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Die Stasi und der Fußball – neue Schau in der Runden Ecke Leipzig

Runde Ecke Leipzig Die Stasi und der Fußball – neue Schau in der Runden Ecke Leipzig

Eine Ausstellung in der Runden Ecke widmet sich dem Thema Stasi und Fußball – und blendet Wesentliches aus

Erich Mielke – natürlich vorn an in der Ausstellung über die Fußball-Stasi.
 

Quelle: BSTU-Außenstelle Leipzig

Leipzig.  Stasichef Erich Mielke war ein großer Fußballfan. Also „hielt“ er sich wie nach Gutsherrenart den BFC Dynamo. Der war in den 1980er-Jahren der ungeliebteste Fußballverein der DDR, wurde freilich zehn Mal in Folge Meister des real-sozialistischen Landes. Der BFC war der Stasiklub. Mielke und Co. protegierten ihren Verein wie es ihnen gefiel, umstrittene Schiedsrichterentscheidungen sorgten zunehmend für Unmut im Fußball-Land. Dass die Thom, Rohde und Co. freilich auch ziemlich gut Fußball spielen konnten, wollten die Fans, die ihr Feindbild auserkoren hatten, eher nicht zur Kenntnis nehmen.

Eine Ausstellung in der Leipziger Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen widmet sich unter dem Titel „Fußball für die Stasi“ dem BFC Dynamo – und enttäuscht. Und das gerade am Ausstellungsort Leipzig. Die Geschichte des Berliner Fußballklubs Dynamo wird dargelegt wie die systematische Einwirkung des Geheimdienstes auf den Sport. Das Thema Doping, im Fußball bis heute weitgehend ausgeblendet, findet statt wie die sattsam bekannten Fluchtgeschichten der BFC-Spieler Lutz Eigendorf (März 1979 nach einem Spiel des BFC in Kaiserslautern) sowie Falko Götz und Dirk Schlegel (November 1983 in Belgrad).

Was die Fans in den 1980-er Jahren auf die Palme brachte, das waren die vielfach nicht nachvollziehbaren Schiedsrichterentscheidungen pro BFC, die zwar in der Schau angesprochen, aber nicht tiefgründig behandelt werden. So gab es Analysen des DDR-Fußballverbandes, die belegen, dass für den BFC gepfiffen wurde. Einer der willfähriger Pfeifenmänner hieß Adolf Prokop, der nach 1990 als OibE (Offizier im besonderen Einsatz) enttarnt wurde. Als Höhepunkt der Bevorteilung des Mielke-Klubs gilt das Oberligapunktspiel zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und dem BFC im März 1986 in Leipzig, das in der genannten Schau nicht erwähnt wird: Erst zeigte Schiedsrichter Bernd Stumpf (IM Peter Richter) dem Lok-Spielmacher Matthias Liebers eine unberechtigte Rote Karte, dann ließ der Schiri aus Jena bis zur 95. Minute spielen. BFC-Akteur Bernd Schulz sank im Lok-Strafraum zu Boden, für Stumpf keine Frage: Elfmeter. Frank Pastor verwandelte, der BFC glich zum 1:1 aus und wurde wenige Spieltage danach erneut Meister. Im Sächsischen Tageblatt war im Spielbericht von einem „Fall-Elfmeter“ die Rede, auch müsse die Bevorteilung des BFC seitens der Schiedsrichter endlich aufhören. Mutig die Meinung und dennoch keine Konsequenzen. Auch das gab’s.

Die Ereignisse in Leipzig waren wohl selbst den besten Genossen zu viel. So kabelte Helmut Hackenberg, Lok-Fan und 2. Sekretär der SED-Bezirksleitung Leipzig, ans Politbüro nach Berlin: „Nach dem Spiel versuchten aufgebrachte Zuschauer, das Spielfeld zu stürmen und den Schiedsrichter anzugreifen. Negative Elemente wollten die Situation ausnutzen, um Unruhe zu stiften und die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu beeinflussen.“ Wegen anhaltender Diskussionen in den Arbeitskollektiven sei die Planerfüllung in Gefahr. Von Mielke ist überliefert: „Der BFC hat weder den Schiedsrichter angesetzt, noch den Elfmeter gepfiffen …“ Schiedsrichter Stumpf wurde, wie manch anderer seiner Mielke ergebenen Kollegen, vorübergehend aus dem Verkehr gezogen. Der BFC Dynamo blieb bis zum Ende der DDR der „Schiebermeister“. Was belegt ist mit einer späteren Aussage des Trainers von Dynamo Dresden, Klaus Sammer: „Zweiter zu werden und ab und zu Pokalsieger – mehr war in der DDR nicht zu erreichen.“

Die Schau läuft bis zum 31. Juli in der BSTU-Außenstelle Leipzig.

Von Thomas Mayer

Weitere Informationen zur Gedenkstätte in der "Runden Ecke"

Leipzig, Dittrichring 24 51.341124 12.37161
Leipzig, Dittrichring 24
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