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"Die Distillery setzt den Maßstab": Sven Tasnadi über Leipzig, den DJ-Beruf und seine neue Platte

"Die Distillery setzt den Maßstab": Sven Tasnadi über Leipzig, den DJ-Beruf und seine neue Platte

Der Leipziger DJ Sven Tasnadi, 36, zählt längst zu den Größen der europäischen Clubkultur. Daher ist zwar naheliegend, aber nicht selbstverständlich, dass sein zweites Album "All In" heute beim Leipziger Vorzeige-Label Moon Harbour erscheint.

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Sven Tasnadi, 36.

Quelle: Johannes Amm

Die Party zum Doppelvinyl folgt am Samstag in der Distillery.

Auf Moon Harbour veröffentlichen bei weitem nicht nur Leipziger Künstler. Was bedeutet es Ihnen als Leipziger, dort eine Platte herauszubringen?

Die Nähe ist ein großer Vorteil. Ich habe auch auf anderen Labels veröffentlicht, deren Sitz zum Teil außerhalb Deutschlands liegt. Da ist es oft schwierig, persönliche Beziehungen aufzubauen. Hier kann ich dagegen ins Moon-Harbour-Büro radeln und besprechen, was anliegt.

Und vom Herzen her?

Natürlich. Die Verbindung ist ja schon vor fast zehn Jahren entstanden - über Daniel Stefanik, der ein guter Freund von mir ist. Zusammen haben wir die "Borderline"-EP in der Cargo Edition, dem kleineren Label von Moon Harbour, veröffentlicht, und so kam auch die Verbindung zu den Label-Betreibern Matthias Tanzmann und André Quaas zustande.

Wie ist es für Sie nach Auftritten in London, Berlin, Frankfurt oder Barcelona, am Samstag mal wieder zu Hause in der Distillery die Regler zu drehen?

Das ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Mit vielen Freunden um sich herum macht die Arbeit noch mehr Spaß. Zu meinem vorletzten Geburtstag waren sogar meine Eltern und Geschwister da.

Bemerken Sie vom Platz hinterm Pult Unterschiede zwischen den Leuten auf den Tanzflächen der Städte und Clubs?

Eine gute Party ist überall eine gute Party. Natürlich sind die Leute manchmal ausgelassener, manchmal zurückhaltender, aber es ist schwierig, das an Ländern oder Städten festzumachen. Wichtig ist, dass ein DJ versucht, auf die Stimmung einzugehen: mal energetischer zu spielen, anderswo vielleicht melodiöser.

Wie schneidet Leipzig ab?

Ich habe hier meine intensivsten Momente erlebt, sowohl am Pult als auch bei anderen DJs: totaler Ausnahmezustand, maximum Level. Die Distillery setzt da für mich den Maßstab, den ich am liebsten bei jedem Auftritt erreichen würde.

Leipzig gilt als Hochburg des Deep­house, auch Sie werden dem Genre zugerechnet. Fühlen Sie sich in der Schublade wohl oder ist sie Ihnen zu eng?

Ich verstehe überhaupt nicht, woher das kommt. Gerade hat mich das Online-Magazin "Clubbing Spain" gefragt, warum so viele Deephouse-Labels aus Ostdeutschland stammen. Ich habe dem jedoch widersprochen. Natürlich hat Moon Harbour mit Deep­house angefangen. Aber auf die ganze Stadt bezogen ist das doch eine sehr einengende Sicht. Als würde man alle Leipziger Kunst allein auf Neo Rauch beziehen. Oder auf Michael Fischer-Art. Ich selbst mache zwar teilweise sehr ruhige Musik. Aber gerade meine Sachen auf Labels wie Cocoon gehen eher in Richtung Techno.

Was steht am Anfang eines neuen Tracks - eine Soundidee, ein Beat, ein Sample?

Die besten Ideen entstehen durch Rumspielereien. Man probiert neue Funktionen eines Geräts aus und denkt auf einmal: Hey, das klingt ja geil. Meistens kommt dann schnell eines zum anderen - obwohl man in dem Moment eigentlich gar keine Musik machen wollte.

Und wie kommen die Stücke zu Namen wie "Sleeping Dogs" oder "This Girl"?

Das ist unterschiedlich. Manchmal einfach, weil ich die Musik abspeichere und irgendwie nennen muss. Aber manchmal gibt's auch eine Geschichte. "Sleeping Dogs" bezieht sich auf das Sprichwort, und da war wohl wieder irgendwas in meinem Leben, als das Stück entstand. In "This Girl" erzähle ich mit verfremdeter Stimmer eine Geschichte von einem Abend, der mir viel bedeutet hat.

Warum heißt das Album "All In"?

Zum einen steckt alles drin, das für mich in ein Clubalbum gehört: ruhigere Stücke für ein Warm-Up und Titel, die vorwärtsgehen, für die Hauptzeit. Zum anderen bezieht sich "All In" auf Leipzig. Für mich beinhaltet die Stadt alles, was ich brauche. Nicht zu groß, nicht zu klein - perfekt. Selbst der Flughafen, über den ich lange gelächelt habe: Wenn man öfter anderswo eine Stunde im Security-Check hängt, schätzt man die Übersichtlichkeit. Klar ist er etwas provinziell, aber das hat seinen Reiz. Man kommt schnell hin und schnell weg.

In den Clubs ist Ihre Arbeitszeit vor allem nachts. Auch, wenn Sie im Studio basteln?

Nein, das funktioniert bei mir überhaupt nicht. Je später es wird, je mehr ich innerlich runterfahre, desto ruhiger wird meine Musik. Nachts würde wahrscheinlich nur ruhiges Chillout-Zeug rauskommen. Tagsüber habe ich die meiste Energie, meine Stücke entstehen fast immer zwischen 12 und 21 Uhr. Ich bin fast täglich in meinem Studio und arbeite konstant an Ideen.

Begreifen Ihre Eltern, was Ihr Beruf ist?

Ich mach das jetzt seit 20 Jahren, mittlerweile haben sie es mitbekommen. Natürlich haben sie es zuerst als Hobby angesehen, war's ja für mich selber auch. Erst nach Jahren hat sich der Wunsch entwickelt, davon leben zu können. Da kommen die Eltern ins Spiel und sagen: Von der Kunst leben, ist 'ne Kunst. Willst du nicht lieber das und jenes machen? Aber nun läuft's ja ganz gut, und sie sehen, dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen kann und dass es mir sehr gut geht. Da sind sie einfach glücklich, dass ich glücklich bin.

Hören Sie auch andere als elektronische Musik?

Nicht intensiv, aber ich versuche, dran zu bleiben. Bei Spotify lasse ich freitags die Playlist "New Music Friday" laufen. So komme ich auf neue Sachen, die ich nicht suche, sondern die mich finden. In den 90ern konnte ich nichts mit Hiphop anfangen. Den entdecke ich jetzt für mich: Ich gehe quasi die Entwicklung von manch anderem rückwärts. Ich hör auch viel Elektronica: Boards of Canada, Aphex Twin - die Klassiker. In klassische Musik versuche ich mich reinzuhören. Da gibt's schöne Compilations mit einfachen und seichten Sachen. Dasselbe gilt für Jazz.

Beeinflusst das Ihre eigene Musik?

Neue Einflüsse sind extrem wichtig, um interessant zu bleiben. Für andere, aber auch für sich selbst. Daher arbeite ich zurzeit an einem Hiphop-Projekt, einfach, um den Kopf frei zu kriegen. Wenn man eine bestimmte Richtung produziert und nur diese anhört, dann wiederholt man sich irgendwann. Ich halte zum Beispiel Ricardo Villalobos für einen total spannenden Musiker. Das Rätsel, wie er auf seine Ideen kommt, löst sich aber recht schnell, wenn man die Musik hört, die ihn beeinflusst. Niemand erfindet das Rad neu.

Moon Harbour veröffentlicht "All In" als Doppel-LP und Download. Am Samstag legt Sven Tasnadi ab 23.30 Uhr in der Distillery (Kurt-Eisner-Straße 108a) auf, weitere DJs: Dan Drastic, Juno6, Wilhelm; www.moonharbour.com

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.05.2015
Mathias Wöbking

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