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Die Wut ist weg, die Magie auch

Blue-October-Tournee Die Wut ist weg, die Magie auch

Blue October waren in Deutschland vor wenigen Jahren auf dem Sprung zur großen Nummer – mit wütenden bis traurigen Songs um das große seelische Leiden. Warum die US-Band um den charismatischen Sänger Justin Furstenfeld auf der sehr kurzen und am Wochenende beendeten Tournee nicht mehr den alten Zauber versprüht, hat einen klaren Grund: Der Frontmann ist glücklich.

Das Charisma ist geblieben: Justin Furstenfeld beim Konzert in Berlin.

Quelle: Maike Beilschmidt

Berlin. Dieser Mann ist eine außergewöhnliche Erscheinung: Bei seiner Performance entwickeln die Hände Justin Furstenfelds ein Eigenleben, übersetzen das Gesungene in gestische Bilder, räkeln sich, verrenken sich, schießen nach vorn. Beschwörend, magnetisierend, dass sich keiner entziehen kann oder will. Und dazu diese Texte: Furstenfeld machte auf früheren Alben seine überstandene Drogensucht und seine Depressionen, gegen die er seit seiner Jugend ankämpft, zum Thema. Da drehen sich Drähte durch den Kopf, sucht sich die Todessehnsucht einen lyrischen Ausdruck, schreit die Seele, all der Druck möge doch endlich, endlich verschwinden.

Verzweiflung stand da neben Eigentherapie, enthüllt im großen Schaufenster des Rock-Business. Es wirkte authentisch, dass Furstenfeld den öffentlichen Umgang mit seiner Krankheit auch als Ermutigung für andere Depressive und Suizidgefährdete verstanden wissen wollte, die Qual nicht in sich hinein zu fressen. Das Leiden steckte voller Dramatik und Tragik, rutschte in den Stücken jedoch nie ins pathetisch Behauptete. Die Trennung von seiner Frau und seiner Tochter brachte das meisterhafte Album „Any man in America“ heraus.

Vor gut drei Jahren brachte das Schicksal die große Wende in das Leben des heute 41-Jährigen: Neue Liebe, aus der zwei Kinder entstanden sind. Und weil der Texaner es offenbar nur schafft, über sich zu schreiben, hat die Musikwelt nun fluffige Poprocksongs über den Wandel, das Glück, die Liebe und die Kraft. Das ist wünschenswert für den Sänger, das Tragische ist nun auf Kunst übergegangen: Die Alben „Sway“ und „Home“ bestehen aus streichzarter Butterweichheit. Live muss das nicht viel bedeuten, so lange auch die alten Abkotz-Lieder dazu dosiert werden. Das praktizieren Blue October allerdings so gut wie gar nicht. Beim Konzert im wunderschönen Berliner Club Huxley’s Neue Welt steht als dritter Titel das Powerstück „Say it“ auf der Setlist, das Drumherum ist Friede, Freude, Zuckerkuchen. Auch wenn Furstenfeld sein Charisma verströmt – die Wut ist futsch, die Magie auch. Immerhin taucht „Hate me“ als Zugabe auf und setzt „Leaving In Your Dressing Room“ einen ruppigen Schlusspunkt – einer der wenigen starken Songs von „Home“. Doch die Fans warten vergeblich auf „Weight of the World“ oder „Any Man in America“ oder „The End“. Ja, die alten Blue October haben da ein Ende gesetzt, als das neue Leben des Justin Furstenfeld begann.

Nach den Gigs in Köln, München, Berlin und am Wochenende Frankfurt geht’s zurück in die Staaten. Und vielleicht hört der Kopf der fabelhaften Band bewegend-dramatische Geschichten, die ihn in neue Rage bringen. Müssen ja nicht die eigenen sein.

Von Mark Daniel

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