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Die Götter lachen sich krumm: Sarah Lesch dreht bei Heimspiel in Leipzig groß auf

Liedermacherin macht im Werk 2 Station Die Götter lachen sich krumm: Sarah Lesch dreht bei Heimspiel in Leipzig groß auf

Sarah Lesch ist unterwegs – doch am Freitag Abend war sie wieder zuhause. Die Leipzigerin, die mit dem Protestsong „Testament“ den Durchbruch in die erste Liga der deutschen Liedermacher schaffte, machte Tour-Station im Werk 2. Ein berauschender Abend voller Gefühle – für den Kater danach gibt’s ne Entschuldigung.

Sie ist zurzeit auf Tournee und machte am Freitag Abend Station im Werk 2: Die Wahl-Leipzigerin Sarah Lesch genoss ihr Heimspiel. Tolle Begleitung: Lukas Meister (l.) und Benni Benson (r.)Foto: Olaf Majer

Leipzig. Einer ist immer der Matrose und lässt den anderen zurück: Sarah Lesch ist vor einem Monat in See gestochen und segelt seitdem mit „Musen und Matrosen“ erfolgreich durch Deutschland. Am Freitag kreuzt sie wieder im vertrauten Hafen auf: In Leipzig, wo die gebürtige Altenburgerin inzwischen in Plagwitz lebt. Gut, die „Matrosen“ lässt sie im ausverkauften Werk 2 als eines der wenigen Lieder diesmal nicht vom Stapel. Dennoch wird es ein grandioses Heimspiel. Das liegt auch an ihren Musikerkollegen: Benni Benson bringt als Opener die Leipziger rasch auf Betriebstemperatur. Und Lukas Meister, der neben seinem wunderbaren Gitarrenspiel mit einer wahnwitzigen Schafsgeschichte die Halle zum Tränenlachen bringt.

Flüchtlingspolitik: Aufschrei gegen Absurdistan

„Wir ham richtig Bock heute Abend mit euch zu feiern und zu singen“, schrieb Sarah Lesch noch am Morgen auf ihrer Facebook-Seite. Ein Grund: Das neue Album „Draußen“ steht kurz vor der Fertigstellung. Sogar einen kleinen Appetithappen soll es zur Feier des Tages vor heimischer Kulisse geben. Kein Zweifel also, wo die Reise an diesem Abend in Leipzig hingeht. Die Segel sind gesetzt, die Kajüte gut gefüllt mit Getränken und die Leipziger lassen sich gern entern.

Dabei sah es vor einigen Tagen noch gar nicht nach Feiern und Singen aus: Ein „fieser Halsschnupfenfrosch“ ließ die Sängerin kurzzeitig verstummen. Davon ist im Werk 2 nichts zu spüren. Sarah Lesch ist gut bei Stimme und sie hat was zu sagen: Vom „Kapitän“ zum Beispiel. Ihr erstes selbst geschriebenes Lied über den Cap-Anamur-Flüchtlingshelfer Stefan Schmidt. Zugeschrieben einem Menschenretter, der mit Preisen geehrt und zeitgleich vor Gericht steht. Daraus machte Lesch einen Aufschrei gegen das Absurdistan der Flüchtlingspolitik – verpackt in ein fast zartes Gitarrenspiel. „Was denn das für eine Welt sei“, fragt sie leise klagend, bevor schrill die Mundharmonika erklingt. Im Publikum gibt’s betretenes Schweigen als vielsagende Antwort.

Tirade gegen Plastikmüll und RTL2

Überhaupt ist die zierliche Sängerin mit den schweren Dreadlocks eine nimmermüde Sinnsuchende: In ihren politischen Songs wie auch in den Liebesliedern. Das ist beruhigend und aufregend zugleich. Hier tritt keine Welterklärerin auf, sondern eine, die Fragen stellt und mit ihren Fans zu neuen Ufern aufbricht. Exemplarisch steht dafür „Testament“: Eine Abrechnung der früheren Kindergärtnerin mit dem Kommerz von klein auf und dem Schubkastendenken in der Erziehung. Und eine bitterböse Tirade gegen Traumverkäufer, gegen Plastikmüll, schön gespitzte Bleistifte und RTL2. Die Götter lachen sich krumm und eine milde Pointe hat Lesch nicht im Angebot. Dafür aber einen Mutmacher: Ein anderes Leben ist möglich. Auf geht’s, ihr Weltfremden!

Das Lied hat sie zurecht bekannt gemacht, ihr Preise eingebracht, sie an die erste Liga der deutschen Liedermacher herankatapultiert. Selbst krude Vereinnahmungsversuche aus der rechtsextremen Szene konnten den Glanz nicht trüben. Nur allein mit dem Stempel Lieder-„Macherin“ wird man der vielseitigen Leipzigerin nicht ganz gerecht. Ein Fan schrieb ihr letztens, sie sei eine Gefühlspianistin – das trifft es eher. Sarah Lesch beherrscht tatsächlich die ganze emotionale Klaviatur: Sie kann schrill und wieder sanft, sensibel oder auch mal herrlich schnodderig.

Läden auf? Besser: Auf-Laden!

Und dazu die Texte, die weniger gemacht, sondern vielmehr gelebt sind. Wie bei „Plejaden“ , einem schmerzhaften Liebesversprechen, das eigentlich vom traurigen Kampf gegen die Sucht erzählt. Oder „Sorry Baby“ – gewidmet ihrer Freundin Anna, die nach 12 Jahren des Leidens unter einer „Flachpiepe“ endlich ihr Leben ändern will. Und natürlich „Nichts“ – ein herrlich befreiendes Lied, das zum Auf- und Ausbruch an den Strand ermuntert. Wo Lust und Liebe reichen, dafür weniger Luxus und mehr Leben.

Alle Läden auf? Besser ist wohl: Auf-Laden – mit Sarah Lesch, an einem tief berührenden Abend voller Gefühle im Werk 2. Für den Gefühlskater am Morgen danach schreibt sie dann sogar eine Entschuldigung: „Egal für was.“ Ansonsten reicht es, die Herzen und ein Bier zu öffnen und auch mal im „Nichts“ zu versinken: „Ich trink’ mich zu Dir und Du trinkst dich zu mir.“ Keine schlechte Idee, sich an diesem langen Mai-Wochenende mal diesen „Luxus“ zu gönnen.

Von Olaf Majer

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