Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Die Comic-Band Gorillaz ist „bereit zum Sturm auf die Bühne“ – Im November sind sie in Berlin

Die Comic-Band Gorillaz ist „bereit zum Sturm auf die Bühne“ – Im November sind sie in Berlin

Die Cartoonband Gorillaz von Blur-Frontmann Damon Albarn ist eine Kreativschmiede der populären Musik. Ihre Konzerte – am 20. November auch eines in Berlin – fordern die Sinne.

London. Doch Albarn pfeift auf Erfolg, so sagt er zumindest.

Düster, grimmig und verdammt cool blicken die kantigen Leinwandhelden der Gorillaz drein. Für eine Musikgruppe, die in der virtuellen Welt lebt, hat die englische Cartoonband ganz schön viel auf dem Kasten. Mehr als 20 Millionen Platten verkaufte sie schon. Ihren Einfluss auf die Popmusiker in der Wirklichkeit verdankt sie Britpop-Pionier Damon Albarn und „Tank Girl“-Zeichner Jamie Hewlett. Die beiden 42-Jährigen verbergen sich hinter den animierten Hauptfiguren 2-D und Murdoc. Die Band lud zum Interview nach London.

Ein Baugerüst verdeckt ein unscheinbares Haus in einer Reihenhaus-Siedlung der britischen Hauptstadt. Auf dem Klingelschild steht „Zombie Flash Eaters“. Das soll nicht die Nachbarn abschrecken, sondern so heißt Hewletts Firma. Der Türöffner surrt. Vorbei an Postern von den Gorillaz und John Lennon marschiert man durch den Flurschlauch auf eine Terrasse zu. Albarns goldener Schneidezahn blitzt in der Sonne.

Wo sind 2-D und Murdoc?

Albarn: „Das ist nicht meine Baustelle, sondern Jamies. Ich mache nur die Musik (...) für sie. Ich denke, Ihnen geht’s gut. Ich mische mich da nicht ein. Jamie macht es umgekehrt auch nicht. Wir arbeiten unter dem selben Dach, unsere Leben sind untrennbar verflochten.“

Wie ist das, ein wirkliches Mitglied einer Band mit fiktionalen Figuren zu sein?

Albarn: „Ich war schon immer Mitglied von Bands mit fiktionalen Mitgliedern. Es war Jamies und meine Idee, Musik mit animierter Erzählung zu machen. Wir wollten vor gut zehn Jahren etwas schaffen, das sehr modern und auf dem neuesten Stand der Technik war und die Zukunft virtueller Figuren anpackt, eine abgehobene Wirklichkeit, die heute zu unserer Gesellschaft gehört.“

Und Sie haben damit das Musikgeschäft aufgerüttelt.

Albarn: „Definitiv. Der musikalische Denkansatz hat sich dramatisch verändert, insbesondere das Zusammenwirken von Künstlern. Was heute Standard ist, war recht ungewöhnlich, als wir es getan haben.“

Albarn: "MC Hammer hat bestimmt mehr Preise als ich"

Ihre zwei ersten Studioalben wurden mit Nominierungen überschüttet, gingen aber häufig leer aus...

Albarn: „Wir waren siebenmal für den Grammy nominiert, bekamen aber nur einen. Aber mal ehrlich: Echt bitter, wenn man seine Musik nach Grammy-Nominierungen und fassbaren Statuetten beurteilt. MC Hammer hat bestimmt mehr Preise als ich. Es geht nicht um Preise. Diese Auszeichnungskultur ist sehr ungesund.“

Ist es ein Hindernis, Ihnen Preise zu geben, weil die auszeichnenden Leute nicht wissen, wem sie die Trophäe überreichen sollen?

Albarn: „Es ist nie ausreichend objektiv. Promis werden so stark hofiert. Wenn ich Zeit und Energie in die Preisverleihungssaison stecken und dann etwas neues machen würde, wäre das uninteressanter, immer wieder die alte Leier und vorhersehbar.“

Popmusik ist doch voll von Attrappen. Sind die Gorillaz da viel anders? In welcher Welt zwischen Animationsfiguren und wirklichen Musikern lebt die Band?

Albarn: „In welcher Welt leben sie, Jamie?“

Hewlett: „Sie leben in einer Welt, in der die Konfrontation mit dem, was man tut, und mit Promis nicht notwendig ist. Sie schaffen etwas, das lächerlicher ist, als Promis es sind. Popstars schaffen für sich von Natur aus eine Figur, die sie nicht selbst sind. Wir wollten das aus dem Gleichgewicht bringen und damit auskommen, was am wichtigsten ist, nämlich die Musik.“

Albarn: „Lady Gaga kann mit diesen hochhackigen Schuhen doch nicht mal mehr Lebensmittel einkaufen gehen. Das lebt sie rund um die Uhr.“

Hewlett: „Sie ist doch an einem Punkt in ihrem Leben angelangt, wo sie nicht mehr einkaufen, wahrscheinlich nicht mal mehr auf die Toilette geht. Unsere Charaktere können solche Menschen sein. Wir kümmern uns um die Musik, die Kunst, den Film und alles andere.“

Was hilft Ihnen, die fiktionale und die reale Welt zu trennen?

Hewlett: „Da besteht eher ein kompliziertes Gleichgewicht. Fans verstehen es ganz unterschiedlich, weil so viele Ebenen verschmelzen. Die einen mögen die Musik und die Künstler, die mitmachen. Aber es gibt ein Riesenpublikum, das recht viel in Figuren, Videos und darin investiert, was auf der Website passiert.“

In welchem Zustand kommt man auf so eine komplexe Idee?

Hewlett: „Als wir jünger waren, war es eine ganz andere Erfahrung als Fan einer Band. Ich bin mit The Clash und The Specials groß geworden, als die Musik was zu sagen hatte und das einem wichtig war. Die Industrie hat sich so stark verändert: ein sehr großer Anteil sind heute Fake-Figuren und -Musik, von anderen für andere geschrieben. Das war wohl der Katalysator für die Geburt der Gorillaz. Bilder und Musik sind füreinander gemacht. Die Live-Auftritte sind zwar komplex, aber wir brauchen Herausforderungen. Daran arbeiten wir jeden Tag. Es wird nie ganz komplett sein.“

"Es ist wohl schon jetzt wie keine Show auf der Welt"

Wie erarbeiten Sie dieses Konzeptkonzert, bei dem das Auge „hört“?

Hewlett: „Das Londoner Konzert schusterten wir in relativ kurzer Zeit zusammen und schlugen uns ziemlich gut. Damit das Optische funktioniert, muss die Band zu einem Klick spielen, was für die Figuren nicht immer geeignet ist, weil sie sich nicht immer zu einem Klick bewegen wollen. Meine Arbeit ist noch nicht fertig.“

Albarn: „Zwischen dem optischen Material und der Band besteht eine Spannung. Die Herausforderung ist, die perfekte Harmonie zwischen beiden herzustellen. Es ist wohl schon jetzt wie keine Show auf der Welt und wird es noch mehr werden. Wir sind bereit für den nächsten Schritt.“

Was planen Sie für das Konzert am 21. November in Berlin?

Albarn: „Das Zusammenspiel zwischen Band und den Animationsfiguren wird in Berlin stärker sein. Wir wollen unsere Ideen verwirklichen. Die Figuren sind dann bereit zum Sturm auf die Bühne.“

Wie kam die eher exotische Zusammenarbeit mit dem Syrischen Nationalorchester auf dem neuen Album „Plastic Beach“ zustande?

Albarn: „Arabische Musik interessiert mich sehr, und einer meiner Freunde ist Syrer. Das entwickelte sich über die Jahre, nachdem ich in Marokko und Algerien Platten aufnahm. Ich wollte in ein Land gehen, dem durch amerikanische imperialistische Steuerung ein großer Schatten übergeworfen wurde. Ist Syrien exotisch? Wenn man sich als Satellit betrachtet, bedeutet es nicht, man hat die Erde verlassen, sondern nur seine Koordinaten geändert. Fantasie ist der Schlüssel.“

Die Gorillaz spielen am 21. November live im Berliner Velodrom.

Internet: http://www.gorillaz.de

Sebastian Döring, dpa / hog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Beim Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig kann nun über die zwölf Kalendermotive abgestimmt werden. Das Voting endet am 31. August 2017. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Die deutsche Kleingärtnerbewegung hat eine über 200-jährige wechselvolle Geschichte, die im Deutschen Kleingärtnermuseum weltweit einzigartig dokumentiert ist. Zur Schau des Monats! mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr