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Die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig vertont ihre Sammlungsausstellung

Audio-Projekt Die Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig vertont ihre Sammlungsausstellung

In gleichmäßigen Abständen kleben Künstlernamen an den Wänden, alphabetisch geordnet von Franz Ackermann bis Moira Zoitl. Insgesamt sind es 149.Ihre Arbeitsweise sollten die Beteiligten in zwei Minuten erklären. Der Natur des Künstlerdaseins entsprechend fällt das ausgesprochen unterschiedlich aus.

Karin Sander: zeigen. Eine Audiotour durch die Sammlung der GFZK Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es wäre nicht die erste Vernissage, bei der ein leerer Raum gezeigt wird. Doch so völlig leer ist er dann doch nicht. In gleichmäßigen Abständen kleben Künstlernamen an den Wänden, alphabetisch geordnet von Franz Ackermann bis Moira Zoitl. Insgesamt sind es 149. So viele haben bei Karin Sanders Projekt „Zeigen“ mitgebracht, für das sie alle noch lebenden Künstler, von denen sich Werke im Bestand der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) befinden, angeschrieben hat. Das ist eine beachtliche Rücklaufrate. Sander hat diese Aktion schon in anderen Museen durchgeführt. Sie ist aber keine Kuratorin, wie sogar einige der Angesprochenen glaubten, sondern selbst Konzeptkünstlerin.

Ihre Arbeitsweise sollten die Beteiligten in zwei Minuten erklären. Der Natur des Künstlerdaseins entsprechend fällt das ausgesprochen unterschiedlich aus. Sachliche Erläuterungen sind eine Seltenheit. Der über hundertjährige Karl Otto Götz bemüht sich darum, am Kaffeetisch mit seiner Frau Streuselkuchen essend. Auch die Darstellung von Katharina Immekus über ihr Verhältnis zur Popmusik kann man noch unter die Rubrik Erklärung fassen. Viele andere aber haben Soundcollagen mit jeder Menge Spieltrieb produziert, manchmal auch Musik. Texte sind zuweilen poetisch gefasst, häufiger dadaistisch. Eberhard Havekosts „Soundtrack for Painting“ kommt ganz ohne Ton aus. Darf man das als Verweis auf die Verschiedenheit der Medien deuten? Jonathan Meese bedient sich des Zeitraffers, um möglichst viel von seinem stereotypen Redeschwall in die begrenzte Zeit zu packen. Und Sylvie Fleury bietet eine „Guided Tour“ an: Man hört Highheels auf Parkett klappern.

Interessant ist, dass viele Besucher beim Zuhören auf die Wände blicken, auch wenn da eigentlich nichts zu sehen ist. Doch es scheint bei der virtuellen Visualisierung zu helfen. Um Karin Sanders „Zeigen“ komplett zu erfassen, braucht man Zeit. Nicht alle Beteiligten haben sich streng an die zwei Minuten gehalten. Also benötigt man an die fünf Stunden. Klappstühlchen stellt die Galerie bereit, einen bequem sitzenden Kopfhörer sollte man besser selbst mitbringen.

Auch wenn das Projekt zeitgleich mit der umgestalteten Sammlungsausstellung startet, scheint es ein Gegenentwurf zu sein. Hier sieht man nur Werke, die Beschilderung fehlt. Das kann man, besonders bei Besuchen in der Kleingruppe, eventuell zur Aufwertung der eigenen intellektuellen Reputation durch kennerhafte Einwürfe nutzen. Oder man verzichtet einfach auf Name und Titel, lässt allein die Arbeit auf sich wirken.

Die schon im Vorjahr gestartete Präsentation aus dem Fundus wurde nicht komplett, sondern nur partiell neu gehängt bzw. gestellt. Der Titel „The Present Order“ verweist auf eine Arbeit von Ian Hamilton Finlay, bei der die drei Worte des Begriffs dreimal anders angeordnet gelesen werden können, sich damit jeweils verschiedene Bedeutungen ergeben. Dieser semantischen Drift folgt die Ausstellung.

Nicht neu, aber neu bestückt ist das Kabinett des Vereins Griffelkunst. Die Auswahl konnte diesmal der Leipziger Galerist Jochen Hempel treffen. Im Kontrast zum Namen Griffelkunst ist überraschend viel Fotografie zu sehen. Die Vorstellung von Auflagengrafik verändert sich augenscheinlich.

Eine andere Neuerung ist das Kabinett von Arturas Raila. Auf drei Leinwänden konstruiert der Litauer die Abenteuer eines Kulturtouristen mit dem bezeichnenden Namen Cutout in Stockholm, der in eine Auseinandersetzung zwischen Linksalternativen und Polizei gerät. Hier wird ein Libretto mitgeliefert, der die sparsam gezeichneten Animationen in den Rang eines Dramas klassischer Konstellation erhebt. Text und Bild finden zueinander. Eine Versöhnung trotz konfliktgeladenen Themas.

Karin Sander „Zeigen“ und „The Present Order 2“: Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, Karl-Tauchnitz-Str. 9–11; bis 14. Januar 2018, geöffnet Di–Fr 14-19 Uhr, Sa–So 12–18 Uhr

Jens Kassner

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