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„Die Wege der Bilder“: Wissenschaftler streiten auf Dresdner Tagung über DDR-Kunst

„Die Wege der Bilder“: Wissenschaftler streiten auf Dresdner Tagung über DDR-Kunst

Wissenschaftler wollen DDR-Kunst jetzt aus der Versenkung holen. Auf einer Tagung in Dresden debattieren Experten aus dem In- und Ausland von Donnerstag bis Samstag über die Sammlungspolitik ostdeutscher Kunst vor und nach der Wende.

Dresden. Obwohl die gesellschaftliche Bedeutung und ästhetische Qualität der Bildenden Künste in der DDR inzwischen kaum noch ernsthaft bestritten werde, bleibe sie im öffentlichen Raum bis heute weitgehend unsichtbar, teilte die TU Dresden am Dienstag mit. Seit der Wende lagere der Großteil der Kunstwerke meist im Depot.

„Selbst in der Programmpolitik vieler ostdeutscher Museen, die über umfangreiche Kollektionen mit Kunst aus der DDR verfügen, spielt dieser Besitz nur eine marginale Rolle“, sagte Kunstwissenschaftler Paul Kaiser der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings sieht er Indizien dafür, dass sich der Wind auch drehen kann. Er verwies auf die große Retrospektive zur DDR-Kunst 2003 in der Berliner Nationalgalerie, die 250 000 Besucher anzog. Vier Jahre zuvor war es in Weimar noch zum Debakel gekommen, als die Schau „Aufstieg und Fall der Moderne“ DDR-Kunst in die Nähe nationalsozialistischer Ästhetik rückte. Das führte zum „deutsch-deutschen Bilderstreit“.

Unlängst hatte sich der Chemnitzer Künstler Michael Morgner darüber beschwert, dass Werke aus der Kunstsammlung des Bergbauunternehmens Wismut im künftigen Haus der Archäologie gezeigt werden soll. Ihm sei bei dieser Nachricht „fast das Blut in den Adern geronnen“, zeigte sich Morgner erschüttert. Mit „Wismut-Unkunst“ dürfe kein solches Gebäude besudelt werden. Paul Kaiser hält eine solche Reaktion für überzogen und wirbt für Sachlichkeit in der Debatte. „Die pauschale Abwertung aller Kunst ist nicht haltbar.“ Kaiser erinnerte daran, dass auch Morgner einst für die Harlaß-Gießerei im früheren Karl-Marx-Stadt Auftragskunst schuf.

Kaiser ist am „Bildatlas: Kunst in der DDR“ beteiligt. Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt entstand vor zwei Jahren und fasst Malerei aus der DDR in einer Forschungsdatenbank zusammen. Bis Ende April 2012 soll das Projekt abgeschlossen und dann auch der Öffentlichkeit zugänglich sein. DDR-Kunst entstand nicht selten durch Auftragswerke von Unternehmen. Viele von ihnen haben die Bestände bis heute nicht erfasst. Dass Museen sich in der Präsentation zurückhalten, führt Kaiser auf eine abwartende Haltung vieler Direktoren zurück. Viele hätten schlichtweg Angst, einen Fehler zu machen.

dpa

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