlichen 30 Prozent zahlen.

Im frisch sanierten Kretschmannshof (Katharinenstraße 17), der ab Herbst 2010 auch der Leipziger Pfeffermühle als Spielstätte dient, sollen etwa Nachlässe von DDR-Humoristen und Material über Kabarett in der ostdeutschen Diktatur gesammelt und Ausstellungen gezeigt werden. Vor allem Schüler und Studenten will das Archiv anlocken und informieren. Die Leitung des Leipziger Standorts soll Dr. Jürgen Klammer, langjähriger Projektbeauftragter des DKA für die Dokumentation der Geschichte des Kabaretts der DDR, übernehmen.

In der Messestadt wolle man noch unerschlossene Teile der Ost-Kabarett-Historie - etwa der Berufshumor im Rundfunk der DDR mit Heinz Quermann und Co. - erforschen. Zudem ist ein „Walk of Fame der Satire“ geplant, auf dem etwa Erich Weinert, Lene Voigt, Hans Reimann und Jürgen Hardt („Sing, mei Sachse sing“) mit einem Stern geehrt werden sollen.

Leipzig sei als Kabaretthochburg ein optimales Domizil, erklärte Kessler. „Sie ist mit der Lachmesse, den vielen Kabarett-Bühnen und einer Off-Szene heute eine sehr wichtige Kabarett-Stadt, aber es gibt hier auch eine lange Tradition und eine interessante Vorkriegs- und Nachkriegs-Kabarett- Geschichte.“, begündet Klammer das Vorhaben.

Namhafte Leipziger Kabarettisten und Satiriker befürworten den Umzug. In einer gemeinsam unterzeichneten Erklärung bitten sie Oberbürgermeister Burkhardt Jung und Kulturbürgermeister Michael Faber, das Projekt zu unterstützen.

1921 eröffnete der Leipziger Schriftsteller und Satiriker Hans Reimann in der Pfaffendorfer Straße 4 die erste Leipziger Kleinkunstbühne „Retorte“. Autoren wie Erich Kästner, Walter Mehring, Joachim Ringelnatz und Erich Weinert prägten hier die frühen Jahre. 1945 nahm das „Literarische Cabaret“ (später "Rampe") als zweites deutsches Nachkriegskabarett in Leipzig den Spielbetrieb auf. Die 1954 gegründete Pfeffermühle und die seit den 1960er Jahren zunächst als Studentenkabarett aktiven academixer haben Kabarettgeschichte geschrieben. Später etablierten sich aus der Amateurszene bekannte Ensembles wie Funzel, Sanftwut und Gohglmohsch.

Annett Riedel/dpa

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