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Die Pläne des neuen Direktors des Bildermuseums Alfred Weidinger

Von Arno Rink bis Yoko Ono Die Pläne des neuen Direktors des Bildermuseums Alfred Weidinger

Der österreichische Kunsthistoriker Alfred Weidinger ist neuer Direktor des Leipziger Museums der bildenden Künste. Der 56-Jährige trat sein neues Amt zum 1. August offiziell an. Er wolle der „alten und neuen“ Kunst aus Leipzig einen breiten Raum bieten und die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern voranbringen, erklärte Weidinger am Mittwoch in Leipzig.

Alfred Weidinger vor Max Klingers Beethoven
 

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Seit Monaten bereits redet er mit Leipzigern, mit Würdenträgern, mit ganz normalen Bürgern, mit Kunst-Experten, mit Laien, Freunden des Bildermuseums und Skeptikern. Vor allem aber redet er mit Arno Rink, dem Doyen der zeitgenössischen Malerei in Leipzig. Weidinger: „Als klar wurde, dass ich die Stelle bekomme, hatte ich das Bedürfnis, irgendjemanden anzurufen und es zu erzählen. Zuerst dachte ich an Neo Rauch. Aber den kannte ich schon, das wäre langweilig gewesen, also entschied ich mich für Arno Rink.“ Und mit ihm kam er schnell ins Geschäft: „Er steht im Zentrum der ersten großen Sonderausstellung mit dem Titel ,Ich male’ – und ich habe ihm gesagt: Dafür müssen Sie mir alles erzählen, was es zu erzählen gibt.“ Und so treffen sich der neue Museumschef und der ehemalige Rektor der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst einmal in der Woche zum jour fixe, um zwei Stunden miteinander zu reden über die Kunst in und aus Leipzig und das Museum, das sie künftig in noch stärkerem Maße zeigen wird.

Vor allem die aktuelle: Ab 2018 wird Weidinger jungen Künstlern aus Leipzig jeweils für einen Monat einen Raum zur Bespielung zur Verfügung stellen. Unter 30 müssen sie sein, und der Frauen-Anteil soll bei mindestens 50 Prozent liegen. Aus den Bewerbern (auf der Internet-Seite des Museums der bildenden Künste können Interessenten sich bereits ins Spiel bringen) wählt eine internationale Jury aus, und wer den Zuschlag bekommt, hat denkbar größte Freiheiten.

Ansonsten hält sich Weidinger mit der Ankündigung konkreter Ausstellungsprojekte noch zurück, er müsse noch reden: „Heute ist ja erst mein zweiter Arbeitstag, und zunächst möchte ich mit den Mitarbeitern des Hauses sprechen, wie wir das Bestehende weiterentwickeln können. Denn ich habe definitiv keinen Neuanfang vor. Ich übernehme das Bildermuseum in einer sehr guten Zeit. Die Architektur, die sich zunächst als Monolith und unnahbar präsentiert hat, ist nun sprichwörtlich mitten in der Stadt angekommen. Jetzt fehlt der letzte Schritt: Das Museum muss mit der Stadt verbunden werden. Darum möchte ich die Museumsarbeit unter das Motto ,Connect Leipzig’“ stellen.“

Dafür hat er sechs Alleinstellungsmerkmale ausgemacht, Säulen, auf denen seine Konzeption künftig ruhen soll. Da wären erstens die Leipziger Schulen, denen Weidinger das deutlich attraktiver gestaltete Tiefgeschoss widmen will: In der Eingangshalle werden die Fakten vermittelt, in den angrenzenden Räumen gibt’s die Kunst dazu, einen für die Leipziger Schule aus DDR-Zeiten, eine für die Neue Leipziger Schule und einen, der frei vergeben und kuratiert wird – „aber natürlich immer im engen Zusammenhang mit der Stadt und den hiesigen Künstlern“.

Die zweite Säule sind für Weidinger „die enormen Volumnia. Dieses Museum hat 2500 Quadratmeter Fläche, das ist nicht besonders groß. Aber der umbaute Raum ist bei Deckenhöhen von bis zu 16 Metern einzigartig. Ich bin bereits in engem Kontakt mit Künstlern wie Ai Weiwei, Carsten Höller oder Tomás Saraceno, die sich darauf freuen, in, mit und für diese Räume zu arbeiten.“ Womit auch gleich geklärt wäre, dass Weidinger keineswegs gewillt ist, vor lauter Leipzig-Bezug auf große internationale Namen zu verzichten. Im Gegenteil: „Wir brauchen solche Projekte. Denn sie generieren Erlöse, die ich dann in Unbekannteres investieren kann.“ Zugespitzt könnte man also sagen: „Ai Weiwei finanziert die junge Kunst vor Ort.“

Die dritte Säule des Bildermuseums ist für den Österreicher das Werk Max Klingers, „ein furchtbarer Maler eigentlich – aber sein Konzept vom Gesamtkunstwerk war von enormem Einfluss auf die Kunst. Die Wiener Secession wäre ohne Max Klinger nicht denkbar. Das werden wir zeigen, aber dafür muss Klinger aus diesem Weißraum raus. So hat man das vor 15 Jahren sicher gemacht – aber ich denke: Max Klinger braucht das 19. Jahrhundert, um erleb- und verstehbar zu werden.“

All das dient für Weidinger einem Ziel: „Wir haben hier ein sehr schönes Museum mitten in der Stadt. Wir müssen nur noch die Leute hereinkriegen. Es reicht heute nicht mehr, die Türen aufzumachen und zu sagen: Kommt alle rein! Ich setze auf Interaktivität.“ Und selbstredend aufs Reden.

Von Peter Korfmacher

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