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Die Welt außerhalb des gelben Büchleins: Neue Theaterpädagogik am Schauspiel Leipzig

Die Welt außerhalb des gelben Büchleins: Neue Theaterpädagogik am Schauspiel Leipzig

Mit der Intendanz von Enrico Lübbe hat auch die Theaterpädagogik am Schauspiel eine neue Ausrichtung gefunden. Swantje Nölke und Jennifer Gaden sind dafür zuständig - und führen nicht nur Schüler an Theaterstoffe heran.

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Swantje Nölke (links) und Jennifer Gaden erweitern ihr Angebot auf Über-31-Jährige.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Ab 24. Februar leiten sie erstmals eine Theaterakademie für Jugendliche.

Um Wünsche geht es. Und um Träume. Ein schöner Ausgangspunkt, den die beiden Theaterpädagoginnen des Schauspiels gewählt haben für ihr kompaktes Theaterprojekt in den Winterferien. Interessierte Schüler und Jugendliche ab 13 Jahren tauchen für fünf Tage ein in eine Welt unter dem Motto "Dein Leben als Spiel". Was auch der Titel eines moralisch zweifelhaften US-Teenie-Films sein könnte. Ist es aber nicht. Swantje Nölke und Jennifer Gaden wollen einfach zum Fantasieren einladen, zum Spiel mit den eigenen Träumen, und nicht Theater als Reproduktion eines vorhandenen Stoffes auf die Bühne bringen.

Und auch Theater beschreibt das ergebnisoffene Projekt nur unzureichend. "Die Teilnehmer können in ganz unterschiedlichen Situationen kreativ tätig sein", erklärt Gaden. Szenenschreiben, Raumgestaltung, Singen, Video. Das sind denkbare Disziplinen, auf die sich die Jugendlichen konzentrieren können. Am 28. Februar ist das Ergebnis schon in der "Baustelle" im Schauspiel zu sehen. Als interaktive Performance. Rund 20 Plätze sind zu vergeben. Die Hälfte ist schon weg. Bis Samstag läuft die Anmeldefrist.

Die beiden Neu-Leipzigerinnen begleiten außerdem die Schauspiel-Clubs des Hauses. Der Jugendclub, für spielfreudige Laien ab 14 Jahren, ist ein Import aus Chemnitz und wird auch in Leipzig vom Schauspieler Yves Hinrichs geleitet. Neu ist der Club Ü31, das Äquivalent für die Älteren, geleitet von den Schauspielern Tilo Krügel und Hartmut Neuber. Ein Format, auf das die Leipziger gewartet zu haben scheinen. Fast 70 Mitspieler haben sich zusammengefunden, die ihre gegenwärtige Arbeit rund um die Begriffe "Zeit" und "Sehnsucht" am Ende der Saison auf der großen Bühne vorstellen. "In der nächsten Spielzeit", sagt Nölke, "gibt es vielleicht eine reine Seniorengruppe."

Gaden, zuvor Theaterpädagogin am Jungen Schauspiel in Braunschweig, und Nölke, zuletzt in Rostock als Dramaturgin und Theaterpädagogin tätig, sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Haus und potenziellen Besuchern. In der ersten Zeit hatten sie kräftig damit zu tun, das neue Angebot bekannt zu machen und die immerhin 30 Premieren der ersten Spielzeit für ihre Zwecke zu durchackern.

Neben generellen Stückeinführungen, Nachbesprechungen oder Workshops zu Inszenierungen nehmen sie den Kontakt zu Schulen auf. Zurzeit legen sie schon den Spielplan der kommenden Saison und Lehrpläne übereinander. "Es wird alles darauf abgeklopft, wie sich die Stücke in den Lehrplan integrieren lassen." Manchmal wird das Interesse der Schulen zum Selbstläufer: "Antigone" beispielsweise ist Abiturstoff.

Interessierte Klassen (ab Stufe 8) bekommen Einführungen oder Nachbesprechungen mit Dramaturgen oder Schauspielern. Oder sie sind bereits beim Probenprozess dabei. Eine interessante Beobachtung hat Swantje Nölke dabei gemacht: "Schüler sind eher konservativ in ihren Vorlieben." Es zieht sie in die Stücke mit den bekannten Titeln. Und: "Sie haben eine altertümliche Vorstellung davon, was Theater ist", ergänzt Jennifer Gaden. Deshalb sei es wichtig, Schüler zu sensibilisieren, dass es sehr unterschiedliche Möglichkeiten einer Inszenierung gibt.

Außerdem legen die Pädagoginnen Wert darauf, in den Theaterstoffen Themen aufzuspüren, die mit der Lebenswelt der Jugendlichen zu tun haben. Das kann, bei Antigone, die Machtasymmetrie sein. Soll man rebellieren oder sich unterordnen? Das geht bis hin zu Workshops, die im Anschluss an "Lulu" etwa das aktuelle Frauenbild in den Medien hinterfragen.

Bislang mangelt es noch an Interesse von Mittelschulen am Angebot des Schauspiels. Einige Lehrer halten die Stoffe für zu schwer für ihre Schüler, haben die Theatervermittlerinnen festgestellt. Da wünschen sie sich etwas mehr Mut. Einfach mal ausprobieren, eine Erfahrung abseits der Schulbank schnuppern, Theater als etwas Lebendiges erleben außerhalb der kleinen gelben Reclam-Welt.

Anmeldungen für "Dein Leben als Spiel" bis 15. Februar unter theaterpaedagogik@schauspiel-leipzig.de oder telefonisch unter 0341 12698495. Geprobt wird vom 24. bis 28. Februar, 10 bis 16 Uhr; Präsentation am 28. Februar, 18 Uhr, "Baustelle" im Schauspielhaus (Bosestraße, Ecke Dittrichring)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.02.2014

Dimo Rieß

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