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Die Rasterung stürzender Pferde: Katsutoshi Yuaza in der Leipziger Galerie ASPN

Die Rasterung stürzender Pferde: Katsutoshi Yuaza in der Leipziger Galerie ASPN

Katsutoshi Yuaza zeigt in der Leipziger Galerie ASPN Japanischer Holzschnitt in moderner Interpretation. Dabei wird das exotische Flair des Namens nur zum Teil eingelöst.

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Großer Auftritt: Das Riesenbild aus 12 000 Quadraten in 256 Graustufen dominiert die Ausstellung "Grey Scales" von Katsutoshi Yuaza in der Galerie ASPN.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Katsutoshi Yuaza ist Japaner, keine Frage. Und trotz des so global-technologisch klingenden Ausstellungstitels "Grey Scales" ist er den Traditionen seines Landes mit der uralten Hochkultur auch eng verbunden. Dennoch thematisiert er die Widersprüche zwischen dem immer noch tief verwurzelten, manchmal dogmatisch erscheinenden Traditionsbewusstsein der Japaner mit den daran klebenden steifen Ritualen einerseits und der Modernität jener ökonomischen Weltmacht andererseits.

Das tut er nicht durch kontrastreiche Gegenüberstellungen, sondern ganz subtil innerhalb eines Bildes. Betritt man die Galerie, scheint es nur ein einziges Exponat zu geben. Quadrate grau in grau, wandfüllend. Wer Computerprogramme zur Fotobearbeitung nicht nur dem Hörensagen nach kennt, muss zwangsläufig ein Bild hinter diesem Muster vermuten. Doch es wäre nötig, noch etliche Meter zurück zu treten. Das verhindern die Dimensionen des Raumes. Die Einladungskarte kann weiterhelfen. Reicht die Armlänge nicht aus, sollte man sie anpinnen und Abstand nehmen. Auch wenn die Auflösung eher der von Fotoapparaten aus der digitalen Pionierzeit entspricht - jedes Smartphone kann heute besser ablichten - wird doch die dramatische Szene eines Pferderennens sichtbar. Mindestens zwei Rosse mit Reiter sind offenbar gestürzt, die Folgen noch nicht absehbar.

Stück für Stück per Holzschnitt gedruckt

Das Riesenbild besteht aus Zwölftausend kleinen Quadraten in den 256 Graustufen, den ein übliches Jpeg-Bild einer durchschnittlichen Digitalkamera produziert. Katsutoshi Yuaza hat diese Papier-Pixel aber nicht einfach aus industriellem Material gestanzt, sondern Stück für Stück per Holzschnitt gedruckt. Bei genauem Hinsehen erkennt man die Maserung des Holzes. Solch ein paradox erscheinender Aufwand muss Gründe haben. Die Bemaßung der Teile ist europäischen Ursprungs, die amerikanoide Einheit dpi wird metrisch umgerechnet.Der Inhalt ist aber ganz ostasiatisch. Ähnliche Pferderennen gibt es in vielen Teilen der Welt, das hier dargestellte folgt aber strengen japanischen Regeln. Der Künstler fragt nach dem Sinn dieses Beharrens. Und er fragt, ob nicht gerade die Strenge zu Überschreitungen verleitet, die dann eben heftige Auswirkungen haben können.

Schaut der Besucher hinter die Stellwände, findet er weitere vier Grafiken Yuazas, wesentlich bescheidener in den Dimensionen, vergleichbar in der Herangehensweise.

Monet lässt grüßen. Das ist doch ganz bestimmt sein Seerosenteich in Giverny. Vielleicht, eine Ähnlichkeit jedenfalls ist da. Hier verknüpft der Künstler das westlichen Bildungsbürgern vertraute Motiv mit einer japanischen Technik.Wieder ist es Holzschnitt, doch anders geartet als beim großem Pixelbild und dessen kleinem Ableger im Nebenraum.

Eine halluzinierende Stimmung

Zunächst hat Katsutoshi Yuaza ein vertikales Linienraster mit modifizierter Strichstärke in gedämpftem Schwarz gedruckt. Darüber dann horizontal Linien in wechselnden Farben. Es entsteht eine halluzinierende Stimmung, realistisch und doch deformiert. Schön und befremdlich irreal, von innen leuchtend. Vergleichbar behandelt er zwei klassisch wirkende morbide Blumenstillleben.

Die quantitativ zurückhaltende Bestückung der Ausstellung ist bezeichnend für Yuasas Heimat. Die Faszination entsteht aber aus der spannungsreichen Verknüpfung verschiedener Kulturkreise in unterschiedlichen zeitlichen Beziehungen.

Katsutoshi Yuaza - Grey Scales: bis 9. August, Mi-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr, Galerie ASPN, Spinnereistraße 7

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.07.2014

Jens Kassner

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