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Die Band Long Distance Calling im Interview: "Wir sind unberechenbar"

Die Band Long Distance Calling im Interview: "Wir sind unberechenbar"

Stillstand, Formeln, Erwartungen - das sind Termini, die nicht in den Kosmos von Long Distance Calling passen. Bassist Jan Hoffmann spricht im Interview über die fortwährenden Veränderungen, den neuen Sänger und, auch das, über das Alter.

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Jenseits von Zeit und Raum: Long Distance Calling, rechts Bassist Jan Hoffmann.

Quelle: Martin Grossmann

Frage: Euer neues Album "The Flood Inside" ist pressfrisch, die Rezensenten sind begeistert, auch die Charts jubilieren - kurz, ihr geht grad durch die Decke. Kneift ihr euch eigentlich jeden Tag?

Jan Hoffmann: Das könnte man meinen, ja. Zumal wir vor dem Erscheinen des Albums noch zusätzlich nervös gewesen sind, da wir zum ersten Mal mit einem festen Sänger arbeiten. Deshalb sind wir von den Reaktionen nun auch ziemlich geplättet.

Bislang galten Long Distance Calling als die instrumentale Speerspitze des deutschen Post-Rock. Verabschiedet ihr euch aus dem Genre?

Wir haben uns selbst nie in dieser Ecke gesehen - das hat sich nur ergeben, weil wir eben keinen Sänger hatten. Tatsächlich ist es aber so gewesen, dass wir nur keinen Sänger hatten, weil wir am Anfang keinen passenden Sänger fanden. Aus der Not haben wir dann eine Tugend gemacht, denn die Songs haben auch ohne Vocals funktioniert. Wir sind eine atmosphärische Rockband und sehen uns in der Tradition von Porcupine Tree oder auch Pink Floyd, nur mit einem moderneren Sound.

Bislang lief es bei euch ganz gut ohne Sänger, ihr habt auf den Alben nur ab und an einen Gastsänger eingesetzt. Warum also plötzlich ein fester Sänger?

Das hat sich einfach so ergeben, da hatten wir mal Bock drauf. Als wir angefangen haben, das neue Album zu schreiben, haben wir gemerkt, dass sich viele der Parts für Gesang eignen. Deshalb haben wir einen Sprung zurück, zu den Anfängen der Band, gemacht und versucht, doch noch einen Sänger zu finden. Wie es der Zufall wollte: Wir haben uns an Marsen Fischer erinnert, der mit uns vor zwei Jahren mit seiner Band Fear My Thoughts auf Tour gewesen ist. Bei Marsen passte alles von Anfang an.

Damit gefährdet ihr euren Exotenstatus.

Das haben wir auch diskutiert, obwohl wir uns selbst nicht als Exoten sehen. Das Fazit ist: Wir kennen eigentlich keine andere Band, die eine halbe Platte mit und eine halbe Platte ohne Vocals hat. Strange ist unsere Musik also immer noch.

Insgesamt wirkt das Album rockiger und dynamischer als die Vorgänger. Ist das der neue Weg der Soundtüftler von Long Distance Calling?

Das einzige Ziel, das wir uns beim Schreiben des Albums vorgenommen hatten, war, dynamischer zu werden. Der Vorgänger ist, für unsere Verhältnisse, ziemlich durchgeballert gewesen. Deshalb wollten wir einen Schritt zurück und zwei, drei Schritte nach links und rechts gehen. Wir wollten die Extreme - von sehr ruhig bis sehr hart - für uns neu ausloten. Beim ersten Hören wird man feststellen: Das ist ein Monster. Ja, dieses Album muss man sich erarbeiten, da gibt es einiges zu entdecken.

Ist das auch ein Ausdruck eures gewachsenen Selbstvertrauens?

Ich glaube schon. Das hört sich zwar immer doof an: Aber es gibt nunmal Bands, die machen immer die gleiche Platte, was ich nicht verdamme - aber für uns gilt das nunmal nicht. Das Coolste, was man als Alternative-Band erreichen kann, ist eine gewisse Narrenfreiheit. Dass man zwar immer eine hohe Qualität abliefert, sich dabei aber stilistisch viel offen hält.

Besteht dabei nicht die Gefahr, Fans zu verprellen?

Wir sind unberechenbar und wollen das auch weiterhin sein. Es geht darum, eigene Erwartungshaltungen genauso zu brechen wie solche von außen.

Das hört sich nicht zwingend nach einer Grundvoraussetzung für kommerziellen Erfolg an.

Jede Band muss das für sich selbst entscheiden. Wir glauben für uns, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn man sich den Arsch aufreißt, extreme Mühe gibt und authentisch ist. Wir biedern uns niemanden an, sondern versuchen immer, unser eigenes Lieblingsalbum zu machen. Auch für uns ist jede Platte absolutes Neuland. Wenn das den Leuten gefällt, ist es natürlich klasse. Wir könnten aber auch damit leben, wenn es nicht so wäre.

Könnt ihr inzwischen von der Musik leben?

Überraschenderweise hätten wir das nach dem letzten Album, das auch in den Charts gut lief, tatsächlich gekonnt. Wenn man aber wirklich von der Band leben wollte, würde das unsere Kreativität hemmen. Wir arbeiten alle - schließlich gehen wir auf die 40 zu und da braucht es auch ein bisschen finanzielle Sicherheit. Doch auch die Arbeit hat bei jedem von uns irgendwie mit der Musik zu tun.

 

 

Long Distance Calling, Vorprogramm: Solstafir und Audrey Horne, heute, 20 Uhr, Conne Island (Koburger Straße 3), Eintritt 20,50 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.03.2013

Andreas Debski

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