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„Deutschland genießt großes Vertrauen“ - Deutsche-Welle-Intendant im LVZ-Interview

„Deutschland genießt großes Vertrauen“ - Deutsche-Welle-Intendant im LVZ-Interview

1953 ging die Deutsche Welle auf Sendung, mit dem Auftrag, Deutschland im Ausland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich zu machen.

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Zur Person: Erik Bettermann

Erik Bettermann, Intendant der Deutschen Welle (Archivfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Heute produziert die Deutsche Welle (DW) Programme in 30 Sprachen und steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Peter Korfmacher sprach darüber mit Erik Bettermann, 1944 in Lindenthal bei Leipzig geboren und seit 2001 DW-Intendant.

Frage: Die Revolutionen in Nordafrika wurden vor allem durch soziale Netze befördert, nicht durch traditionelle Medien. Ist das der Grund dafür, dass die Deutsche Welle im April beschlossen hat, sich im Wesentlichen von ihren Radioprogrammen zu verabschieden?

Erik Bettermann: Nein, das wird oft falsch dargestellt. Die Deutsche Welle verabschiedet sich nicht vom Radio.

Sondern?

Zum Jahresende stellen wir in Europa und Asien Programme auf analoger Kurzwelle ein. Weil die vielerorts niemand mehr hört. In Afrika senden wir aber weiter auf Kurzwelle. Und wir brauchen Radio-Inhalte, die wir über das Internet und Partnerstationen verbreiten.

Via Kurzwelle erreichen Sie den letzten Winkel der Welt, so weit verbreitet ist das Internet nicht ...

Wir wenden uns nicht mit allem an jeden, sondern bewusst an Eliten, Multiplikatoren. In Ägypten war zu sehen, wie beides ineinandergreift: Was auf dem Tahrir-Platz geschah, wäre ohne die sozialen Medien nicht geschehen. Und was in den sozialen Netzwerken geschehen ist, bedurfte der Information durch pluralistische Medien. Sie dürfen nicht vergessen, dass zwei Drittel der Menschheit keinen Zugang haben zu freien Medien, zu unverfälschten Informationen.

Gerade die Informationsvielfalt im Netz ist ein Problem: Woher sollen die Menschen wissen, welche Informationen verlässlich sind und unverfälscht?

Da setzt die Arbeit des Journalisten ein. Er muss der Scout sein, der die Menschen durch diese Informationsfülle leitet. In diesem Sinne arbeitet die Deutsche-Welle-Akademie: Wir trainieren jährlich rund 3000 Journalisten in aller Welt in unseren Medienstandards.

Werden die denn weltweit anerkannt, diese Standards?

Ja. Überall in der Welt werde ich immer wieder gefragt: Wie macht Ihr das? Wie habt ihr es, auch vor dem Hintergrund zweier Diktaturen und der schmerzlichen Prozesse der Wiedervereinigung, geschafft, ein funktionierendes duales Medien-System zu entwickeln, bei dem, trotz aller Reibungsverluste, Öffentlich-Rechtliche und Private sich doch ziemlich gut ergänzen – und kontrollieren? Überhaupt genießt Deutschland großes Vertrauen. Ich kann das beurteilen, denn in meinem Sendegebiet geht die Sonne wirklich nicht unter. Man tut sich hierzulande schwer mit der Internationalität. Wir saugen eher alles Fremde auf. Aber wir sind kulturell wie ökonomisch enorm erfolgreich, und auch politisch könnten wir Vorbildcharakter haben. Was Deutschland noch nicht hinreichend verinnerlicht hat, ist die Erkenntnis: Dafür muss man etwas tun.

Sie sprachen von der Wiedervereinigung. Welchen Anteil hatte die Deutsche Welle daran?

Für die DDR sendeten speziell die Kollegen vom Deutschlandfunk und Rias TV. Die Deutsche Welle leistete ihren Beitrag, dass der Eiserne Vorhang gefallen ist. Weil sie in den anderen Warschauer-Pakt-Staaten in der jeweiligen Landessprache für Aufklärung sorgte.

Sie sind ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat und mussten erleben, dass unter dem SPD-Kanzler Schröder und seinem Kultur-Staatsminister Naumann die DW-Mittel beschnitten und unter der CDU-Kanzlerin Merkel mit Neumann wieder aufgestockt wurden ...

Ja, Schröder und Naumann vertraten den Standpunkt: Wir haben ein Mediensystem, das so leistungsfähig ist, dass es reicht, ARD und ZDF durchzuschalten. Es hatte wohl auch damit zu tun, dass ich zum Intendanten gewählt wurde – in der Hoffnung, dass die Sozis dem Sozi schon nicht an die Wäsche gehen würden. Nun – bis 2004 habe ich 17 Prozent meines Etats eingebüßt. Dann kam 2005 die Große Koalition, Neumann stabilisierte den Etat, legte sogar noch zwei Millionen drauf. Allerdings bedeutet Stabilisierung bei ständig steigenden Kosten de facto auch Abbau, und die Konkurrenz ist stärker als je zuvor.

Welche Konkurrenz?

2001 gab es neben der Deutschen Welle CNN und die BBC, heute gibt es 26 internationale englischsprachige TV-Sender. China mischt mit, Russland – und wer hätte es vor zehn Jahren für möglich gehalten, dass sogar die Franzosen einen englischsprachigen Sender unterhalten. Dazu kommt das weltweit veränderte Medienverhalten im Zusammenhang mit dem Internet. Vor diesem Hintergrund sind die Veränderungen bei der Deutschen Welle zu sehen: Ich baue den Sender um, weil sich technologisch und in der Kommunikation viel verändert hat.

Wie wird sich das auf Ihre Mitarbeiter auswirken?

Derzeit hat die Deutsche Welle etwa 1000 Mitarbeiter in Berlin und 2000 in Bonn. Deren Arbeitsplätze werden sich verändern – und es werden auch welche wegfallen. Ich kann auf der E-Lok keinen Heizer mehr beschäftigen. Aber ich bin Sozialdemokrat, und darum haben wir einen ausbalancierten Sozialplan und versuchen über Job-Rotation so viel wie möglich abzufedern.

Peter Korfmacher

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