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Die Hoch-Zeit der Erwartungen

„Bräute“ im Theater der Jungen Welt Die Hoch-Zeit der Erwartungen

Heike Hennig sorgte mit dem Stück „Crystal“ um die gleichnamige Droge bundesweit für Aufsehen. Nun inszeniert sie erneut für das Theater der Jungen Welt. Am Donnerstag hat „Bräute“ Premiere im Großen Saal. Wir sprachen zuvor mit der 50-jährigen Choreografin und Regisseurin.

Kulturen und Erwartungen begegnen sich – eine Probenszene aus „Bräute“.

Quelle: Sebastian Schimmel

Leipzig. Mit dem Stück „Crystal“ um die gleichnamige Droge sorgte Heike Hennig bundesweit für Aufsehen und erhielt den Preis des Sächsischen Theatertreffens. Nun inszeniert sie erneut für das Theater der Jungen Welt. Am Donnerstag hat „Bräute“ Premiere im Großen Saal. Es geht um Erwartungen, Aberglauben, Bräuche und kulturelle Besonderheiten wie auch Hindernisse bei Hochzeiten. Wir sprachen zuvor mit der 50-jährigen Choreografin und Regisseurin.

Wie kommt man auf die Idee, ein Stück über Bräute zu machen?

Während der Arbeiten an einem anderen Stück meinte meine Bühnenbildnerin einmal entnervt zu mir: „Ich hasse Bräute!“. Sie schneidert nebenbei, und ganz kurz vor Hochzeiten muss sie ständig die Kleider umnähen, weil die Bräute vor lauter Aufregung so abgenommen haben. Ich fand diesen Satz und die möglichen Geschichten dahinter spannend. TdJW-Dramaturgin Winnie Karnofka, mit der ich schon „Crystal“ gemacht habe, ging es genauso. Und dann kam die Sache in Schwung.

Was bekommt der Zuschauer?

Er bekommt viel zu sehen und zu fühlen. Ein Aufprall von Körper und Emotionen, von Höhen und Tiefen, von Anziehung und Abstoßung, Gender-unabhängig, lustvoll, traurig, schön. Es geht um den Umgang mit hohen Erwartungen, um diese riesengroße Sehnsucht nach der Erfüllung durch den einen Partner, der fehlenden zweiten Hälfte in uns. Auch taucht die Frage auf, wie man das Versprechen „auf immer und ewig“ leben kann.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Ich habe einen Sommer lang Hochzeiten besucht, selbst oft emotional sehr berührt. Und ich habe viele Interviews geführt, mit angehenden Bräuten, mit seit Jahrzehnten verheirateten Menschen unterschiedlicher Religionen, Nachbarn, mit Schülern – und festgestellt: Es gibt eine Gemeinsamkeit in der Sehnsucht, unabhängig von Alter, Kultur und Religion.  

Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?

Dass bei Jugendlichen das Thema Ehe nicht unmodern ist – oft wurden praktische Gründe genannt, selten fiel das Wort „Liebe“. Überraschend für mich vor allem: Die Mädchen wollen noch immer unbedingt in Weiß heiraten. Eine bürgerliche Tradition, die wohl nicht ausstirbt?

Gab es auch hinsichtlich der Religionen Unerwartetes?

Als spannend hat sich die unterschiedliche Herangehensweise entpuppt, wie man die Liebe findet. Der Rabbi beispielsweise erzählte uns, dass Ehepartner von offiziellen Vermittlern oder der Familie ausgesucht werden. Das schließt die Leidenschaft oder Zuneigung später aber nicht aus. Er sagte: „Die Liebe kommt von hinten.“ 

Unterschiede in der Hochzeits-Kultur werden also auch beleuchtet?

Wir streifen sie. Innerhalb von nur fünf Minuten spielen wir eine jüdisch-arabisch-christliche Hochzeit durch. Insgesamt reisen wir eher in der Zeit als in der Welt, weit zurück zu Platon und dem antiken Mythos vom Kugelmenschen. Inspirationen lieferte uns auch der Hochzeitskatalog „Heiraten in Sachsen 2016” – die Spanne ist weit. Da kommen Fragen auf wie: Heiratet man eigentlich für sich oder aus Prestige?

Wie viel Tanz und wie viel Theater wird es geben?

Hochzeit bedeutet Aufregung, Zweifeln, viel emotionale Dynamik, viel innere und äußere Bewegung. Auf der Bühne stehen vier Schauspieler und zwei Tänzer, die über Tanz und Text gleichermaßen verschiedene Brautzustände verkörpern.

Sie sind Grenzgängerin zwischen den Genres – kann Tanz nicht genug ausdrücken?

Manchmal reicht die Sprache nicht aus, um etwas zu sagen, da ist körperlicher Ausdruck stärker. Beim Begehren zum Beispiel. Und ein anderes Mal verhält es sich umgekehrt, und manchmal ist beides zusammen am besten.

Hat man nach dem Abend mehr oder weniger Lust auf die Ehe?

Das fragen wir auch zwischendurch das Publikum. Auf die Antworten sind wir gespannt.

Sind Sie selbst verheiratet?

Ich war es mal.

Würden Sie es nochmal tun?

So weit von der Vorstellbarkeit bin ich gar nicht weg, wie ich mal dachte. Allein so ein großes Fest zu feiern, ist toll. Ganz ohne irgendwelchen Erwartungsdruck, einfach wegen des Zusammenseins und der Lust am Feiern.

Interview: Mark Daniel

Premiere von „Bräute“ (ab 16) am Donnerstag um 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen
4. März und 30. März um 19.30 Uhr, 7. und 31. März um 11 Uhr. Kartentelefon 0341 4866016.

Heike Hennig, Regisseurin und Choreografin, spricht über „Bräute“

Heike Hennig, Regisseurin und Choreografin, spricht über „Bräute“

Quelle: LVZ

Von Mark Daniel

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