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Die Pfeffermüller schicken Gott in die Reha

Neues Programm Die Pfeffermüller schicken Gott in die Reha

Wo ist Gott? Hat er uns verlassen? Will er uns strafen? Auslöschen? Fühlt er sich unterhalten, von dem, was hier unten so an Gräuel und Peinlichkeiten passiert? Gibt es ihn überhaupt? Die Pfeffermühle liefert bei der Premiere ihres Stückes „Drei Engel für Deutschland, Teil 2 - Schröpfungsgeschichte“ eine Antwort: Gott muss in die Reha.

„Drei Engel für Deutschland Teil 2“ mit Rainer Koschorz, Rebekka Köbernick und Frank Siekel.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Wenn man sich als reflektierter Mensch in der Welt beziehungsweise den Nachrichten umschaut, kommt man nicht umhin, sich zu fragen: Wo ist Gott? Hat er uns verlassen? Will er uns strafen? Auslöschen? Fühlt er sich unterhalten, von dem, was hier unten so an Gräuel und Peinlichkeiten passiert? Gibt es ihn überhaupt?

Die Pfeffermühle liefert bei der Premiere ihres Stückes „Drei Engel für Deutschland, Teil 2 - Schröpfungsgeschichte“ eine Antwort, die einem zumindest den Glauben an die Allmacht eines höheren Wesens entreißt: Gott muss nämlich in die Reha. Burnout - wegen all dem Mist, der hier unten so abgeht. Und diese höchst pikante Krankschreibung liefert die Rahmenhandlung für die Machenschaften einer ganz besonderen Eingreiftruppe: Drei Engel (Rebekka Köbernick, Rainer Koschorz, Frank Sieckel) sollen den Laden schmeißen, so lange der Chef mal eben weg ist. Besser gesagt: der HÖD, der himmlische öffentliche Dienst in Person von Paschke, Pollmann und Peters. Die sind zwar – zumindest für die Männer im Publikum - nicht ganz so attraktiv und stilbildend wie die Vorbilder aus der US-amerikanischen 70er-Jahre-Actionserie „3 Engel für Charlie“, geben sich aber auch alle Mühe, ihre Fälle zu lösen. Obwohl anfangs natürlich – kleiner Seitenhieb auf das Klischee des Beamtentums – jeder der Engel versucht, die Akte zum Fall Pegida seinem Kollegen unterzujubeln. Ein bisschen wie auch im richtigen Leben: Nicht damit beschäftigen, man könnte ja was falsch machen.

Die Autoren des Stücks, Axel Cruse und Gernot Voltz, haben viele irrwitzige Ideen und bauen ihren Schauspielern auf der Bühne Settings, die teils an die gute alte Metapher vom Autounfall erinnern: Es ist irgendwie schlimm und abstoßend, aber hinschauen muss man doch! Und sieht dann eben die AfD-Vorsitzende Petry mit Hitler in meist trauter Einigkeit in der Badewanne planschen. Einziger Unterschied: Sie will raus aus Europa – der Führer aber natürlich immer noch rein, in möglichst viele Länder. Optisches Highlight am Ende der Szene: Ein Arschgeweih mit der Deutschlandkarte und den Grenzen von 1938.

Doch nicht nur die dunkelbraune Vergangenheit ist Thema, auch die Tücken der Moderne in Form von Digitalisierung und Internet werden zur Zielscheibe gezielter Spottpfeile. Im „Smart Home“, wo der gesamte Haushalt aus semi-intelligenten Geräten besteht, die miteinander kommunizieren, stellt die Toilettenmess-Station irrtümlich eine Schwangerschaft fest, die Online-Bank wird informiert, am Ende des Dramas muss der Mensch Insolvenz anmelden. Ein gelungener satirischer Blick auf ein erschreckendes, vielleicht gar nicht mehr so fernes Zukunftsszenario. Und wenn alle schlauen Haushaltsgeräte im Dialog stehen, fühlt man sich an Großmeister Otto Waalkes und seine Konferenz der Körperorgane erinnert.

Aber trotz der vielen Einfälle laufen manche Szenen nicht rund, Wortspiele verpuffen und der Kritiker denkt: Wär da nicht noch mehr drin gewesen? Aber so ist das eben bei Engeln: Egal, was sie tun - sie können’s dem Menschen nicht immer recht machen.

Die nächsten Termine: Freitag, 20 Uhr, Samstag, 17 und 20 Uhr, Sonntag 17 Uhr. Kartentelefon: 0341 9603196

Von Markus Gärtner

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