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Die Revolution muss warten: Irie Révoltés geben im Werk 2 ein zahmes Konzert

Protestband in Leipzig Die Revolution muss warten: Irie Révoltés geben im Werk 2 ein zahmes Konzert

Vielleicht liegt es an der aktuellen Platte, dass Irie Révoltés am Montagabend im Leipziger Werk 2 ein vergleichsweise zahmes Konzert gegeben haben. Die ist nämlich vorwiegend poppig geraten. Ein schöne Party hat die Heidelberger Protestband mit ihren Fans trotzdem gefeiert.

Immerhin eine große Party: die sonst so kämpferische Protestband Irie Révoltés am Montagabend im Werk 2.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Eigentlich stehen die Zeiten für Rebellen gerade gut. Besorgte Bürger aller Couleur marschieren durch sächsische Fußgängerzonen, der Fraktionsvorsitzende einer rechtspopulistischen Partei redet sich in einer ARD-Talkshow um Kopf und Kragen, und dazu wird auch noch die Oberbürgermeisterkandidatin von Köln einen Tag vor der Wahl von einem mutmaßlichen Fremdenfeind niedergestochen.

Entwicklungen, gegen die Irie Révoltés seit ihrer Gründung vor 15 Jahren ansingen. Just am Jahrestag der Gründung von Pegida, an dem wieder rund 20 000 Anhänger des Bündnisses in Dresden auf die Straße gehen, tritt die Heidelberger Band im Werk 2 auf – und wirkt doch weniger kämpferisch als bei ihrem letzten Konzert vor anderthalb Jahren.

Das hängt auch mit dem Übergewicht der diesmal von der neuen Platte stammenden Songs zusammen. Das schlicht „Irie Révoltés“ genannte Werk ist nämlich vorwiegend poppig geraten. Schon im Erstling „Ruhe vor dem Sturm“, der auch am Montag als erstes erklingt, heißt es zwar „Unsere Wut bricht aus“, doch diese Wut wird mit Saxofon- und Trompeteneinsatz eher sanft rübergebracht.

Eine aparte Mischung

Insgesamt neun Musiker umfasst die Reggae-Hip-Hop-Ska-Dancehall-Kapelle, im Vordergrund stehen allerdings eindeutig die beiden charismatischen Brüder „Mal Élevé“ und „Carlito“. Deren Vater stammt aus Frankreich, weshalb die beiden abwechselnd auf Französisch und Deutsch sprechsingen. Eine aparte Mischung, die sicher viel zum kommerziellen Erfolg der Protestband beigetragen hat. Das aktuelle Album etwa stieg immerhin bis auf Platz 21 der deutschen Charts.

Auf der Bühne geben Mal Élevé und Carlito regelmäßig die Rampensäue. Dort wedeln sie mit Handtüchern, führen wilde Tänze auf und wechseln ein ums andere Mal die Kleidung – wie auch im Werk 2 zu besichtigen, wo sich die Frontmänner etwa bei „Stopper“ schwarze Umhänge mit einem giftgrünen Irie-Revoltés-Logo überstreifen. Oder bei „Travailler“ („Arbeiten“), als sich Carlito stilecht ein Businessjackett überstülpt.

Doch noch „P(L)egida“

Schließlich kommt das Thema „P(L)egida“ doch noch zur Sprache. Vor „Merci“ dankt Carlito allen, die auf der kurz zuvor abgehaltenen Anti-Legida-Demo waren. Und „Résisdanse“ kündigt Mal Élevé mit den Worten an: „Wir wissen, auch wenn die Nazis gerade stark sind, gibt es auch eine starke Bewegung dagegen.“ „Squatte“ wird sogar mit einem offiziellen Aufruf gegen Gentrifizierung eingeleitet.

Ansonsten bleibt der diesjährige Auftritt aber eher eine große Party, mit schönen Melodien, eingängigen Texten und genug „Ohohs“ und „Ahahs“ zum Mitsummen in den Refrains. Als kleine Protestnote skandieren einige Besucher immer wieder „Alerta, alerta, Antifascista“, das nach dem regulären Teil des Konzerts nahtlos in ein „Zugabe, Zugabe“ übergeht.

Dort halten Mal Élevé und Carlito gemeinsam ein „Refugees Welcome“-Banner hoch und auch die Vorband „RDGLDGRN“ darf noch einmal auf die Bühne. Mal Élevé führt im A-Cappella-Stück „Viel zu tun“ derweil per Double-Time-Geschwindigkeit seine Rap-Skills vor.

Ein letztes, resigniertes Plädoyer hält Carlito am Ende noch ab („Es ist eine traurige Wahrheit, dass wir das, was wir vor 22 Jahren erlebt haben, jetzt wieder erleben müssen. Und teilweise sogar noch schlimmer“), dann geht im programmatischen „Explosion“ alles in einem großen Knall unter.

Von Christian Dittmar

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