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Die Gespenster sind los: Der Rundgang in der Spinnerei steht im Zeichen von Neo Rauch

Die Gespenster sind los: Der Rundgang in der Spinnerei steht im Zeichen von Neo Rauch

Im Zeichen von Neo Rauch, der in der Galerie Eigen+Art seine "Gespenster" freilässt, steht der Herbstrundgang der Spinnereigalerien an diesem Wochenende. Auch rundum ist wieder Kunst im Überfluss zu erleben.

Er schlafe nun wieder besser, sagt Neo Rauch. Die Bilder, die bis vor wenigen Tagen in seinem Atelier standen, hätten ihn in die Nacht verfolgt. Jetzt hängen sie an den Wänden seiner Galerie Eigen+Art: die "Gespenster". So ist die erste Spinnereiausstellung des Leipzigers seit 2006 überschrieben. 20 Werke sind von ihm zu sehen, alle entstanden in den vergangenen eineinhalb Jahren, bei einigen ist die Farbe gerade erst getrocknet.

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Leipzig. Er schlafe nun wieder besser, sagt Neo Rauch. Die Bilder, die bis vor wenigen Tagen in seinem Atelier standen, hätten ihn in die Nacht verfolgt. Jetzt hängen sie an den Wänden seiner Galerie Eigen+Art: die "Gespenster". 20 Werke sind von Rauch zu sehen, aber auch rundum ist am Wochenende 21. und 22. September auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig-Plagwitz wieder Kunst im Überfluss zu erleben.

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Figuration, Farbe, Motive, das unheimliche Neben- und Ineinander von Idyll und Grauen - das scheint fast vertraut. Und doch wirkt es noch drängender, verschlingender, was sich in diesen neuen Bildern vollzieht. Es sind Nachtaufnahmen, ausweglose Rätselwelten, Bilder in Bildern, Geschichten in Geschichten - ohne Auflösung. "Der Landgang" etwa verschränkt drei Motive, jeweils mit ihm, dem Maler, der blau vor in Sepiatönen gehaltenen Stadt- und Figurenkonstellationen aufleuchtet. Herr der Lage ist er nicht, der Künstler, der in der linken Bildhäfte benommen im Matrosenanzug von zwei Helfern gehalten wird. Rechts oben darf er einem Elefantenartigen im Anzug als Handpuppe dienen, darunter sieht man ihn gesenkten Hauptes durch eine dieser elegant-verwaschenen Stadtkulissen ziehen, in denen an jeder Straßenecke ein Schrecken warten könnte. Neo Rauch hat etwas aus sich herausgemalt, die Gespenster sind frei, kaum möglich, sie wieder zu bannen.

Unterwegs in der Spinnerei sind derzeit viele vornehmlich jüngere Menschen mit Handys am Ohr, im Café "Versorgung" wird die Minestrone mit britischem Akzent bestellt, und in der Werkschauhalle 12, in der sich zum Rundgang ingesamt 14 internationale Galerien präsentieren, ist das Gewirr der Sprachen und Stile dann komplett. Jede der Spinnereigalerien hat sich einen Gast geladen. Queen Anne zum Beispiel hat Besuch aus Berlin, von der Zhong Gallery, die auch in Peking ein Standbein hat und eine Installation sowie eigene Werke der Brüder Chen Yufan und Chen Yujun zeigt. Sie waren aus Südostasien eingewandert, bauen sich hier gewissermaßen ihre eigene begehbare Umzugskiste voller Erinnerungen und Relikte, haben außerdem zwei eigene Arbeiten ausgestellt.

Neues gibt es natürlich in allen Galerien der Spinnerei zu sehen. ASPN etwa zeigt Jochen Plogsties. Seine Methode, Reproduktionen von Meisterwerken in Malerei zurück zu übertragen, hat er zwar beibehalten, zeigt sich aber deutlich offener, verspielter. Im wahrsten wie im übertragenen Wortsinne Bissiges ist in Halle 14 zu erwarten, wo "The politics and pleasures of food" in einer internationalen Gruppenausstellung seziert werden. Die Botschaft: Essen ist politisch. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die Nahrungsmittelindustrie. Das Leipzig International Art Programme präsentiert zeitgenössische Kunst aus Russland.

Auch rundum ist Überfluss Programm. Los geht es traditionell im Tapetenwerk wo heute von 17-24 Uhr zum "Tapetenwerkfest 14.0" mit neuen Ausstellungen, offenen Ateliers, Musik, Essen und Trinken geladen wird. "Tilde" heißt die Schau mit Arbeiten sechs junger Künstlerinnen zum Thema "Anwesenheit der Abwesenheit". Die Ausstellung ist heute (14-18, sowie Sa, So 10-18 Uhr) in der Klingervilla (Karl-Heine-Straße 2) zu sehen.

"OHNE TITEL - abstrakt konkret konstruktiv" geht es Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr in der Kunsthalle der Sparkasse (Otto-Schill-Straße 4a) zu. Gezeigt werden unter anderem Arbeiten von Sven Braun, Uwe Kowski, Olaf Nicolai, Ricarda Roggan und David Schnell.

iRundgang in der Spinnerei (Spinnereistraße 7): Sa 11-21, So 11-18 Uhr; neue Ausstellungen im Tapetenwerk: heute 17-24 Uhr (Tapetenwerkfest), Sa 11-19, So 11-17 Uhr

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.09.2013

Jürgen Kleindienst

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