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Die Falschmünzer des Ostens - Geldfälscher in der früheren DDR

Die Falschmünzer des Ostens - Geldfälscher in der früheren DDR

Der größte Geldfälscher der kleinen Republik wohnte quasi gleich um die Ecke. Von Döbern bei Delitzsch war Albrecht Hiltja*, nachdem er seine Frau mit einem Knecht im Bett erwischt hatte, 1946 zunächst als Musiker über die Dörfer getingelt und ein Jahr später in Niemegk bei Bitterfeld bei der nächsten Frau eingezogen.

Leipzig. Beide Orte sind längst weggebaggert. Nichts erinnert mehr daran, dass dort, wo sich heute der Große Goitzschesee ausbreitet, in den 50er-Jahren die weitaus effektivste Geldfälscherwerkstatt des jungen Arbeiter- und Bauernstaates befand. "Von der Viertelmillion Mark Falschgeld, die über 40 Jahre in der DDR zusammenkamen, stammten vier Fünftel aus der Druckerpresse von Hiltja", sagt Historiker Leisering. Ganze Scharen von Kriminalisten, Bankexperten und Funktionären der Handelsorganisation (HO) jagten den König der Ostgeld-Fälscher.

Der gelernte Konditor hatte nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschft zunächst Kupons auf Geldscheinen gefälscht, bevor er sich eine Druckmaschine besorgte und sich nach der Währungsreform auf die neuen 20-DM-Scheine spezialisierte. Seine täuschend echten Falsifikate füllten bald mehrere Koffer. Mit etwa demselben Elan brachte er seine Blüten unters Volk, tauschte sie beim Kauf von Kleinigkeiten in Delitzsch, Halle und Bitterfeld, vor allem aber in Leipzig gegen echtes Geld ein. Falschgeldjäger waren dem Fälscher monatelang erfolglos auf der Spur.

Am Nachmittag des 25. September 1952 schließlich flog der abgebrühteste Geldfälscher der DDR auf, als er in der Kosmetikabteilung des HO-Warenhauses I in der Leipziger Petersstraße, dem heutigen Karstadt-Kaufhaus, ein Stück Seife bezahlen wollte. "Die Verkäuferin, Helga Witterich, sah kurz auf die Banknote und hielt inne - irgendetwas stimmte nicht. Die Messe war vorbei, aber diese Banknote schien falsch zu sein." Der Fälscher Hiltja wurde vom Betriebsschutz kassiert. Er hatte nicht mehr damit gerechnet, jemals aufzufliegen.

Solche und ähnliche Episoden von guten und misslungenen Fälschungen hat Leisering, der selbst Münzen sammelt, bei Archivstudien aufgestöbert. Dazu gehört auch die eines Leipziger Schülers, der kein Taschengeld bekam und einen 100-DM-Schein nachzeichnete, um sich eine Klarinette kaufen zu können. Er flog ebenso auf wie die Trickser in Sachsen und Thüringen, die aus echten Geldnoten je ein Viertel heraustrennten, um daraus neue Scheine zusammenzukleben. Kurios auch der Fall eines sächsischen Unternehmers, der für einen Kaufmannsladen Spielgeld druckte und dafür vor Gericht landete.

Beeindruckt hat den Historiker neben den spannenden Geschichten über die kleinen und großen Fische im Fälschermilieu auch "der enorme zeitliche und personelle Aufwand, um den Ganoven das Handwerk zu legen. Das wäre bei der heutigen Kriminalität und der Personalnot der Polizei heute gar nicht mehr denkbar", befürchtet er. Das war nur ein Grund, warum in über 40 Jahren DDR relativ wenig Blüten auftauchten. Leisering berichtet von nachweisbar 12 320 falschen Banknoten sowie 366 unechten Münzen im Gesamtwert von lediglich 252 500 Mark. Bei den Fälschern habe auch die "Lust am Experimentieren und Verbotenen" eine Rolle gespielt. "Es gab im Unterschied zu heute keine organisierte Kriminalität", so der 60-Jährige, der einst an der Humboldt-Uni lehrte. Die Hochburgen der Sonntags- und Freizeitfälscher waren Berlin, Leipzig und Dresden.

Der Reiz des Verbotenen trieb auch Münzfälscher an. In Automaten landeten nicht nur Unterlegscheiben und polnische Zlotys, sondern auch selbstgegossene Fünf-Mark-Münzen. "Die simple Trickserei war wohl ein Grund dafür, dass das Automatengewerbe in der DDR nicht vorankam", vermutet Leisering.

*Name geändert

Buchtipp: "Falschgeld in der DDR" von Peter Leisering, Verlag Das Neue Berlin, 288 Seiten, Preis 16,99 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.02.2014

Winfried Mahr

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